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23.3.2011 | Von:
Michael Borgolte

Der Islam als Geburtshelfer Europas

Beginnende Entzweiung

Als die arabischen (oder berberischen und syrischen) Muslime aus Spanien und Italien vertrieben waren, drangen ihre türkischen Glaubensgenossen auf dem Balkan nach Europa vor, ohne einen gleich starken Einfluss auf die Christen zu gewinnen. Im Gegenteil trieben die osmanischen Eroberungen beide Religionsgruppen auseinander. Sultan Mehmed II. beanspruchte als Eroberer von Konstantinopel (1453) das Erbe der römischen Imperatoren und fühlte sich als Rächer der Trojaner an den Griechen. Sein Volk nämlich, die Türken (Teukrer), hielt man seit dem frühen Mittelalter für Abkömmlinge jener von Homer besungenen Helden, welche die Achaier einst an der Küste Kleinasiens besiegt haben sollen. Als Nachkommen des Aeneas und anderer Überlebender und Flüchtlinge galten aber auch die Römer selbst sowie fast alle Völker Europas, darunter die Franzosen, Engländer und Deutschen. Mehmeds Wunsch, sich dieser europäischen Völkerfamilie zuzugesellen, ja an deren Spitze zu treten, wiesen freilich gelehrte Lateiner sofort zurück. Diese beklagten den Verlust Konstantinopels als einer Stadt Europas und einen Teil "unseres Vaterlandes", zu dem man die erobernden Osmanen nicht mehr zählen wollte. Der Humanist Enea Silvio Piccolomini, später als Papst Pius II. bekannt geworden, hat viel Mühe auf den Nachweis verwandt, dass "Teukrer" (Trojaner) und Türken nicht identisch seien.

Mit dem Fall von Byzanz begann sich das westliche, christliche Europa von den Türken abzugrenzen und diese von dem Kontinent auszuschließen. Die weiteren militärischen Erfolge von Mehmeds Nachfolger Süleyman dem Prächtigen, der Belgrad und Rhodos einnahm, die Ungarn entscheidend schlug (1526) und erst vor Wien scheiterte (1529), trug weiter zu der Entzweiung bei. Der deutsche Reformator Martin Luther erkannte in "dem Türken" den "Erzfeind Christi" und rief seinen Gott um Hilfe an: "Beweis dein Macht, Herr Jhesu Christ, der du Herr aller Herren bist, beschirm dein arme Christenheit, dass sie dich lob in Ewigkeit."