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12.4.2011 | Von:
Sabine Radtke

Inklusion von Menschen mit Behinderung im Sport

Inklusion im Schulsport

Die Geschichte des deutschen Schulwesens ist seit jeher von Separierung und Spezialisierung geprägt. Noch heute gehört Deutschland zu den wenigen Ländern weltweit, in denen lediglich rund 13 Prozent der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf an Regelschulen unterrichtet werden. In Großbritannien, Portugal, Schweden oder Norwegen sind es mehr als 90 Prozent.[15] Die Ratifizierung der Behindertenrechtskonvention, die eine Integrationsquote von 80 bis 90 Prozent verlangt, zieht es nach sich, dass die im Schulwesen Verantwortlichen nicht mehr umhin kommen, sich mit dem Phänomen der Heterogenität im Klassenzimmer auseinanderzusetzen. Der wissenschaftliche Diskurs im Rahmen der deutschen Schulsportpädagogik hat gegenüber Inklusionsbestrebungen - im Gegensatz zur kritischen Auseinandersetzung auf internationaler Ebene - lange Zeit die Augen verschlossen.[16] So gibt es in Deutschland in der allgemeinen Sportlehrerausbildung bis heute kaum verpflichtende Lehrmodule mit Inhalten zum inklusiven Unterricht, während in anderen Ländern die Auseinandersetzung mit Adapted Physical Activity (APA) selbstverständlich ist.[17]

Es bleibt zu konstatieren, dass ein gemeinsamer Sportunterricht von Kindern mit und ohne Beeinträchtigung heutzutage zumindest in der Grundschule insofern realistischer erscheint, als hier im Gegensatz zum Gymnasium noch ein durch Heterogenität geprägter Klassenverband existiert. Jedoch ist darauf hinzuweisen, dass, obwohl der Sportunterricht ein verpflichtendes Fach ist, Kinder mit Beeinträchtigungen nicht selten aus medizinischen Gründen vom Sportunterricht befreit werden. Zudem mangelt es nicht nur den Sportlehrerinnen und -lehrern an Kenntnissen, sondern oftmals fehlen auch barrierefreie Sportstätten sowie Geräte und Materialien, um ein entsprechendes Sportangebot für Schülerinnen und Schüler mit und ohne Behinderung zu realisieren. Nicht zuletzt ist es für die Umsetzung eines inklusiven Sportunterrichtes erforderlich, sich mit den geltenden Lehrplänen für das Fach Sport, die traditionell den Wettkampfgedanken betonen, kritisch auseinanderzusetzen.[18] Ziel eines mehrperspektivischen inklusiven Sportunterrichts sollte es sein, die sechs Sinnrichtungen Leistung, Miteinander, Eindruck, Ausdruck, Gesundheit und Spannung für alle Beteiligten mit und ohne Beeinträchtigung zum Tragen kommen zu lassen.[19]

Fußnoten

15.
Vgl. Brigitte Schumann, Inklusion statt Integration - eine Verpflichtung zum Systemwechsel. Deutsche Schulverhältnisse auf dem Prüfstand des Völkerrechts, in: Pädagogik, (2009) 2, S. 51ff.
16.
Vgl. Gert Hölter, Schulsport in der Förderschule - Bestandsaufnahme und Perspektiven, in: Sportunterricht, (2011) 1, S. 14-21.
17.
Vgl. Deena Scoretz/Christian Bilan, Behindertensport: Entwicklungen und Strategien aus internationaler Perspektive, in: Henning Ohlert/Jürgen Beckmann (Hrsg.), Sport ohne Barrieren, Schorndorf 2002.
18.
Vgl. Gudrun Doll-Tepper/Erika Schmidt-Gotz, Inklusiver Schulsport - Zum gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderungen in der Grundschule, in: Werner Schmidt (Hrsg.), Zweiter Deutscher Kinder- und Jugendsportbericht. Schwerpunkt Kindheit, Schorndorf 2008.
19.
Vgl. Dietrich Kurz, Der Auftrag des Schulsports, in: Sportunterricht, (2008) 7, S. 211-218.

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