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12.12.2011 | Von:
Reymer Klüver

Changed? Obama 2012 - Essay

Ein Jahr vor der nächsten Präsidentschaftswahl steht es nicht gut um Barack Obama. Auf die Verweigerungsstrategie der Republikaner hat er bisher keine wirksame Antwort gefunden.

Einleitung

Der Sommer war immer eine Saison des Missvergnügens für Barack Obama. Schon 2007, im Ringen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten, war es die Zeit, da selbst begeisterte Anhänger tiefe Zweifel beschlichen, ob er gegen Hillary Clinton würde bestehen können. Im heißen Sommer 2009 brach der Aufstand der Tea Party los, der den jungen Präsidenten und seine hochfahrende Entourage völlig unvorbereitet traf. 2010 blieb dann der von ihm beschworene summer of recovery aus. Amerikas Wirtschaft wollte sich partout nicht vom Schock der Finanz- und Wirtschaftskrise zwei Jahre zuvor erholen. Und der Sommer 2011 schließlich brachte den desaströsen Streit um die Erhöhung der Staatsverschuldung. Ihn konnte der Präsident nur mit einem zähneknirschenden Kotau vor den unnachgiebigen Republikanern beenden.

Prompt sanken seine Popularitätswerte auf nicht für möglich gehaltene Tiefen. Im August verzeichnete Gallup, das traditionsreiche Umfrageinstitut, das seit Jahrzehnten den Puls der Nation fühlt, erstmals Zustimmungsraten zur Amtsführung Obamas unter der 40-Prozent-Marke. Präsidenten, so die Faustregel, brauchen Werte zwischen 45 und 50 Prozent für ihre Wiederwahl. Das Wort der one term presidency macht die Runde: Immer hartnäckiger wird Obamas Name in einem Atemzug nicht mehr mit Ikonen der Nation wie Franklin D. Roosevelt oder auch Ronald Reagan genannt, wie noch zu Beginn seiner Amtszeit, sondern mit George Bush dem Älteren und Jimmy Carter. Die US-Wähler vertrieben die beiden unglückseligen Präsidenten nach nur einer Wahlperiode aus dem Weißen Haus.

Jedes Mal nach einem verpfuschten Sommer war Obama aber ein Comeback gelungen. Er setzte die Gesundheitsreform durch, und trotz flauer Wirtschaftsdaten galt er noch in der ersten Hälfte dieses Jahres praktisch als uneinholbar bei der Präsidentschaftswahl 2012. Doch nun, nach dem Sommer 2011, ist alles anders. Erstmals glauben die Republikaner tatsächlich, dass sie Obama im November 2012 schlagen können. Drei Jahre nach seinem epochalen Wahltriumph, ein Jahr vor der nächsten Präsidentschaftswahl steht es nicht gut um Barack Obama. Denn es steht nicht gut um Amerika. Wirtschaftlich will das Land nach der Großen Rezession nicht auf die Beine kommen. Innenpolitisch ist es zerrissener denn je. Und außenpolitisch wirkt der waffenstarrende Gigant seltsam kraft- und machtlos. Das liegt keineswegs nur am Präsidenten. Doch es wird ihm angekreidet, weil er change - Wandel, Besserung auf allen Feldern - versprochen hatte. Nun muss Obama rechtfertigen, warum die Erfolge nicht in dem Maße gekommen sind wie erhofft, oder besser gesagt, wie von Abermillionen erträumt.