68er Dossier
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Glossar

24.1.2008
Von APO bis Vietnamkrieg: Das Glossar erklärt wichtige Schlagwörter zum Thema.

APO – Außerparlamentarische Opposition



Bezeichnung für die antiautoritäre Protestbewegung, die in der Bundesrepublik Deutschland Mitte bis Ende der 1960er Jahre vor allem von Studenten und Jugendlichen getragen wurde und die versuchte, (neue radikale) politische Vorstellungen und gesellschaftliche Reformen (z.T. mittels provokativer Protestaktionen) durchzusetzen bzw. restriktive Maßnahmen zu verhindern (z.B. Notstandsgesetzgebung). Vergleichbare Protestbewegungen gab es in anderen westlichen Ländern. Die APO wurde durch die Schwäche der parlamentarischen Opposition nach 1966 zu einer wichtigen politischen Kraft und verlor nach Ende der Großen Koalition (1969) rasch an politischer Bedeutung.
Quelle: Schubert, Klaus/Martina Klein: Das Politiklexikon. 4., aktual. Aufl. Bonn: Dietz 2006.



AUSS – Aktionszentrum Unabhängiger und Sozialistischer Schüler



Vom antiautoritären SDS-Vorstand ging im Sommer 1967 auch die Gründung einer eigenen Schülerorganisation mit dem Namen "Aktionszentrum Unabhängiger und Sozialistischer Schüler" (AUSS) aus, die die Unruhe von den Universitäten in die Schulen tragen sollte. Das AUSS gewann rasch ebenso viele Mitglieder wie der SDS.
Quelle: Axel Schildt: Rebellion und Reform. Die Bundesrepublik der Sechzigerjahre, Bonn 2005. Aus der bpb-Reihe "Zeitbilder".



Gruppe 47



Die Gruppe '47 war eine von Hans Werner Richter 1947 gegründete lockere Vereinigung von Autoren und Literaturkritikern. Sie strebten in ihrem literarischen Schreiben eine Reinigung der durch den Nationalsozialismus verseuchten Sprache an und wollten zu neuen, realistischen und betont nüchternen Beschreibungskategorien gelangen. Bei den regelmäßigen Herbsttreffen der Gruppe lasen die meisten bedeutenden Schriftsteller der Bundesrepublik ihre Manuskripte vor und stellten sich der Kritik des Kreises. Seit 1950 wurde in unregelmäßigen Abständen der "Preis der Gruppe 47" vergeben. Die Treffen, auf denen auch wichtige Verleger anwesend waren, wurden zur tonangebenden Literaturmesse. Den Forderungen nach einem klaren politischen Standpunkt, wie er in den 60er-Jahren von jüngeren Schriftstellern vertreten wurde, konnte die Gruppe 47 nicht mehr entsprechen. Das letzte öffentliche Treffen fand 1967 statt.
Quelle: Axel Schildt: Rebellion und Reform. Die Bundesrepublik der Sechzigerjahre, Bonn 2005. Aus der bpb-Reihe "Zeitbilder".



Notstandsgesetze



Die so genannten Notstandsgesetze gehen zurück auf eine Forderung der Alliierten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, die ihre dort stationierten Truppen geschützt sehen wollten. Diese gesetzlichen Vorbehalte wurden im Besatzungsstatut von 1949 und im Deutschlandvertrag von 1952 geregelt, bis die Bundesrepublik 1955 ihre volle staatliche Souveränität erhielt. Das Grundgesetz hatte ursprünglich mit Rücksicht auf die schlechten Erfahrungen aus der Zeit der Weimarer Republik nur wenige und lückenhafte Bestimmungen enthalten, auf deren Grundlage die staatlichen Organe Notstandssituationen – Unruhen, Spannungen etc. – begegnen konnten. Heftige Auseinandersetzungen entwickelten sich in den 60er-Jahren vor allem deshalb, weil unter Federführung des Innenministeriums – zunächst – geheime Pläne ("Schubladengesetze") entwickelt wurden. Danach sollte im Verteidigungsfall, im "Spannungsfall", beim inneren Notstand und im Katastrophenfall die vollziehende Gewalt auf die Bundesregierung übergehen. Die sozialdemokratische Opposition im Bundestag hatte die Notstandsgesetze deshalb strikt abgelehnt. In den Verhandlungen zur Bildung der Großen Koalition wurde dagegen vereinbart, dass der Bundestag in einem Rumpfparlament von 33 Abgeordneten gemäß seiner politischen Zusammensetzung als Kontrollorgan vorzusehen sei. Das Notstandsgesetz wurde als 17. Gesetz zur Änderung des Grundgesetzes am 24. Juni 1968 mit den Stimmen der Parteien der Großen Koalition gegen einige Abweichler aus den Reihen der SPD und gegen die Stimmen der FDP-Fraktion mit der notwendigen Zweidrittel-Mehrheit verabschiedet.
Quelle: Axel Schildt: Rebellion und Reform. Die Bundesrepublik der Sechzigerjahre, Bonn 2005. Aus der bpb-Reihe "Zeitbilder".



Prager Frühling



Dieser Begriff kennzeichnet den Versuch der neuen Parteiführung der tschechoslowakischen Kommunisten unter Alexander Dubcek von Januar bis August 1968, einen "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" zu verwirklichen, d.h., unter Vorbehalt der "führenden Rolle der Partei" bürgerliche Freiheiten (Versammlungsfreiheit, Pressefreiheit usw.) zu realisieren. Die Sowjetunion betrachtete den Prager Frühling jedoch als eine Gefahr für die Einheitlichkeit des Ostblocks. Auch die Einheitspartei der DDR, die SED, griff den Kurs der neuen tschechoslowakischen Parteiführung als konterrevolutionär und friedensgefährdend an. Durch den Einmarsch von Truppen der Sowjetunion und weiterer Staaten des Warschauer Pakts (Truppen der Nationalen Volksarmee der DDR überschritten die Grenze nicht) am 20./21. August 1968 wurde das Reformexperiment gewaltsam beendet.
Quelle: Axel Schildt: Rebellion und Reform. Die Bundesrepublik der Sechzigerjahre, Bonn 2005. Aus der bpb-Reihe "Zeitbilder".



 

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