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26.10.2011 | Von:
Markus Klein
Tim Spier

Parteibeitritt und Parteimitgliedschaft im Wandel

Mitgliedschaftsmotive im Wandel

Wir gehen von der Annahme aus, dass sich die Motive des Parteibeitritts und der Parteimitgliedschaft im Zuge des sozialen Wandels sukzessive von den weichen hin zu den harten Anreizen verlagern. Den Hintergrund dieser Entwicklung bilden unserer Auffassung nach die gesellschaftlichen Prozesse der Individualisierung, des Wertewandels, der Entideologisierung sowie der Auflösung traditioneller sozialer Milieus. Wir gehen davon aus, dass im Zuge dieser Prozesse die Bindung des Individuums an gesellschaftliche Großgruppen, ideologische Weltdeutungen und politische Parteien sinkt. Gleichzeitig lässt die Empfänglichkeit des Einzelnen für die Erwartungen des sozialen Umfelds nach, während die Orientierung an den jeweils eigenen Bedürfnissen und Wünschen zunimmt. Vor diesem Hintergrund scheint dann die inaktive Mitgliedschaft in einer politischen Partei, die naturgemäß nicht mit selektiven Anreizen verbunden sein kann, immer weniger wahrscheinlich. Zu früheren Zeitpunkten hingegen konnte eine solche passive Parteimitgliedschaft durchaus emotionale und soziale Belohnungen versprechen. Nachwachsende Generationseinheiten hingegen sollten die Mitgliedschaft in politischen Parteien maßgeblich unter dem Aspekt selektiver Anreize bewerten. Erscheinen diese als nicht gegeben oder nicht als erstrebenswert, dann ist eine Parteimitgliedschaft auch wenig wahrscheinlich.

Die Motive des Mitglieds können sich aber auch im Verlauf der Mitgliedschaft in Abhängigkeit von den je konkreten Erfahrungen mit der eigenen Partei verändern. Wie einleitend bereits angedeutet, basiert die Entscheidung zum Beitritt letztlich auf subjektiven Erwartungen bezüglich des Nutzens einer Parteimitgliedschaft. Erst während der Mitgliedschaft können der tatsächliche Nutzen sowie die tatsächlichen Kosten eingeschätzt werden. Nun mag es vorkommen, dass bestimmte Nutzenerwartungen der Parteimitglieder enttäuscht werden. So können sich beispielsweise der Einfluss auf konkrete politische Entscheidungen vor Ort oder die eigenen Karrierechancen als deutlich geringer erweisen, als dies beim Eintritt erhofft worden ist. Die korrespondierenden Motive, die für die Entscheidung zum Parteibeitritt noch wichtig gewesen sein mögen, werden dann vermutlich für die Mitgliedschaft an Bedeutung verlieren, da sie nicht hinreichend befriedigt wurden. Die Analyse der Veränderung von Mitgliedschaftsmotiven im Laufe der Mitgliedschaft kann daher Auskunft geben über mögliche Störungen im Verhältnis der Mitglieder zu ihrer Partei.