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Der 11. September als globale Zäsur? Wahrnehmungen aus Lateinamerika, Nahost, Russland und Indonesien


30.6.2011
Ob der 11. September 2001 eine Zäsur war oder nicht ist strittig. Fest steht aber, dass er eine globale Wirkung hatte. In diesem Beitrag werden Wahrnehmungen aus Lateinamerika, Nahost, Russland und Indonesien dargestellt.

Indonesien nach dem 11. September



Die Nachricht vom Tod des weltweit meistgesuchten Terroristen Osama Bin Laden kam zu einem Zeitpunkt, der symbolträchtiger kaum hätte sein können: nur wenige Monate vor dem 10. Jahrestag der verheerenden Anschläge auf das New Yorker World Trade Center und das Pentagon in Washington, bei denen fast 3.000 Menschen ihr Leben verloren hatten. Das Ende der Ära Bin Ladens wurde in Indonesien mit javanischer Höflichkeit zur Kenntnis genommen. Eine offizielle Stellungnahme aus dem Präsidentenpalast gab es nicht. Präsident Susilo Bambang Yudhoyono ließ auf Anfrage verlauten, dass Indonesien die Haltung der meisten Nationen im Kampf gegen den internationalen Terrorismus teile, und dass man nicht nachlassen werde, terroristische Netzwerke zu zerschlagen. Er berief eine Sondersitzung mit Vertretern der Polizei, des Militärs und dem Chef des Geheimdienstes ein, um die durch den Tod Bin Ladens veränderte nationale Sicherheitslage zu erörtern. Polizei und Militär wurden umgehend in Bereitschaft versetzt und die Bevölkerung zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen: "Wir rechnen mit allem, nichts kann ausgeschlossen werden", war von einem Sprecher des Präsidenten zu hören.

Champagnergelage und jubelnde Menschenmengen, wie sie in Fernsehbildern aus den USA zu sehen waren, suchte man in der indonesischen Hauptstadt freilich vergeblich. Die Devise lautete: Zurückhaltung und unter allen Umständen Provokationen vermeiden.

So ist es nicht verwunderlich, dass die Front Pembela Islam (Islamische Verteidigungsfront, FPI), eine der aktivsten und militantesten islamistischen Organisationen Indonesiens, unbehelligt zu Massengebeten und "Bin-Laden-Gedenkgottesdiensten" in ihren headquarters im Zentrum Jakartas aufrufen konnte und ihr Anliegen frech per SMS an die Online-Zeitung "Tempointeraktiv.com" sandte; Ortsangabe und Zeitpunkt inklusive. Galt der Al Qaida-Chef den islamistischen Gruppen in Indonesien schon lange als Held und Prophet, wurde er durch seine Ermordung über Nacht zum Märtyrer.

Unterstützung für ihr Anliegen fanden die Islamisten bei Mustafa Kamal, einem führenden Politiker der stärksten islamischen Partei im Land, der Partai Keadilan Sejahtera (Gerechtigkeits- und Wohlfahrtspartei, PKS). Kamal drückte sein Verständnis für das Bedürfnis nach einer Trauerfeier für den Terroristen aus. Schließlich handele es sich um Mitglieder der Gesellschaft, die ihren Überzeugungen Ausdruck verleihen wollten. Die PKS war bei den ersten freien Parlamentswahlen in 2004 fulminant mit einem Anti-Korruptionsprogramm gestartet und konnte auf Anhieb sieben Prozent der Stimmen auf sich vereinen; bei der Wahl in 2009 blieb sie jedoch mit acht Prozent hinter den Erwartungen zurück - nicht zuletzt wegen einiger bekannt gewordener parteiinterner Korruptionsfälle.

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