Anlässlich des 68. Unabhängigkeitstages Indonesiens am 17. August 2013 wird eine riesige Flagge über den Begawan Solo River gespannt.

5.3.2012 | Von:
Jacqueline Knörr

Einheit in Vielfalt? Zum Verhältnis ethnischer und nationaler Identität in Indonesien

In postkolonialen Gesellschaften mit ethnisch heterogenen Bevölkerungen werden nationale Identitäten anders konstruiert, als es das europäische Modell des Nationalstaates vorsieht. Ethnische Diversität schließt nationale Einheit keinesfalls aus.

Einleitung

In der medialen Berichterstattung über die sogenannte postkoloniale oder gar "Dritte" Welt stehen meist gesellschaftliche Konflikte und Probleme im Vordergrund. Insbesondere von Afrika und Asien ist vor allem dann zu hören, wenn Bevölkerungen verhungern, ertrinken oder gar "explodieren". Ansonsten geraten diese Erdteile häufig nur ins Blickfeld, wenn sich die dort lebenden Menschen gegenseitig bekriegen. Während im ersten Fall in der Regel soziale Missstände und Naturkatastrophen verantwortlich gemacht werden, führen im zweiten Fall sowohl die berichterstattenden Medien als auch die beteiligten Konfliktparteien häufig ethnische und religiöse Unterschiede als Ursachen ins (kriegerische) Feld. Sehr viel seltener hört und liest man von Afrika oder Asien im Zusammenhang mit Integration, Konfliktregulierung oder gelungenen Beispielen für ein Zusammenleben in einem oft durch ein hohes Maß an Diversität geprägten Alltag.

Um den Verlauf von Konflikten verstehen und um deren Eskalation vermeiden bzw. beenden zu können, muss man deren Ursachen verstehen. Man muss aber, vereinfacht gesagt, auch die Ursachen eines weitgehend friedlichen Miteinanders verstehen, um selbiges bewahren zu können. Alle Gesellschaften sind sowohl durch integrative Prozesse als auch durch Konflikte gekennzeichnet, die mit bestimmten sozialen Dynamiken, historischen Entwicklungen und politischen Strukturen in Verbindung stehen und nicht etwa naturgegeben sind. Überall, wo Menschen miteinander leben, gibt es divergierende Interessen, Überzeugungen und Lebensweisen, die einander ergänzen bzw. nebeneinander existieren können, die aber insbesondere in Verbindung mit ungleichen Möglichkeiten ihrer Verwirklichung sowohl zu konstruktiven als auch destruktiven Konflikten führen. Neben den Unterschieden gibt es aber überall auch Gemeinsamkeiten, die dazu beitragen, dass Diversität nicht entzweit, Konflikte nicht gewalttätig eskalieren und Gesellschaften nicht auseinanderbrechen.


Dossier Innerstaatliche Konflikte

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