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21.2.2011 | Von:
Ferhad Ibrahim

Droht eine Zerstörung der ethnischen und religiösen Vielfalt im Irak?

Schabak

Auch die Schabak[17] waren in den vergangenen acht Jahren wiederholt das Ziel terroristischer Aktionen. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen fielen etwa 2.000 Schabak den Anschlägen zum Opfer - eine hohe Zahl für eine Gemeinschaft, die lediglich 60.000 Angehörige hat. Diese religiös-ethnische Gemeinschaft ist in einigen Dörfern in der nordirakischen Provinz Mossul beheimatet. Ihre Sprache gehört zur Gurani-Gruppe der nordwest-iranischen Sprachen. Die Ritussprache der Schabak und einiger ihrer religiösen Schriften sind turkmenisch. Da aber einige Schabak-Untergruppen auch arabischsprachig sind, ist es schwierig, diese Gemeinschaft einer der größeren ethnischen Gruppen zuzuordnen.

Religiös stehen sie den kurdischen Gemeinschaften nahe, die als "extreme Schiiten" betrachtet werden. Laut ihrer Vorstellung bildet Ali, der vierte Kalif und Schwiegersohn des Propheten Muhammed, mit Allah und Muhammed die Trinität, wobei Ali die Manifestation der Gottheit verkörpere.[18] Wie auch bei den anderen kurdischen religiösen heterodoxen Gemeinschaften (Kakaya, Yarisan oder Ahl-e-Haqq[19]) bilden die alten iranischen Religionen sowie der Islam einen Bestandteil der religiösen Vorstellung der Schabak-Gemeinschaft. Nach 2003 waren vor allem Dörfer der Schabak, die nicht unter dem Schutz der Kurden standen, das Ziel von Anschlägen.

Fußnoten

17.
Vgl. Matti Moosa, Extremist Shiites. The Ghulat Sects, Syracuse 1988, S. 1-10; Martin van Bruinessen, The Shabak, in: Encyclopaedia of Islam, Leiden 2002.
18.
Vgl. Martin van Bruinessen, The Shabak, in: Encyclopedia of Islam, Leiden 2002.
19.
Vgl. Matti Moosa, Extremist Shiites. The Ghulat Sects, Syracuse 1988, S. 168-254.