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"Energiewende": Wohin führt der Weg?


10.11.2011
Die "Energiewende" ist nicht nur notwendig, sondern möglich. Allerdings wird sie durch den Ausbau fossiler Energieerzeugung verlangsamt. Insbesondere beim Netzausbau ist ein gemeinsames europäisches Vorgehen erforderlich.

Einleitung



In Deutschland und Westeuropa wird seit Jahrzehnten eine gesicherte und bezahlbare Energieversorgung als selbstverständlicher Standard betrachtet. Nun gilt es, zur Abschwächung des Klimawandels die Emissionen von Kohlenstoffdioxid (CO2) so weit wie möglich zu reduzieren. Für die dafür erforderliche "Energiewende" muss gefragt werden, ob der in Deutschland eingeschlagene Weg zum Ziel führen kann und ob er hinreichend zweckmäßig verfolgt wird. Nicht hinterfragt werden muss die Notwendigkeit einer Energiewende selbst. Das Ziel muss sein, die Verwendung fossiler Brennstoffe ohne CO2-Abscheidung weitestgehend zu vermeiden.

Bei der Energiewende strebt Deutschland eine Vorreiterrolle an mit dem Ziel, bis 2020 eine Reduzierung der CO2-Freisetzung um 40 Prozent und bis 2050 sogar um mindestens 80 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 zu erreichen. Dafür sind enorme Anstrengungen erforderlich. Sie werden von der Politik höchst unterschiedlich gefördert, vielfach weitab vom Pfad marktwirtschaftlicher Tugend durch selektive direkte oder verdeckte Subvention und Begünstigung bestimmter - und nicht immer der am besten geeigneten - Technologien.

Klimaschutz ergibt nur als weltweites Unterfangen Sinn. 2005 wurde in Europa der CO2-Emissionsrechtehandel für Stromerzeugung und gewisse Industrien eingeführt, bei dem die Berechtigung für den Ausstoß jeder Tonne CO2 erworben werden muss und eine Gesamtobergrenze definiert wird. Damit erzeugen CO2-Emissionen Kosten, die bei Übergang auf emissionsfreie (oder -arme) Technologien nicht anfallen, und erworbene Zertifikate können gehandelt werden. Obwohl im Kyoto-Protokoll verankert, hat sich dieses marktwirtschaftliche System leider bislang keineswegs weltweit durchgesetzt. Überdies müssten Maßnahmen wie das deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) darauf abgestimmt werden. Für die mit teurer Wind- und Solarförderung geschaffenen CO2-freien Strommengen sollten in gleichem Umfang Zertifikate aus dem Markt genommen werden, was aber bisher nicht geschehen ist.[1] So ändert der deutsche Ausbau von Wind- und Solarenergie bisher viel zu wenig am Volumen der gesamten Verschmutzungsrechte und der damit verbundenen CO2-Emissionen.

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Fußnoten

1.
Dadurch sind die Zertifikate sehr preiswert geworden, was die kostengünstigsten CO2-Einsparungsmaßnahmen, nämlich die Optimierung konventioneller Kraftwerke und Industrieprozesse, wenig interessant macht, wohingegen die kostenträchtigsten CO2-Einsparungsmaßnahmen durch das EEG besonders attraktiv sind. Erst im Zeitraum von 2013 bis 2020 soll das Zertifikatvolumen stärker - aber wohl immer noch nicht ausreichend - angepasst werden.

 

Dossier

Energiepolitik

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