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30.6.2011 | Von:

Strategien zur Bekämpfung von Terrorakteuren und Aufständischen

Künftige Entwicklungen

Die Bush-Regierung hat die Bekämpfung des Terrorismus als "Krieg" interpretiert, die Obama-Regierung benutzt diesen Begriff zwar zurückhaltender, wendet aber insbesondere gegen Al Qaida und Aufständische in Afghanistan und Pakistan weiter militärische Mittel an. Zwei zwischenstaatliche Kriege haben die USA unter dem Banner der Terrorismusbekämpfung geführt und dabei Konzepte und Waffen angewandt, die zuvor im Rahmen der RMA entwickelt worden sind. Die Kriege in Afghanistan und im Irak sind mit solchen Waffen geführt worden und haben rasch zur Entmachtung der jeweiligen Regierungen beigetragen. Für die Aufstandsbekämpfung waren sie jedoch nur bedingt geeignet.

Waffensysteme, die zwar mit Blick auf konventionelle Szenarien entwickelt worden sind, aber dem Langzeittrend Präzision, Selektivität und Miniaturisierung entsprachen, sind auch bei Luftschlägen und Kommando- und Geheimdienstoperationen zur Beschaffung von Informationen und zur Tötung von Al Qaida-Mitgliedern und -Unterstützern verwendet worden. Die USA und ihre Alliierten haben sich so immer mehr auf die "irreguläre" Kriegsführung konzentriert.

Geheimdienst- und Militäroperationen wurden zudem nicht nur in Afghanistan und im Irak durchgeführt, sondern auch in weiteren Staaten, oftmals ohne die Einwilligung der dortigen Regierung einzuholen oder diese auch nur zu informieren - so jüngst bei der Operation zur Tötung Osama bin Ladens in Pakistan oder einem Drohnen-Einsatz im Jemen im Mai 2011.[40] Diese Entwicklungen folgten keiner durchgängigen Planung, sondern waren Reaktionen auf die ungünstig verlaufenden Militäraktionen im Irak und in Afghanistan und bisweilen Verlegenheitslösungen.

Auch in Zukunft werden "Großwaffensysteme" zur konventionellen Kriegführung beschafft werden, ebenso wie für den Einsatz am unteren Ende des Gewaltspektrums Systeme, die den Erfordernissen der "irregulären" Kriegsführung entsprechen. Mit der Erstellung des Quadrennial Defense Review 2010 wird die Diskussion über den richtigen "Mix" aus Waffen für die konventionelle Kriegsführung, Stabilisierungseinsätze, Aufstandsbekämpfung und irreguläre Operationen zur Terrorismusbekämpfung weitergeführt.[41] Dabei geht es insbesondere darum, ob zugunsten von Personalaufstockungen bei den Spezialeinsatzkräften Einsparungen bei größeren Waffensystemen für die konventionelle Kriegsführung vorgenommen werden sollten.[42]

Einstweilen sind im Quadrennial Defense Review 2010 die Ziele der Zerschlagung von Al Qaida und der Abwehr von Angriffen durch feindliche Staaten gleichrangig nebeneinander gestellt worden. Unstrittig ist für das Pentagon jedoch, dass die Bedeutung nichtstaatlicher (Gewalt-)Akteure als Gefährdungspotenzial und damit auch die Zahl möglicher Einsatzszenarien und -orte zunehmen werden, was bei der Weiterentwicklung der Doktrin, der Ausbildung, der Waffenbeschaffung und der operativen Planung berücksichtigt werden muss.

Fußnoten

40.
Vgl. Peter Baker/Helene Cooper, Bin Laden Is Dead, Obama Says, in: NYT vom 1.5.2011; Jeb Boone/Greg Miller, U.S. drone strike in Yemen is first since 2002, in: WP vom 5.5.2011.
41.
Vgl. US Department of Defense, Quadrennial Defense Review 2010, Washington, D.C., S. 15.
42.
Vgl. Christopher Drew/Elisabeth Bumiller, Military Budget Reflects a Shift in U.S. Strategy, in: NYT vom 6.4.2009.