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12.4.2011 | Von:
Sabine Radtke

Inklusion von Menschen mit Behinderung im Sport

Vom Versehrtensport zum Behindertensport

Der Sport von Menschen mit Behinderungen kann in Deutschland auf eine lange Geschichte zurückblicken. Als Geburtsstunde des organisierten Behindertensports wird die Gründung des ersten Gehörlosen-Sportvereins im Jahr 1888 angesehen. Im Zuge des Ersten und Zweiten Weltkriegs und der damit einhergehenden hohen Anzahl verwundeter Soldaten erreichte die Ausbreitung des Behindertensports eine neue Dimension. Die "systematische Bewegungstherapie"[4] wurde als Heilmaßnahme für Kriegsversehrte in den Lazaretten entwickelt. Schon früh wurde dabei auf die psycho-sozialen Effekte sportlicher Betätigung gesetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg suchten Kriegsversehrte nach Möglichkeiten, weiterhin Sport treiben zu können. Auf der einen Seite modifizierten sie traditionelle Sportarten und -spiele und passten sie an ihre Fähigkeiten an, auf der anderen Seite entwickelten sie neue Bewegungsformen und -techniken, die "versehrtensporteigentümlichen Übungen".[5] 1951 bzw. 1957 kam es mit der Gründung der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Versehrtensport (ADV, 1951) sowie des Deutschen Versehrtensportverbandes (DVS, 1957) zum Aufbau erster Verbandsstrukturen im deutschen Behindertensport.

Während in den 1950er Jahren männliche Kriegsversehrte in den Vereinen dominierten, differenzierte sich die Mitgliederstruktur mit der Zeit zusehends in Hinblick auf Geschlecht, Lebensalter und Art der Behinderung. Fortan nahmen weniger Kriegsinvaliden als vielmehr Menschen mit angeborener oder durch Unfall bzw. Krankheit erworbener Behinderung an Sportaktivitäten teil. Die Beteiligten unterschieden sich unter anderem bezüglich ihrer motorischen und kognitiven Voraussetzungen, ihrer Selbstständigkeit, ihres Selbstkonzeptes sowie ihrer Motivation zum Sporttreiben, sodass eine Differenzierung der Sportangebote erforderlich wurde. Mit der Umbenennung des Dachverbands für den Sport von Menschen mit Behinderung in Deutscher Behindertensportverband (DBS) verschoben sich die Inhalte des ursprünglichen Versehrtensports in Richtung Rehabilitations-, Breiten- und Leistungssport.

Fußnoten

4.
Vgl. Josef Hermann Schäfer, Ministerialrat Dr. med. Arthur Mallwitz (1880-1968) - Ein Leben für Sport, Sportmedizin und Gesundheitsfürsorge, Bonn 2003.
5.
Vgl. Volker Scheid/Markus Rank/Ralf Kuckuck, Behindertenleistungssport. Strukturen und Anforderungen aus Athletensicht, Aachen 2003.

Fußball - mehr als ein Spiel
Informationen zur politischen Bildung (Heft 290)

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