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10.11.2011 | Von:
Ortwin Renn

Wissen und Moral - Stadien der Risikowahrnehmung - Essay

Schlussbetrachtung

Das bewusste Eingehen von Risiken im Bereich der Technologie ist für moderne industrielle Gesellschaften unvermeidlich. Risiken fallen aber nicht vom Himmel. Risiken einzugehen, sie zu begrenzen oder auch aktiv zu suchen, ist Ergebnis menschlicher Entscheidungen. In riskanten Situationen müssen die zur Verfügung stehenden Auswahlmöglichkeiten gegeneinander abgewogen werden. Die ausgewählte Option muss dabei moralisch begründet werden, wobei Sachwissen integraler Bestandteil dieser Abwägung sein muss. Expertenwissen und moralische Urteilskraft sind beide notwendige Bedingungen für ein akzeptables Risikomanagement. Gerade daran hat es bei der Einführung der Kernenergie gefehlt.

Ein solcher Prozess der Abwägung benötigt einen strukturellen Rahmen, in dem sich Gestaltungsdiskurse institutionell entfalten können. Die wichtigen Entscheidungen über Risiken können weder in einer Expertokratie gefunden werden, noch durch eine Politik, die sich im Bemühen um Akzeptanz vorauseilend der Bevölkerung anbiedert. Was benötigt wird, sind gesellschaftliche Netzwerke, in denen Experten, Entscheidungsträger in Wirtschaft und Gesellschaft sowie von Risiken betroffene Bürgerinnen und Bürger gemeinsam die Aufgabe der Risikoabwägung vornehmen. Wie dies im Einzelnen organisiert werden kann, soll hier nicht ausgeführt werden. Es gibt bereits heute Ansätze, diese Art von Diskursen zu führen. Aber wir brauchen weitaus mehr derartige Versuche und Bemühungen, um die Lücke zwischen Wissen und Moral in der Bewältigung von Risiken in der modernen, globalisierten Welt zu schließen und ihre verlorene Einheit wiederzugewinnen.


Dossier

Energiepolitik

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