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Eine neue Kultur des Wandels - Essay


2.3.2011
Wir leben nicht nur länger, sondern bleiben auch immer länger gesund. Die gewonnene Lebenszeit eröffnet große Chancen für positiven gesellschaftlichen Wandel durch die Umverteilung von Arbeit.

Einleitung



Der demografische Wandel gilt vielen als ein gesellschaftlich erdrückendes Problem. Das ist eines der großen Missverständnisse unserer Zeit. Aus unserer Perspektive ist er nämlich das Gegenteil: Eine große Chance für die entwickelten Länder, ihre Gesellschaften umzubauen, um flexibler und glücklicher zu leben als bisher. Und das auf einem höheren Bildungsniveau.

Der demografische Wandel der Industrienationen hat zwei Hauptkomponenten: Geburtenraten, die häufig unter dem Bestandserhaltungsniveau liegen, und eine zunehmende Lebenserwartung.[1] Während Ersteres zumindest in extremer Ausprägung kein dauerhaftes Phänomen sein dürfte, müssen wir davon ausgehen, dass der Trend zu einem immer längeren Leben anhält. Dass er bisher hauptsächlich als Last gesehen wird, liegt daran, dass die Diskussion bisher oft statisch verläuft: Sie dreht sich nämlich vor allem darum, wie sehr die Alterung für bestehende Systeme, wie etwa die Sozialversicherung, eine Gefahr ist. Was wir brauchen, ist eine dynamische Sichtweise. Wir müssen uns fragen: Wie können wir solche Systeme angesichts des demografischen Wandels verändern, um eine bessere Lebensqualität zu erreichen?



Uns erwartet nicht nur ein längeres Leben, sondern auch ein längeres gesundes Leben. Dies ist keine Last oder Behinderung, sondern ein Geschenk und eine der größten Errungenschaften der modernen Zivilisation. Es macht den Weg frei für viele nötige Reformprojekte unserer Gesellschaft. Im Kern wird eine Umverteilung der Arbeit stehen. Das führt zu einem fundamentalen Wandel unserer Lebensplanung.

Was einer Zukunft in Wohlstand und Glück im Weg steht, ist nicht der demografische Wandel selbst. Es ist die Zögerlichkeit der Gesellschaften, sich diesem Wandel anzupassen, der, unaufgeregt betrachtet, weder unnatürlich ist, noch etwas, wovor man sich fürchten müsste. Viele Nationen verharren dennoch in Angststarre. Schuld daran ist eine öffentliche Debatte, in der die Fakten des demografischen Wandels oft missverstanden und negativ, ja apokalyptisch fehlinterpretiert werden. Es ist ratsam, sich nüchtern darauf zu besinnen, was die demografischen Daten aussagen.

Dabei darf allerdings nicht unterschätzt werden, wie stark die andauernde Verlängerung des Lebens die Gesundheit, die Fähigkeiten und das Lebensglück jedes Einzelnen beeinflusst. Sie ist weder zu stoppen, noch wäre das erstrebenswert. Ebenso wichtig: Die Alterung der Gesellschaft als Ganzes wird wesentlich weniger von den derzeit niedrigen Geburtenraten getrieben als von der rasant steigenden Lebenserwartung - also von einem wünschenswerten Prozess.

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Fußnoten

1.
Das Bestandserhaltungsniveau entspricht einer Geburtenrate von 2,1 Kindern pro Frau, für die jede kommende Generation die ihrer Eltern komplett ersetzt.

 

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