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Machtverschiebungen zwischen Indonesiens Zentrum und Peripherie

5.3.2012

Nusa Tenggara Timur: Armenhaus in der Peripherie



Die Stärkung der regionalen Autonomie konnte bisher wenig daran ändern, dass entlegene Provinzen im östlichen Indonesien wie Nusa Tenggara Timur (NTT), Gorontalo[11] in Nord-Sulawesi und die Molukken weiterhin als Indonesiens Armenhaus gelten und bei allen entwicklungsrelevanten Indikatoren zum Teil weit unter dem nationalen Durchschnitt liegen. NTT lag 2010 mit einem regionalen Bruttosozialprodukt pro Kopf von 500 US-Dollar weit unter dem nationalen Durchschnitt von 3000 US-Dollar.[12]

Ein Bericht der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2009 zu den Lebensbedingungen in NTT zeichnet ein düsteres Bild.[13] Ungefähr 65 Prozent der Haushalte leben unterhalb der absoluten Armutsgrenze. Die lokale Bevölkerung ist zu 80 Prozent von der Landwirtschaft abhängig, und das in einer Region, deren ungünstige geografische und klimatische Bedingungen ein hohes Ernterisiko darstellen. Der Ausbau anderer Sektoren wie Tourismus ist auf weitere Entwicklungsfortschritte angewiesen. Angesichts der niedrigen Einkommen und häufigen Dürreperioden kommt es in einigen Gebieten immer wieder zu Hungersnöten. Die Mehrheit der Menschen im erwerbsfähigen Alter weist einen niedrigen Bildungsgrad und mangelnde technische und unternehmerische Fähigkeiten auf und verfügt nur über unzureichenden Zugang zu Gesundheitsdiensten. In einigen entlegenen ländlichen Distrikten leiden über 40 Prozent der Kinder an Mangel- oder Unterernährung (Landesdurchschnitt im Jahr 2010 laut Weltbank: 18 Prozent). Erschwerend für die Entwicklung kommt hinzu, dass Nusa Tenggara Timur ein "Archipel im Archipel" ist: Die Provinz besteht aus über 500 Inseln, von denen ungefähr die Hälfte bewohnt ist. NTT selbst liegt schon fernab der großen wirtschaftlichen und urbanen Zentren Indonesiens, aber auch innerhalb NTTs sind viele Inseln und Gebiete nur schwierig oder unter erheblichem Zeitaufwand erreichbar.

Der UN-Bericht sieht keine Anhaltspunkte für einen Aufwärtstrend: Die Wachstumsrate der Provinz ist gering und bleibt beständig unterhalb des nationalen Durchschnitts. NTT gehört zudem zu den Provinzen mit der höchsten Korruptionsrate. Bisherige Entwicklungsprogramme der indonesischen Regierung, ausländischer Hilfsorganisationen und lokaler Nichtregierungsorganisationen konzentrierten sich zumeist auf einen bestimmten Sektor, etwa den Gesundheitsbereich. Diese sektorialen Interventionen haben gerade in den bitterarmen, isolierten ländlichen Regionen bisher wenige langfristige Erfolge vorzuweisen.[14]

Die Gründe hierfür liegen vor allem im fehlenden Verständnis der lokalen Bevölkerung für Konzepte marktwirtschaftlichen Handelns und sich selbst erhaltende Organisationen zur Verbesserung der Lebensbedingungen. Die lokale Landwirtschafts- und Gesundheitspraxis ist noch stark in überlieferten Weltanschauungen und traditionellen Ritualzyklen verankert. Auch ein Gesundheits- und Hygienebewusstsein ist im Alltag noch wenig ausgeprägt und trägt zur weiterhin hohen Müttersterblichkeit von 306 Frauen pro 100000 Geburten bei, die deutlich über dem nationalen Durchschnitt liegt.

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Fußnoten

11.
Für Gorontalo vgl. Elizabeth Morrell, Local Agency and Region Building in Indonesia's Periphery: Shifting the Goalposts for Development, in: Asian Journal of Political Science, 18 (2010) 1, S. 48-68.
12.
Vgl. Wijayanto, Komodo for the prosperity of NTT, in: The Jakarta Globe vom 3.1.2012, online: www.thejakartaglobe.com/columnists/komodo-for-the-prosperity-of-ntt/488850 (16.2.2012).
13.
Vgl. Taco Bottema/Keppi Sukesi/Simon Seran, NTT at a Crossroads. A report commissioned by UNRC to support the UNDAF Process, 14.10.2009, online: www.un.or.id/documents_upload/publication/NTT at a crossroads.pdf (16.2.2012).
14.
Vgl. ebd., S. 31.

 

Dossier Innerstaatliche Konflikte

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