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12.4.2011 | Von:
Sabine Radtke

Inklusion von Menschen mit Behinderung im Sport

Langer Weg zu inklusiven Sportstrukturen

Während in Deutschland die Sportstrukturen fast ausschließlich von Segregation geprägt sind, setzt man sich in anderen Ländern wie beispielsweise Kanada und Großbritannien schon seit rund 20 Jahren auf der Organisationsebene mit dem Thema Inklusion auseinander.[21] So wurde in Kanada Anfang der 1990er Jahre von der Dachsportorganisation Sport Canada als top-down-Strategie die Devise ausgegeben, dass der Zuständigkeitsbereich der einzelnen Sportfachverbände von nun an den Behindertensport einschließe. Bei Nichteinhaltung drohten den Verbänden finanzielle Sanktionen. Folge der gleichberechtigten Einordnung von Sportlerinnen und Sportlern mit und ohne Behinderung in denselben Sportverband sind gleichwertige finanzielle Fördermaßnahmen sowie - dies zumindest im Falle von Mitgliedern der britischen Paralympics-Mannschaften - gleichwertige Prämien nach Medaillengewinnen.

Das Ausmaß des Kontaktes zwischen Nationalmannschaftsmitgliedern mit und ohne Behinderung, begünstigt durch gemeinsame Trainingslager und Meisterschaften, differiert zwischen den einzelnen Sportarten jedoch mitunter erheblich. In Deutschland bestehen nur in Ausnahmefällen wie in den Bereichen Reiten, Rudern und Schießsport auf der Leistungssportebene Kooperationen mit dem jeweiligen Nichtbehindertensportverband. So wartete der Schießsport im Januar 2011 mit einem Novum im deutschen Sport auf: Gemäß einem Beschluss des Gesamtvorstandes des Deutschen Schützenbundes darf die Paralympics-Siegerin Manuela Schmermund, die im Rollstuhl sitzt, in der Bundesliga gemeinsam mit "Fußgängern" starten.

In Deutschland ist eine sportartspezifische Zusammenführung von Behinderten- und Nichtbehindertensport in den Spitzenverbänden derzeitig undenkbar, was in erster Linie auf die ablehnende Haltung von Verantwortlichen aus dem Nichtbehindertensport zurückzuführen ist. Um hier ein Umdenken zu bewirken, ist ein grundsätzlicher Mentalitätswandel vonnöten. Bedauerlicherweise wird der Behindertenleistungssport von vielen Funktionären aus dem Nichtbehindertenleistungssport als nicht gleichwertig eingestuft.

Fußnoten

21.
Vgl. zum Folgenden Sabine Radtke/Gudrun Doll-Tepper, Ist-Analyse von Talentsichtung und -förderung im Behindertensport in den deutschen Landesverbänden und im Ausland (Pilotstudie), Bonn 2010.

Fußball - mehr als ein Spiel
Informationen zur politischen Bildung (Heft 290)

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