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26.10.2011 | Von:
Markus Klein
Tim Spier

Parteibeitritt und Parteimitgliedschaft im Wandel

Zusammenfassung und Ausblick

Die deutschen Parteien haben dramatische Mitgliederverluste erlitten. Eine mögliche Ursache für diese Verluste sind die sich wandelnden individuellen Motive des Parteibeitritts und der Parteimitgliedschaft. Die Quellen dieses Motivwandels liegen innerhalb und außerhalb der politischen Parteien. Werden die Erwartungen, die der Entscheidung zum Parteibeitritt zu Grunde gelegen haben, im Verlauf der Mitgliedschaft enttäuscht, werden die Parteien selbst zur Ursache sich wandelnder Mitgliedschaftsmotive. Nach den Ergebnissen unserer Analysen erodieren unter dem Eindruck der Realität der innerparteilichen Demokratie insbesondere die selektiv-prozessbezogenen als auch die kollektiv-politischen Motive der Mitglieder. Gleichzeitig sehen sich die politischen Parteien aus ihrer gesellschaftlichen Umwelt mit der Entwicklung konfrontiert, dass nachwachsende Generationen stärker auf ihre ganz persönlichen Vorteile aus der Mitarbeit in einer Partei achten. Die weichen Motive des Parteibeitritts und der Parteimitgliedschaft werden im Zuge dieses Prozesses zwar nicht vollständig verdrängt. Sie reichen aber immer seltener alleine aus, um Menschen eine Parteimitgliedschaft attraktiv erscheinen zu lassen.

Die politischen Parteien in Deutschland stehen vor der Herausforderung, ihre Arbeit künftig mit einer deutlich kleineren Mitgliederbasis gestalten zu müssen. Daraus muss nicht notwendigerweise folgen, dass künftig zu wenige Aktive zur Verfügung stehen werden, um die Parteiarbeit zu leisten und die innerparteiliche Demokratie am Leben zu erhalten. Da die nachwachsende Generation der Parteimitglieder eine starke Orientierung an selektiven Anreizen aufweist, wird sie auch ein hohes Maß an innerparteilichem Engagement entfalten müssen, um diese Anreize für sich realisieren zu können. Allerdings werden die politischen Parteien nach unseren Befunden verstärkt darauf achten müssen, dass diesen neuen Mitgliedern im Laufe ihrer Mitgliedschaft der Spaß an der politischen Arbeit nicht wieder vergeht. Die Ausweitung innerparteilicher Mitsprache- und Mitbestimmungsmöglichkeiten sowie grundlegende Reformen der Parteiarbeit scheinen uns vor diesem Hintergrund geboten.