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Internationale Sicherheitspolitik nach dem 11. September


30.6.2011
Die Staaten des internationalen Systems passen ihre Politiken, Institutionen und Instrumente an die "neue" Bedrohung des islamistischen Terrorismus an. Doch der transnationale Terrorismus ist heute lediglich ein Risiko unter vielen anderen.

Einleitung



Nichts wird mehr so sein, wie es war." Das war die unmittelbare Reaktion zahlreicher Beobachter auf die Anschläge in New York und Washington am 11. September 2001. Diese spontane Einordnung in den ersten Tagen und Wochen nach den Attentaten folgte weniger einer differenzierten sicherheitspolitischen Analyse der Wirkung der Anschläge auf die internationale Politik, der Bedrohung durch den transnationalen, islamistischen Terrorismus und der Möglichkeiten nationaler und internationaler Akteure, diesen einzuhegen.

Vielmehr reflektierte die verbreitete Einschätzung die Einzigartigkeit dieser Anschläge, ihre unvergleichliche Bildgewalt und den daraus resultierenden medialen Widerhall: Beim 11. September 2001 handele es sich unter vielfältigen Gesichtspunkten um eine historische Wegscheide; er markiere einen Paradigmen- oder Epochenwechsel; er stehe für einen Strukturbruch des internationalen Systems; er symbolisiere die neuen, asymmetrischen Konflikte, mit denen der Westen zukünftig konfrontiert sei; er illustriere einen Konflikt der Kulturen. Zahlreiche weitere, ähnlich gelagerte Einschätzungen aus dem Herbst vor zehn Jahren ließen sich anführen.

Je weiter die Anschläge zeitlich zurückliegen, umso deutlicher wird, dass viele der Charakterisierungen des Epochenbruchs so nicht zutreffen. Der 11. September 2001 hat viele bereits zuvor erkennbare Entwicklungstendenzen der internationalen Beziehungen befördert, stark beschleunigt und sie damit erst einer größeren Öffentlichkeit vor Augen geführt.[1] Damit soll die Wirkung dieser Anschläge auf die Wahrnehmung sicherheitspolitischer Herausforderungen, die Handlungsmöglichkeiten nationaler und internationaler Akteure und die Entwicklungslinien einzelner Politikfelder nicht klein geredet, sondern lediglich im wohlgemeinten Sinne relativiert und präzisiert werden. Im Folgenden werden die wichtigsten Auswirkungen auf die internationale Sicherheitspolitik in der gebotenen Kürze untersucht. Besonderes Augenmerk gilt dabei den veränderten Bedrohungswahrnehmungen in Europa und den USA.

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Fußnoten

1.
Vgl. Michael Butter/Birte Christ/Patrick Keller, Einleitung, in: dies. (Hrsg.), 9/11. Kein Tag, der die Welt veränderte, Paderborn u.a. 2011, S. 9.