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21.2.2011 | Von:
Ferhad Ibrahim

Droht eine Zerstörung der ethnischen und religiösen Vielfalt im Irak?

Mandäer

Die Mandäer (Sabäer), die vorwiegend im Südirak, Bagdad, Basra, Nasiriya und Samarra beheimatet sind, sind eine eigenständige ethno-religiöse und sprachliche Minderheit. Während der Diktatur unter Saddam Hussein wurden auch sie Opfer einer aggressiven Arabisierung. Sie sprechen teilweise noch ihre Muttersprache, modernes Mandäisch. Ihre Liturgiesprache ist das sogenannte klassische Mandäisch, das in einem eigenen mandäisch-aramäischen Alphabet geschrieben wird. Die Mandäer praktizieren bis heute eine sehr alte, der überlieferten Tradition nach aus dem syro-palästinensischen Raum stammende vorislamische Religion.[11]

Da die Mandäer von vielen Muslimen nicht als eine monotheistische Religion anerkannt werden, genießen sie keinen besonderen Schutz. Sie werden zwar in der irakischen Verfassung als Bestandteil des irakischen Volkes betrachtet, aber dies verhindert nicht die Übergriffe und die gegen sie gerichteten Anschläge. Selbst Nachrichten über die Anschläge auf sie erreichen kaum die irakische, regionale oder internationale Öffentlichkeit. Dass ihre Siedlungsgebiete in verschiedenen irakischen Provinzen liegen, erschwert es zusätzlich, sie vor Übergriffen und Terror zu schützen.

Die seit Tausenden von Jahren in Mesopotamien beheimateten Mandäer werden wahrscheinlich die erste nichtmuslimische Gruppe des Irak sein, die en bloc das Land verlassen wird und damit die erste Gemeinschaft, die ihre Heimat für immer verliert. Über die Hälfte wanderte bereits aus, weshalb dort gegenwärtig nur noch etwa 13.000 Mandäer leben.[12] Die Mehrheit flüchtete bereits ab 1990 nach Amerika, Australien und Europa. In Deutschland leben inzwischen 1.900 Mandäer, die als politische Flüchtlinge Asyl bekommen haben.

Fußnoten

11.
Vgl. Rudolf Macuch, Zur Sprache und Literatur der Mandäer, Berlin 1976; ders., Neumandäische Chrestomathie: mit grammatischer Skizze, kommentierter Übersetzung und Glossar, Wiesbaden 1989.
12.
Vgl. Sarah Reinke, Verfolgung der Mandäer im Irak und Iran, in: Pogrom, 2 (2006).