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12.12.2011 | Von:
Reymer Klüver

Changed? Obama 2012 - Essay

Sympathisch, aber erfolglos

Auch außenpolitisch hat Obama wenig vorzuweisen, um diese Defizite auszugleichen. Zwar hat eine globale Welle der Sympathie für den neuen Präsidenten Amerikas in den Monaten nach seiner Wahl zweifellos dazu beigetragen, dass Ansehen der USA weltweit wieder zu heben. Aber der Glaube Obamas und seiner Berater, dass ihm dies helfen werde, seine außenpolitischen Ziele durchzusetzen, war wohl nur allzu naiv. Russland blieb trotz des Drucks auf den viel beschworenen reset button ein zänkischer Partner. China antwortete auf Obamas Werben mit Säbelrasseln und größeren strategischen Ambitionen. Beim Klimaschutz und im Streit um die Aufwertung der chinesischen Währung ließen die Chinesen die Amerikaner auflaufen. Und die alten Freunde der USA in Europa unterstützten ihn - Beispiel Afghanistan - kaum mehr als seinen ungeliebten Vorgänger. Vor allem aber hat er die großen internationalen Krisenfälle wie den Nahostkonflikt oder Irans Atomrüstung, anders als zweifellos auch von ihm selbst erwartet, nicht einen Millimeter näher einer Lösung bringen können.

Gewiss ist ihm dagegen nur der Beifall der meisten Amerikaner dafür, dass er das Engagement in Irak entschlossen reduziert hat. Dieses Wahlversprechen konnte er immerhin einlösen. Zugleich aber hat er in Afghanistan praktisch das Gleiche versucht wie sein Vorgänger im Irak und den militärischen Einsatz vor dem projektierten Abzug deutlich erhöht. Das ist nicht sehr populär in den USA. Deutlich mehr als die Hälfte der Amerikaner befürwortet ein rasches Ende dieses längsten Militärkonflikts in der US-Geschichte. Einzig die gewagte Kommandoaktion Anfang Mai gegen Osama bin Laden brachte ihm kurzzeitig Rückhalt. Doch wie wenig selbst die Eliminierung von Amerikas "Staatsfeind Nummer 1" in diesen Zeiten zählt, zeigt sein jäher Absturz in den Umfragen in den Monaten danach. Alles in allem überwiegt der Eindruck, konstatierte der Bostoner Politik-Professor Daniel Drezner im Sommer 2011, dass Obamas außenpolitischer Ansatz lange Zeit "nicht gerade überwltigende politische Ergebnisse" hervorgebracht habe.[4]

Fußnoten

4.
Daniel Dreszner, Does Obama Have a Grand Grand Stategy?, in: Foreign Affairs, 90 (2011) 4, S. 57-68.