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23.3.2011 | Von:
Michael Kiefer

"Islamische Studien" an deutschen Universitäten - Zielsetzungen, offene Fragen und Perspektiven

Berufsperspektiven für Absolventen

Schließlich muss auch noch auf die prekären Berufsaussichten künftiger Absolventen der Islamischen Studien hingewiesen werden. Religionslehrerinnen und -lehrer, Imaminnen und Imame sowie sozialpädagogische Gemeindearbeiterinnen und -arbeiter sollen bereits ab dem Wintersemester 2011/2012 ausgebildet werden. Junge Menschen, die diese neuen akademischen Berufe ergreifen wollen, sollten sich jedoch darüber im Klaren sein, dass aktuell faktisch kein Arbeitsmarkt für diese Professionen existiert.

Beginnen wir mit den Berufsaussichten von islamischen Fachlehrkräften für den Religionsunterricht. Immer wieder wurde in den vergangenen Jahren davon gesprochen, dass wir allein für die flächendeckende Einführung eines islamischen Religionsunterrichts über 1.000 Lehrkräfte benötigen. Diese Bedarfsrechnung ist aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt ein reines Zahlenspiel, denn in keinem Bundesland wird ein regulärer islamischer Religionsunterricht angeboten. Lediglich Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen stehen an der Schwelle zu einem ordentlichen islamischen Religionsunterricht. Die Entwicklung in allen anderen Flächenstaaten mit einem hohen Anteil an muslimischer Bevölkerung ist derzeit unklar.

Noch schwieriger stellen sich die Stellenaussichten für künftig hier ausgebildete Imame dar. In Deutschland gibt es geschätzte 2.500 Moscheegemeinden. Viele dieser Gemeinden befinden sich in einer prekären Finanzlage, da sie ihre Arbeit und Immobilien gänzlich aus Eigenmitteln, die größtenteils aus Mitgliederbeiträgen und Spenden stammen, finanzieren müssen. Konkret bedeutet dies, dass akademisch ausgebildete Imame nach Lage der Dinge nicht finanziert werden können. Lediglich die etwa 900 DITIB-Gemeinden haben in finanzieller Hinsicht andere Ausgangsbedingungen. Die Imame, die in diesen Gemeinden ihre Dienste verrichten, werden in Gänze vom türkischen Staat bezahlt. Diese Regelung bringt jedoch andere Probleme mit sich. Die Imame in den Gemeinden sind keine Gemeindeangestellten, sondern Beamte beziehungsweise Angestellte des türkischen Staates. Schließlich sollte auch noch erwähnt werden, dass der VIKZ (Verband islamischer Kulturzentren e.V.) eigene Fachschulen fr die Imamausbildung unterhält. Die verbandsinterne Besoldung erreicht bei Weitem nicht das Gehalt akademischer Theologen, die etwa in Kirchen ihre Dienste verrichten.