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Informationsmedien in der Postdemokratie. Zur Bedeutung von Medienkompetenz für eine lebendige Demokratie


28.12.2010
Demokratie ist ohne funktionierende Medien nicht möglich. Gegen Tendenzen postdemokratischer Entwertung wie die Zunahme an Konzentration und Konformismus regt sich Widerstand, der konstruktive Entwicklungspotenziale aufzeigt.

Einleitung



"Meinungsfreiheit ist eine Farce, wenn die Information über die Tatsachen nicht garantiert ist."
Hannah Arendt

Wie der britische Politikwissenschaftler Colin Crouch betont, kann der Verfall demokratischer Prozesse mitsamt einer Stärkung strukturell privilegierter Eliten und der damit einhergehenden Reduktion egalitärer Auseinandersetzungen nicht allein den Massenmedien angelastet werden - wenn auch er durchaus der wachsenden Bedeutung von professioneller Public Relations (PR) eine wichtige Rolle beimisst.[1] Es gelinge der PR-gesteuerten Kommunikation immer besser, die Aufmerksamkeit auf Nebenschauplätze zu lenken und damit wichtige Herausforderungen und zentrale Probleme der Demokratie zu vertuschen.[2]

Natürlich ist es zunächst nicht den oft als "vierte Gewalt" idealisierten Medien anzulasten, wenn sie als Vehikel von Lobbyisten, PR-Managern und Spin Doctors ausersehen und eingespannt werden.[3] Dennoch scheint bei vielen im Journalismus Tätigen ein kritisches Bewusstsein für diese Problematik nicht vorhanden zu sein:[4] Wenn ein wichtiges Element der parlamentarischen Demokratie - der Wahlkampf - von "konkurrierenden Teams professioneller PR-Experten" bestritten wird, die eventuell noch charismatische Vertreter der "Elite" aufbauen, macht das die Politik zu einem wenig gehaltvollen Spektakel, das von einer funktionierenden "vierten Gewalt" eigentlich entlarvt und bloßgestellt werden müsste.[5]

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Fußnoten

1.
Vgl. Colin Crouch, Postdemokratie, Frankfurt/M. 2008, S. 13; Stephan Ruß-Mohl definiert PR als "zielgruppengerechte Fernsteuerung des Journalismus", online: http://testfo-cms.fr-online.de/verlagsservice/ueber_die_fr/60_
jahre_frankfurter_rundschau/719997_Die-FR-im-Jahr-2020.html (24.11.2010).
2.
Vgl. auch Roman Berger, Postdemokratie - Oder: Warum der Journalismus überleben muss, in: Medienheft vom 22.9.2010.
3.
Vgl. Thomas Leif/Rudolf Speth, Die fünfte Gewalt. Lobbyismus in Deutschland, Bonn 2006.
4.
Vgl. Thomas Schnedler, Getrennte Welten? Journalismus und PR in Deutschland, Hamburg 2006, online: www.netzwerkrecherche.de/Publikationen/nr-Werkstatt/04-Journalismus-und-PR (22.11.2010).
5.
Vgl. ebd.