68er Dossier

Die 68er heute

Achtundsechzig sitze wie ein Pfahl im Fleisch der Gesellschaft, schreibt der Soziologe Oskar Negt. 40 Jahre danach wird die Diskussion über die Ereignisse von damals immer noch leidenschaftlich geführt - und viele der Wortführer sprechen als Experten und Zeitzeugen zugleich. Die einen sehen in Achtundsechzig eine Demokratisierung und Liberalisierung der Gesellschaft und damit den Übergang der Bundesrepublik in eine moderne Gesellschaft. Bürgerinitiativen, Mitbestimmung, Bildungsreform und kritischer Umgang mit Autoritäten seien noch heute sichtbare Erfolge. Kritische Stimmen betonen hingegen den gesellschaftlichen Werteverlust und die Auflösung familiärer Strukturen als Folgen von Achtundsechzig. Auch habe sich die "antiautoritäre Bewegung" letztlich auf die eigenen Autoritäten verlassen, denen sie bedingungslos folgte - und an denen sie keine Kritik zuließ. Auch vier Jahrzehnte später ist Achtundsechzig keineswegs ein Fall nur für die Geschichtsbücher.

Seiten 1-3 des Mitgliedsbuches Nr. 2.002.373 der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, ausgestellt am 28. Juli 1964 für Karl-Heinz Kurras. Quelle: BStU

Helmut Müller-Enbergs und Cornelia Jabs

Der 2. Juni 1967 und die Staatssicherheit

Der 2014 verstorbene Polizist Karl-Heinz Kurras, der den Studenten Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 in Berlin erschoss, war Inoffizieller Mitarbeiter der Stasi. Das beweisen Unterlagen der Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU), ausgewertet 2009 von Helmut Müller-Enbergs und Cornelia Jabs. Weiter...

Rudi Dutschke im April 1968: ein leidenschaftlicher Prediger, ein von seinen revolutionären Ideen besessener Sendbote aus einer anderen Welt. Foto: AP

Zeitzeuge: Wulf Schönbohm

Die 68er: politische Verirrungen und gesellschaftliche Veränderungen

Die 68er haben die deutsche Gesellschaft liberaler gemacht. Dennoch müssen auch die Fehler und Versäumnisse der 68er-Bewegung benannt werden. Für Wulf Schönbohm zählt dazu die Ablehnung der parlamentarischen Demokratie, das Konzept der antiautoritären Erziehung sowie das Nicht-Aufbegehren gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings. Weiter...

"Achtundsechzig sitzt wie ein Pfahl im Fleische dieser Gesellschaft." Foto: Günter Zint, Straßenblockade in Berlin 1968.

Zeitzeuge: Oskar Negt

Demokratie als Lebensform

68 sitzt wie ein Pfahl im Fleische der Gesellschaft, sagt der Soziologe Oskar Negt. Immer wieder würden die negativen Folgen von 68 betont und die Bewegung pauschal verurteilt. Dabei ist die Durchsetzung der Demokratie als Lebensform das bleibende Vermächtnis von damals. Weiter...

Woodstock-Festival im August 1969: Mehr als nur ein Rockkonzert. Foto: AP

Hubert Kleinert

Mythos 1968

Was meint 68? Eine linkspolitische Protestbewegung oder doch eher eine kulturelle Jugendrevolte? Und was bleibt von 68? Für Hubert Kleinert steht fest: 68 hat die Fundamentalliberalisierung der Gesellschaft sowie die Demokratisierung aller Lebensbereiche gebracht. Weiter...

Diepgen

Zeitzeugen: Peter Schneider
und Eberhard Diepgen

Die Bedeutung von 1968 heute

Zur Eröffnung der Ausstellung "68 – Brennpunkt Berlin" im Amerika Haus in Berlin trafen sich Peter Schneider und Eberhard Diepgen zu einem Streitgespräch über 68 und dessen Folgen. Weiter...

Foto: Rainer Böhme

bpb-Interview

Revolution des Alters: Die 68er gehen in Rente

Die Generation der 68er rückt langsam in den Ruhestand vor. Dies bringe einen radikalen Wandel des Lebens im Alter mit sich, so der Publizist Rainer Böhme im bpb-Interview. Werden die 68er nach ihrer Jugendrevolte nun das Alter revolutionieren? Weiter...

Heinrich Oberreuter

Heinrich Oberreuter

Heinrich Oberreuter

Heinrich Oberreuter stand 1968 auf der anderen Seite der Barrikaden. Vor allem die Forderung nach einer Demokratisierung der Universitäten sowie die Abschaffung des Leistungsprinzips und die Förderung revolutionärer Prozesse an den Hochschulen waren ihm ein Dorn im Auge. Weiter...

Günter Grass

Video

"Eine Revolution war nicht vonnöten"

Günter Grass teilte zwar die Anliegen der 68er Bewegung, sei aber nicht bereit gewesen, "Ho Ho Ho Chi Min" rufend durch die Straßen zu laufen. Der Literaturnobelpreisträger weist zudem auf eine Kunstfeindlichkeit der 68er hin. Weiter...

 

Online-Angebot

Kinofenster.de: We Want Sex

Nigel Coles Sozialkomödie erinnert an den Streik in Dagenham 1968, als erstmals in der britischen Geschichte Frauen für ihre Rechte kämpften. Kinofenster.de bietet passende filmpädagogische Begleitmaterialien für den Schulunterricht. Weiter...