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30.6.2011 | Von:
Martin Kahl

Strategien zur Bekämpfung von Terrorakteuren und Aufständischen

Die Militärstrategie der USA nach dem 11. September

Bis zu den Anschlägen vom 11. September 2001 haben Militäroperationen der USA gegen den Terrorismus keine bedeutsame Rolle gespielt. Sie fanden nur vereinzelt statt etwa als Strafaktionen wie die Luftangriffe auf Tripolis im Jahr 1986 nach dem Anschlag auf die Diskothek La Belle in Berlin. Dagegen sind Militäreinsätze gegen Terrororganisationen und sie vermeintlich unterstützende Staaten infolge der Ereignisse im September 2001 zu einem von den USA intensiv genutzten Instrument geworden.

Zwei Entwicklungen trafen im Herbst 2001 aufeinander: zum einen die bereits zuvor eingeleitete Revolution in Military Affairs (RMA),[16] deren militärstrategische Konzeption an konventionellen Kriegen zwischen Staaten ausgerichtet war. In deren Fortgang wurden Waffencharakteristika wie Treffgenauigkeit, Miniaturisierung und die Vernetzung über ausdifferenzierte Kommunikationssysteme verbessert und weiterentwickelt - mit dem Ziel, eine technologische Überlegenheit in allen Einsatzebenen (Luft, Boden, Wasser, Weltraum und Informationsmedien) zu erreichen. Zum anderen das Aufkommen des "strategisch" operierenden terroristischen Netzwerkes Al Qaida, das aber einem herkömmlichen Kriegsgegner kaum entsprach.

Die militärische Auseinandersetzung mit Al Qaida hat zwar zu Veränderungen bei der amerikanischen Militärstrategie geführt, sie blieben jedoch in übergreifende strategische und technologische Entwicklungstrends eingebettet. Es kam zu situativ bedingten "Verfeinerungen" von Einsatzkonzepten am oberen und unteren Ende des Gewaltspektrums und zu spezifischen Weiterentwicklungen bereits vorhandener Streitkräfte, nicht aber zu einer grundsätzlichen militärstrategischen Neuausrichtung.

Fußnoten

16.
Vgl. Harald Müller/Niklas Schörnig, Drohnenkrieg: Die konsequente Fortsetzung der westlichen Revolution in Military Affairs, in: APuZ, (2010) 50, S. 16-23.