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30.6.2011 | Von:

Strategien zur Bekämpfung von Terrorakteuren und Aufständischen

Mit Drohnen gegen Al Qaida und Aufständische

Die Problematik gilt auch für den Einsatz von Drohnen, der unter der Obama-Regierung noch einmal deutlich ausgeweitet worden ist. Hierin spiegelt sich der gegenwärtige militärtechnische Trend am deutlichsten wider: Drohnen sind flexibler einsetzbar als Flugzeuge, liefern verlässliche Aufklärungsdaten, sind fern- oder selbstgesteuert und unbemannt; das heißt, dass bei ihrem Einsatz keine eigenen Soldaten gefährdet werden.

Bereits im November 2001 ist in Afghanistan von der CIA eine Predator-Drohne eingesetzt worden, durch welche ein militärischer Kommandeur von Al Qaida getötet wurde. Im November 2002 wurde im Jemen eine weitere Predator eingesetzt, um eine Gruppe von Verdächtigen zu töten. In der Folgezeit wurden die Drohnen-Einsätze auf Pakistan ausgeweitet, insbesondere auf die unwegsamen paschtunischen Stammesgebiete im Nordwesten Pakistans. Im Juni 2004 wurde hier ein Taliban-Führer durch einen Drohnen-Einsatz getötet, im Mai und Dezember 2005 zwei hochrangige Mitglieder von Al Qaida.

Die Einsätze hatten jedoch einen hohen Preis: Allein in Pakistan wurden dabei hunderte Zivilisten getötet. Nachdem bei einem Einsatz, welcher dem damaligen "Stellvertreter" Osama bin Ladens Aiman al Zawahiri galt, im Januar 2006 eine größere Anzahl Unbeteiligter ums Leben gekommen ist, darunter auch mehrere Kinder, hat die CIA bis Ende 2006 auf weitere Einsätze verzichtet, um die gegen die USA gerichtete Stimmung in Pakistan nicht noch weiter anzuheizen. 2007 wurden die Einsätze wieder aufgenommen.[37] Kam es dort zwischen 2004 und 2007 zu insgesamt neun Einsätzen, so stieg die Zahl im Jahr 2008 auf 36, 2009 auf 53 und im Jahr 2010 schließlich auf 118. Bis Mai 2011 fanden 27 Einsätze statt.[38]

Drohnen-Einsätze sind also auch unter Barack Obama im militärischen Handlungsrepertoire geblieben, mehr noch, sie sind mangels Alternativen zum militärischen Mittel erster Wahl geworden. Zusätzlich hat eine Ausweitung der Drohnen-Missionen im Hinblick auf die "Zielgruppen" stattgefunden: Nur noch ein geringer Teil der Drohnen-Einsätze in Pakistan richtete sich gegen Mitglieder von Al Qaida. Auf der Liste von Zielpersonen in Afghanistan sollen sich nun auch Drogenbarone befinden, die verdächtigt werden, Al Qaida mit Geld zu versorgen.[39]

Fußnoten

37.
Vgl. Brian Glyn Williams, The CIA's Covert Predator Drone War in Pakistan, 2004-2010, in: Conflict & Terrorism, 33 (2010), S. 875f.
38.
So die Zahlen der New America Foundation, online: http://counterterrorism.newamerica.net/drones (17.5.2011).
39.
Vgl. Jane Mayer, The Predator War, in: The New Yorker vom 26.10.2009.