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Wo bleiben die Kinder? Der niedrigen Geburtenrate auf der Spur


2.3.2011
Seit den 1970er Jahren gehört Deutschland zu den Ländern mit dem weltweit niedrigsten Geburtenniveau. Dabei gibt es in den Fertilitätsmustern noch große Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland.

Einleitung



Deutschland ist ein Niedrig-Fertilitäts-Land. Seit Mitte der 1970er Jahre gehört es zu den Ländern mit dem weltweit niedrigsten Geburtenniveau. Zwar gibt es in Europa mehrere Länder, die zeitweise eine niedrigere Geburtenrate aufgewiesen haben, zum Beispiel Italien, aber deren Geburtenraten sind inzwischen wieder merklich angestiegen. In Deutschland dagegen ist das Geburtenniveau seit nunmehr fast vierzig Jahren stabil sehr niedrig. Die deutsche Fertilitätssituation ist in jüngster Zeit verstärkt in die Diskussion geraten.

Drei Aspekte spielen dabei im aktuellen gesellschaftlichen Diskurs eine besondere Rolle: Das konstant niedrige Geburtenniveau hat das Altern der Bevölkerung maßgeblich forciert und eine Debatte über die Sicherheit der sozialen Sicherungssysteme unter den Bedingungen des voranschreitenden demografischen Wandels ausgelöst. Immer wieder geraten dabei die Kinderlosen ins Blickfeld, denen vorgeworfen wird, durch ihr Verhalten keinen Beitrag zur Zukunftssicherung unserer Gesellschaft zu leisten. Daneben sind unter dem Eindruck des Schrumpfens und Alterns der Bevölkerung verstärkt Fragen nach den Ursachen der spezifischen deutschen Fertilitätssituation sowie nach der politischen Beeinflussbarkeit des generativen Verhaltens aufgeworfen worden. Schließlich wird zunehmend die Bedeutung des Wandels der Familie für die niedrigen Geburtenraten thematisiert.



Während lange Zeit unterstellt wurde, dass wirtschaftliche und infrastrukturelle Faktoren einen besonderen Einfluss auf das Gebärverhalten haben, wird mittlerweile davon ausgegangen, dass auch soziale und kulturelle Faktoren eine wichtige Rolle spielen, indem sie das Denken und Handeln der Menschen beeinflussen und maßgeblich dazu beitragen, wie die Infrastruktur, etwa im Hinblick auf die öffentliche Kinderbetreuung, beschaffen ist.

Der niedrigen Geburtenrate auf der Spur zu sein, ist nicht nur wissenschaftlich von Interesse. Es geht auch darum, über die bessere Kenntnis des Geburtengeschehens Strategieoptionen zur zukünftigen Steuerung des demografischen Wandels zu entwickeln. Eine Veränderung des generativen Verhaltens ist einer der möglichen Wege, die weitere demografische Entwicklung zu beeinflussen und die Schrumpfung und Alterung der Bevölkerung mittelfristig abzumildern.



 

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