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25.5.2011 | Von:
Frank Sparing

NS-Verfolgung von "Zigeunern" und "Wiedergutmachung" nach 1945

Isolation

Eine qualitative Veränderung der Zigeunerpolitik setzte mit einem Anfang August 1941 von der RHF eingeführten Klassifikationsschema ein, das eine verbindliche Definition der als Zigeuner zu fassenden Personen vornahm. Mit in kurzer Abfolge erlassenen Sonderbestimmungen für nahezu alle Lebensbereiche wurde der Status von Zigeunern dem von Juden angepasst.

Durch das RKPA wurde ein Verbot unehelicher Lebensgemeinschaften mit dem Ziel der vollständigen "Rassentrennung" verschärft gegen Zigeuner angewendet und so der gegen Juden gerichteten Praxis der "Rassenschande" angeglichen. Durch Androhung oder Anordnung von "Vorbeugungshaft" setzte die Kriminalpolizei in der Regel eine Trennung von Liebesbeziehungen zwischen "Deutschblütigen" und "Zigeunern" durch. Infolge der Kriminalisierung von ehelichen und nichtehelichen Beziehungen wurde darüber hinaus bereits 1942 damit begonnen, außergesetzliche Sterilisationen an Zigeunern zu erzwingen.

Durch die im März 1942 erfolgte Ausdehnung der arbeitsrechtlichen Sonderbestimmungen für Juden und Polen auf Zigeuner verschlechterte sich ihre Situation drastisch: Arbeitszwang, "Rassentrennung" am Arbeitsplatz, erhebliche Lohneinbußen und fehlende Schutzvorschriften lieferten sie der Willkür von Unternehmen und Kriminalpolizei vollständig aus. Der systematische Ausschluss von Zigeunern aus allen Massenorganisationen wie Hitlerjugend, Reichsarbeitsdienst oder Luftschutzwarndienst in den Jahren 1941 und 1942 verschärfte ihre gesellschaftliche Isolation. Vor allem durch ihren Ausschluss aus der Wehrmacht verloren Zigeuner einen für ihren Status bedeutsamen gesellschaftlichen Rückhalt.[11]

Fußnoten

11.
Vgl. M. Zimmermann (Anm. 3), S. 193-213; M. Luchterhandt (Anm. 9), S. 185-205.