APUZ Dossier Bild

30.6.2011 | Von:

Der 11. September als globale Zäsur? Wahrnehmungen aus Lateinamerika, Nahost, Russland und Indonesien

Verpasste Chance

Der Russland-Experte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin Alexander Rahr wertet den 11. September 2001 heute als verpasste Chance der USA in der Annäherung an Russland.[29] "Ich finde, dass die Amerikaner die Russen brüskiert haben", sagt er. Statt sich für die Unterstützung im Kampf gegen den Terror zu bedanken und sich auf die Jagd nach dem Al Qaida-Chef Bin Laden zu konzentrieren, habe Washington den Kampf ausgeweitet. Dabei spielte auch eine Rolle, dass hinter dem "Kampf gegen den Terror" der USA immer deutlicher zu erkennen war, dass Washington sich maßgeblichen Einfluss in Regionen zu sichern suchte, die für die Energiesicherheit der USA in der Zukunft von zentraler Bedeutung waren.

Mit dem Irak-Krieg 2003 als "Kampf ums Öl" kam es zum erneuten Bruch zwischen Moskau und Washington. Erst mit Präsident Barack Obama und Dmitrij Medwedjew gelang eine neue Annäherung. Malaschenko spricht davon, dass Moskau heute auf eine "Politik des Pragmatismus" in der Region setze und Rudimente der alten Annäherungspolitik wieder deutlich würden. Dabei sei es ganz im eigenen Interesse Moskaus, den Kampf gegen den Terror zwar zu unterstützen, aber jede eigene direkte Einmischung zu vermeiden. "Ohne die USA wäre Afghanistan noch gefährlicher für Russland. Es ist deshalb angenehm, dass die USA dort für uns kämpfen", sagt Malaschenko. Moskau sei dem heute weder wirtschaftlich noch militärisch gewachsen.

Fußnoten

29.
Im Interview mit der Autorin.