Anlässlich des 68. Unabhängigkeitstages Indonesiens am 17. August 2013 wird eine riesige Flagge über den Begawan Solo River gespannt.
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Machtverschiebungen zwischen Indonesiens Zentrum und Peripherie

5.3.2012

Papua: Peripherie im Zentrum globaler Dynamiken



In der im Osten Indonesiens gelegenen Provinz Papua zeigt sich die komplexe Problematik zwischen Zentrum und Peripherie auf extreme Weise. Papua gehört einerseits zu den ressourcenreichsten Gebieten Indonesiens, andererseits war es 2011 die Provinz mit der höchsten Armutsrate, nämlich 31 Prozent (nationaler Durchschnitt: 12,3 Prozent).[22] Papua weist zudem die höchste HIV/AIDS-Rate in Indonesien auf. Die indigenen Papua leben zumeist in größter Armut und fühlen sich als Fremde im eigenen Land, während die Zentralregierung in Jakarta und internationale Investoren vom außerordentlichen Ressourcenreichtum der Provinz profitieren. Daran hat sich auch nach Verleihung des Status einer "Sonderautonomie" (gemeinsam mit Aceh) für die Provinz wenig geändert.[23]

Das Unternehmen PT Freeport Indonesia im Hochland Papuas gehört zum amerikanischen Konzern Freeport McMoRan Copper & Gold.[24] Die von Freeport betriebene Grasberg-Mine ist nicht nur die größte Goldmine der Welt, sondern macht Freeport auch zum größten Steuerzahler Indonesiens. Die indonesische Regierung hat Freeport daher zum "lebenswichtigen nationalen Objekt" erklärt. Für dessen Sicherheit soll mit einer enormen Armee- und Polizeipräsenz gesorgt werden, die mit massivster Gewalt nicht nur gegen Anhänger der papuanischen Unabhängigkeitsbewegung, sondern auch gegen lokale Protest- und Oppositionsbekundungen vorgeht. Menschenrechtsorganisationen sprechen von "systematischem Staatsterrorismus". Immer wieder kommt es zu Klagen und Protesten seitens lokaler Gemeinschaften, vor allem indigener Papua, die ihr angestammtes Land durch Enteignung verloren haben und die zusammen mit internationalen Nichtregierungsorganisationen auf die andauernden Menschenrechtsverletzungen und die Zerstörung der natürlichen Umgebung im Konzessionsgebiet aufmerksam machen.

Das an Indonesiens östlichster Peripherie gelegene Papua, auch ethnisch denkbar weit vom javanischen Zentrum entfernt, erfährt die Machtausübung der Zentralregierung auf besonders drastische Weise. Gleichzeitig zeigen sich transnationale Interessensverflechtungen, die in Zeiten der Globalisierung über Indonesien hinaus auf ganz andere Zentren hinweisen, nämlich die westliche Welt, in der internationale Großkonzerne ihren Sitz haben, sowie die internationale Öffentlichkeit, an die mit indigenen Papuas zusammenarbeitende westliche Menschenrechts- und Umweltorganisationen appellieren.

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Fußnoten

22.
Vgl. Berita Resmi Statistik No. 06/01/Th. XV, 2 Januari 2012, Badan Pusat Statistik, online: www.bps.go.id/brs_file/kemiskinan_02jan12.pdf (16.2.2012).
23.
Vgl. Richard Chauvel, Rulers in their own country?, in: Inside Indonesia vom 23.10.2008, online: www.insideindonesia.org/edition-94-oct-dec-2008/rulers-in-their-own-country-24101128 (16.2.2012).
24.
Zu Freeport vgl. Denise Leith, The Politics of Power. Freeport in Suharto's Indonesia, Honolulu 2003.

 

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