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12.12.2011 | Von:
Nicole Renvert

Von Soft Power zu Smart Power: Zur Rolle der Mittler in den transatlantischen Beziehungen

Mittlerorganisationen und auswärtige Kulturpolitik

Bei den kulturpolitischen Mittlerorganisationen des AA handelt es sich um das Goethe-Institut, den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa), die Europäische Bewegung sowie die Alexander-von-Humboldt-Stiftung (AvH). Sie werden zum größten Teil staatlich finanziert und orientieren sich an den Zielen der deutschen auswärtigen Kulturpolitik als Teil der deutschen Außenpolitik. Nach der Wiedervereinigung 1990 wurde als Rahmen für ihre Tätigkeit ein gesamtdeutsches Konzept zur auswärtigen Kulturpolitik erstellt, die "Konzeption 2000",[3] die auch Maßnahmen zur Konfliktprävention und Friedenssicherung enthält.[4] Das Ziel ist, "über offizielle Positionen hinaus gezielt zum Austausch von Werten beizutragen und damit auch die Zivilgesellschaft zu stärken".[5] Zu den Instrumenten gehören feste Vertretungen und Strukturen im jeweiligen Partnerland, die Förderung der Mobilität und Begegnung von Personen, das Angebot von Informationen, materielle Hilfen und Sprachvermittlung sowie eine Vielzahl von Einzelprojekten.

Im transatlantischen Austausch gewähren die Mittlerorganisationen Stipendien für Austauschprogramme, unterstützen Kontakte zwischen Parlamentariern in Deutschland und den USA oder organisieren Konferenzen und Fachgespräche. Das Goethe-Institut ist mit sieben Büros in den USA vertreten, es gibt zwei Fachberater der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA), der DAAD unterhält neben New York ein Informationsbüro in San Francisco, es gibt das Deutsche Historische Institut (DHI) in Washington, DC sowie das German Book Office, zwei Büros der Film Service und Marketing GmbH und das Verbindungsbüro der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in New York.

Ferner sind weitere Akteure als die Mittlerorganisationen des Auswärtigen Amtes im transatlantischen Dialog eingebunden, wie etwa der German Marshall Fund of the United States (GMF), die Atlantik-Brücke, die American Academy in Berlin oder das Aspen Institut Berlin. Zudem kooperieren private Unternehmensstiftungen mit den Mittlerorganisationen oder anderen Partnern. Die Körber-Stiftung fördert im Ideenwettbewerb "Usable" mehr bürgergesellschaftliches Engagement, die Robert Bosch Stiftung unterstützt den Austausch durch das Kongress-Bundestagsforum und die Gerda Henkel Stiftung die wissenschaftliche Forschung. In den vergangenen Jahren entstandenen darüber hinaus weitere Initiativen und Projekte wie das Global Public Policy Institute (GPPI) oder die Transatlantic Strategy Group on Security der Bertelsmann Stiftung. Dieses Engagement setzt sich auf Länderebene fort. Allein Baden-Württemberg zählt mehr als 300 Organisationen, Vereine und deutsch-amerikanische Clubs, es gibt eine Vielzahl an Städte- und Schulpartnerschaften und einen lebendigen Austausch auf vielen anderen Ebenen.[6]

Auf amerikanischer Seite existiert auswärtige Kulturpolitik nicht als politisch eigenständige, vom staatlichen Einfluss und staatlicher Förderung geprägte Einrichtung im Rahmen einer nationalen Strategie. Vielmehr handelt es sich um eine Sammlung vertrauensbildender und den Dialog fördernder Maßnahmen, die viele private Unterstützer haben. Diese engagieren sich mit einem Vielfachen des Jahresetats des US-Außenministeriums, vor allem durch selbst finanzierte kultur- und bildungspolitische Projekte und Programme, die in anderen Industrieländern ausschließlich auswärtiger Kulturpolitik und staatlicher Finanzierung vorbehalten wären.

Wichtigster Partner der amerikanischen Regierung ist das Institute for International Education (IIE) in New York mit seinem Council for International Exchange of Scholars (CIES). Der wichtigste Mittler der amerikanischen Kulturpolitik ist die Fulbright Kommission, eine "Quasi-Nichtregierungsorganisation" (Quango), die sich in bilateralen Austauschprogrammen engagiert. Deutschland ist seit 1952 der mit Abstand größte Partner der USA mit weit über 40000 Geförderten.[7]

Fußnoten

3.
Vgl. Auswärtiges Amt (Kulturabteilung), Auswärtige Kulturpolitik - Konzeption 2000, online: www.ifa.de/pdf/aa/akbp_konzeption2000.pdf (23.11. 2011).
4.
Vgl. Deutsche Bundesregierung, Aktionsplan "Zivile Krisenprävention, Konfliktlösung und Friedenskonsolidierung", Berlin 12.5.2004, online: www.auswaertiges-amt.de/cae/servlet/contentblob/384230/
publicationFile/4345/Aktionsplan-De.pdf (23.11.2011).
5.
Kurt-Jürgen Maaß (Hrsg.), Kultur und Außenpolitik, Baden-Baden 2005, S. 28.
6.
Vgl. Nicole Renvert, Werte und Interessen im Wandel. Die deutsch-amerikanischen Kulturbeziehungen, Stuttgart 2006, S. 7.
7.
Vgl. Rolf Hoffmann, In diplomatischer Mission. Die Außenkulturpolitik der USA, in: K.-J. Maaß (Anm. 5), S. 281-286.