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26.10.2011 | Von:
Markus Klein
Tim Spier

Parteibeitritt und Parteimitgliedschaft im Wandel

Motive der Parteimitgliedschaft in Abhängigkeit vom Lebensalter

Die von uns als Ursachen für den Wandel von Mitgliedschaftsmotiven angeführten sozialen Prozesse sollten ihre Wirkungen vor allem in den noch wenig vorgeprägten nachwachsenden Generationseinheiten entfaltet haben. Eine differenzierte Auswertung der Mitgliedschaftsgründe nach dem Alter sollte daher bei solchen Motiven, die dem sozialen Wandel unterliegen, klare altersspezifische Muster zu Tage treten lassen.

Tabelle 2 (siehe Tabelle 2 der PDF-Version) zeigt die heutigen Mitgliedschaftsgründe in Abhängigkeit vom Lebensalter sowohl für das Jahr 1998 als auch für das Jahr 2009.[7] Klare Alterseffekte zeigen sich bei den selektiven ergebnisbezogenen Anreizen. So bekundeten im Jahr 2009 34 Prozent der 18- bis 24-jährigen Parteimitglieder, dass sie aus Interesse an einem öffentlichen Mandat Mitglied in ihrer Partei seien. Über die verschiedenen höheren Altersgruppen hinweg sinkt dieser Prozentsatz dann stetig bis auf 8 Prozent in der Gruppe der über 65-jährigen Parteimitglieder. Solch klare Altersmuster finden sich zu beiden Untersuchungszeitpunkten bei allen drei untersuchten selektiven ergebnisbezogenen Anreizen. Ein ähnlicher Alterseffekt lässt sich darüber hinaus auch beim Spaß an der politischen Arbeit beobachten. Die anderen beiden selektiven prozessbezogenen Anreize werden von der Gruppe der jüngsten Parteimitglieder deutlich häufiger genannt, ohne dass das Altersmuster aber die gleiche stetige Struktur aufweisen würde wie in den vorgenannten Fällen. Ein Alterseffekt ist darüber hinaus auch bei den altruistischen Anreizen zu erkennen. Diese werden von jüngeren Parteimitgliedern seltener angegeben als von älteren.

Nun ist bei Alterseffekten nicht von vorneherein klar, ob diese wirklich generationale oder nicht doch eher lebenszyklische Wandlungsmuster reflektieren. Verfügt man nur über Daten eines einzigen Erhebungszeitpunktes, so lässt sich diese Frage nicht eindeutig entscheiden. Da wir aber über Daten aus zwei Erhebungszeitpunkten mit einem Abstand von immerhin elf Jahren verfügen, können wir zumindest in der Tendenz Aussagen darüber treffen, welches der beiden genannten Wandlungsmuster in unserem Fall das maßgebliche ist. Wäre ein lebenszyklisches Muster gegeben, also zum Beispiel die Situation, dass junge Menschen mit ambitionierten Karriereerwartungen in die politischen Parteien eintreten, diese im weiteren Lebensverlauf dann aber wieder zurückfahren, so müsste sich der Alterseffekt in den Jahren 1998 und 2009 jeweils ungefähr gleich darstellen. Liegt hingegen ein generationales Muster vor, so sollte im Jahr 2009 die Bedeutung selektiv ergebnis- und prozessbezogener Anreize in den gehobenen Altersgruppen im Vergleich zu 1998 erkennbar zugenommen haben. Dies deshalb, weil sich die nachwachsenden Generationen mit einer höheren Orientierung an harten Anreizen gewissermaßen langsam durch die Alterspyramide nach oben schieben. Genau dies können wir in Tabelle 2 (siehe Tabelle 2 der PDF-Version) beobachten.[8]

Die altersspezifische Analyse stützt also unsere Annahme, dass "harte" Anreize der Parteimitgliedschaft im Prozess des sozialen Wandels vermittelt über die Generationensukzession an Bedeutung gewinnen. Ein entsprechender Bedeutungsverlust der "weichen" Anreize ist - mit Ausnahme der altruistischen Motive - aber nicht zu konstatieren. Dies mag sich daraus erklären, dass selektive Motive durchaus von kollektiv-politischen, ideologischen, normativen und expressiven Mitgliedschaftsmotiven "umkränzt" sein können - und sei es nur zur Verschleierung der eigentlichen Motivlage.

Fußnoten

7.
Auf die Analyse der Parteibeitrittsmotive wurde an dieser Stelle aus Platzgründen verzichtet. Die altersspezifische Differenzierung liefert aber auch in diesem Fall im Kern die gleichen Ergebnisse.
8.
Nun können die hier vorgelegten einfachen empirischen Analysen eine solche Interpretation natürlich nur ansatzweise stützen. Parallel durchgeführte multivariate statistische Analysen unter Einbezug der Variablen Alter, Kohortenzugehörigkeit und Erhebungszeitpunkt stützen diese Interpretation aber ebenfalls. Vgl. hierzu Yvonne Lüdecke, Junge Parteimitglieder in deutschen Parteien im Wandel der Zeit. Unveröffentlichte Masterarbeit im Studiengang Politikwissenschaft, Hannover 2011.