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30.6.2011 | Von:

Der 11. September als globale Zäsur? Wahrnehmungen aus Lateinamerika, Nahost, Russland und Indonesien

Palästinensisch-israelischer Konflikt

In der Palästina-Frage setzte sich die amerikanische "Gleichgültigkeit" gegenüber dem Friedensprozess im Nahen Osten fort, die sich seit dem Amtsantritt von US-Präsident George W. Bush und während der zweiten palästinensischen Intifada im Jahr 2000 gezeigt hatte. Nach einem Besuch des Tempelbergs des damaligen israelischen Oppositionspolitikers Ariel Scharon im September 2000 war ein Aufstand der Palästinenser entflammt, der erst im Jahr 2005 sein Ende fand. Die amerikanische Nahost-Politik blickte durch die Brille der Terrorismusbekämpfung auf den palästinensisch-israelischen Konflikt. Während sich Israel im Rahmen des "Krieges gegen den Terrorismus" zwischen die westlichen Staaten reihen konnte, half den Palästinensern weder die Tatsache, dass keine palästinensische Organisationen - im Übrigen auch kein einziger Palästinenser - an den Angriffen vom 11. September beteiligt waren, noch die schnelle Verurteilung der Angriffe seitens des Chefs der Palästinensischen Autonomiebehörde und PLO-Oberhaupts Jassir Arafat. Vielmehr befanden sich die Palästinenser aufgrund der Selbstmordanschläge gegen Israel seit Mitte der 1990er Jahre in der Defensive.

Die Argumentation vieler Palästinenser, dass es sich im Falle Palästinas um einen Befreiungskampf handle, während die Ereignisse vom 11. September ein Angriff seien, stellte in den amerikanischen beziehungsweise westlichen Augen nur ein Detail dar, das über die an sich "gleiche" Natur der Attacken in den USA und in Israel nicht hinwegtäuschen durfte und konnte. Israel nutzte die Gunst der Stunde und arbeitete auf die Disqualifikation von Jassir Arafat hin, der fort an im Westen bis zu seinem Tod im November 2004 als Befürworter von Gewalt und somit nicht mehr als Partner im Friedensprozess galt. Sein Nachfolger Mahmoud Abbas musste mit ansehen, wie die Macht seiner Fatah-Bewegung immer mehr schrumpfte, während die Macht der palästinensischen Islamisten, sprich der Hamas, zunahm. Eine Entwicklung, die in einem eindeutigen Sieg der Hamas bei den Parlamentswahlen im Jahr 2006 gipfelte und später in einem blutigen Machtkampf zwischen Fatah und Hamas ausartete. So gesehen leidet der Friedensprozess bis heute an den Spätfolgen des 11. September. Jedenfalls scheint eine Regelung des Nahost-Konflikts heute weiter entfernt zu sein, als sie zu Beginn des Friedensprozesses im Jahr 1991 erschien.