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2.3.2011 | Von:
James W. Vaupel
Björn Schwentker

Eine neue Kultur des Wandels - Essay

Umverteilung der Arbeit

So wie das 20. Jahrhundert das der Umverteilung von Wohlstand war, wird das 21. das der Umverteilung von Arbeit sein. Welches Potenzial die brachliegende Arbeitskraft der Älteren birgt, zeigt eine Modellrechnung des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung:[16] Selbst wenn man das Rentenalter nicht erhöhen wollte, wäre es möglich, die wirtschaftliche Arbeitsleistung pro Kopf bis 2025 auf dem Niveau von 2005 zu halten. Dazu müssten nur die 50- bis 60-Jährigen so viel arbeiten wie derzeit die 35- bis 49-Jährigen. Das wären im Durchschnitt 30 Stunden pro Woche, und nicht wie heute bloß acht. Die 60- bis 65-Jährigen müssten auf 20 Stunden aufstocken.[17]

Viel attraktiver wäre aber ein echte Umverteilung: Es würde ausreichen, wenn alle im Alter von 20 bis 65 nur 25 Stunden pro Woche arbeiteten - vorausgesetzt, Menschen bis 70 Jahre beteiligten sich auch zu einem kleineren Teil.

Die Zukunft der Arbeit wird wesentlich auf Modellen der Teilzeitarbeit beruhen, und nicht mehr wie heute die Vollzeitarbeit zur - insbesondere für Männer - sozialen Norm erheben. Viele Menschen in ihren 60ern und 70ern wollen arbeiten, aber nebenher auch genug Freizeit haben. Und künftige Alte dürften viel eher gewillt sein, bis 70 und weit darüber hinaus zu arbeiten, wenn sie nicht in jüngeren Jahren unter dem Druck eines Vollzeitjobs und gleichzeitiger anderer Verpflichtungen in der "Rushhour des Lebens" vitale Energie gelassen hätten.

Fußnoten

16.
Vgl. James W. Vaupel/Elke Loichinger, Redistributing work in aging Europe, in: Science, (2006) 312, S. 1911ff.
17.
Die Wochenarbeitszeiten sind Mittelwerte über alle Menschen in der jeweiligen Altersklasse, einschließlich derjenigen, die gar nicht arbeiten.

Dossier

Demografischer Wandel

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