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9.5.2011 | Von:
Christian Lenk

Mein Körper - mein Eigentum?

Die Frage, ob wir Eigentum an unserem Körper haben, würden viele intuitiv bejahen. Doch der Körper ist keine Sache wie alle anderen. Wie sollen wir mit Körpermaterialien umgehen, die aus dem menschlichen Körper entfernt werden?

Einleitung

Die Frage nach Eigentum am menschlichen Körper wird von der modernen Biomedizin und ihren Erfordernissen vorangetrieben. Wenn niemand ein Interesse an menschlichen Organen oder Proben von menschlichen Körpermaterialien hat, dann ist auch die Eigentumsfrage an diesen Materialien nicht bedeutungsvoll. Und wenn es keine Möglichkeiten gibt, Gene und ganze Organismen zu verändern, braucht man sich über die Frage der Patentierung dieser Gene und Organismen keine Gedanken zu machen. Und dennoch erhalten wir durch den Verweis auf den Fortschritt der modernen Biomedizin nur die halbe Antwort auf die Frage nach dem Sinn von Eigentum am menschlichen Körper und seinen Teilen. Der Begriff des Eigentums kommt aus der Sphäre des Rechts und der Ökonomie. Der Bereich der Person und des Körpers stellt in der europäischen Tradition der Aufklärung demgegenüber eine Sphäre dar, in der Eigentumsfragen keine Rolle spielen. Wir gehen davon aus, dass alle Menschen über sich selbst verfügen dürfen. Vor diesem Hintergrund kann Eigentum, das heißt Rechte anderer an unserem Körper, wohl keine Rolle spielen.

Auf den ersten Blick sind es also die modernen Biowissenschaften, welche die Auffassung von Körpermaterialien als mögliches Eigentum forcieren. Der zweite Blick zeigt allerdings, dass es eher die Eingemeindung des Körpers in einen bis dahin von diesem abgegrenzten Bereich - den des Eigentums - ist, der zu den aktuellen Veränderungen führt. Wir beobachten beide Veränderungen: die wachsende Bedeutung von Körpermaterialien für die Medizin und die Interpretation von Körpermaterialien als eigentumsfähige Dinge. Das heißt allerdings nicht, dass sie auch in einem inneren Zusammenhang stehen müssten. Es kann durchaus auch biomedizinische Forschung geben, ohne dass Anreize bestehen, deren Ergebnisse als Eigentum zu verstehen. Der Übergang einer Sache, die eigentlich keine Ware sein kann, in den Bereich der Ökonomie, in dem Dinge gehandelt, ver- und gekauft werden können, nennt man Kommodifikation (commodification). Die Regel, dass der menschliche Körper und seine Teile kein Eigentum sein können, wird als no-property-principle bezeichnet.