APUZ Dossier Bild

21.2.2011 | Von:
Henner Fürtig

Der Irak als demokratischer "Musterstaat" in Nahost? Eine Zwischenbilanz

Wunschdenken dominiert den Demokratisierungsversuch

Ein gemeinsamer Nenner der ansonsten tief gespaltenen irakischen Exilopposition bestand in der Zustimmung zu einer externen militärischen Intervention, wenn am Ende der Sturz des verhassten Saddam Husseins stünde. Da sich diese Einschätzung reibungslos in die Planungen der Bush-Regierung einfügte, wurde ein folgenschwerer Automatismus in Gang gesetzt. Washington glaubte an die selbstverordnete Befreiungsmission und erwartete die Unterstützung der irakischen Bevölkerungsmehrheit. Die Exilopposition bestärkte die US-Politiker in dieser Ansicht und stellte sich als die Institution dar, die nach dem Regimewechsel problemlos für stabile und pro-westliche Machtverhältnisse im Irak sorgen könnte.

Aus diesen Gründen sah der ursprüngliche Plan der US-Regierung die relativ rasche Übertragung der Macht an die namhaftesten Exilpolitiker vor. Das Konzept basierte nicht zuletzt auch auf in Grenada und Panama gewonnenen Erfahrungen, wo sich die USA nach Militärinterventionen rasch zurückgezogen hatten, um wohlgesonnenen einheimischen Politikern die Verantwortung für ein funktionierendes Alltagsleben zu übertragen. Der erste US-Zivilverwalter für den Irak, Jay Garner, versprach in diesem Sinne die Schaffung einer Regierung "mit irakischem Gesicht" bis Mitte Mai 2003.[4] Da war er aber bereits entlassen und durch Paul Bremer ersetzt worden. Der Vorgang ging weit über einen bloßen Personalwechsel hinaus. Er symbolisierte vielmehr das Scheitern des gesamten Konzepts.

Fußnoten

4.
Vgl. Financial Times vom 19.5.2003.