"La Sarraz" – Mediencollage von Lutz Dammbeck, Kulturhaus "Nationale Front“, Leipzig, 24. Juni 1984

6.9.2012 | Von:
Uta Grundmann

Die Galerie Artefakt

Die Gründung der Galerie Artefakt der Brüder Frank und Ralf Lehmann im Jahre 1988 stand in der Dresdner Tradition privater Wohnungsgalerien.

Frank und Ralf Lehmann in ihrer Wohnungsgalerie „Artefakt“, 1989, Foto: Archiv Galerie Gebr. Lehmann, Dresden/Berlin (Fotograf unbekannt)Frank und Ralf Lehmann in ihrer Wohnungsgalerie „Artefakt“, 1989. (© Archiv Galerie Gebr. Lehmann, Dresden/Berlin (Fotograf unbekannt))

Die Gründung der Galerie Artefakt – eine Antwort auf die „gefühlte Unwirklichkeit des Lebens in der DDR“ (Ralf Lehmann) im vorletzten Jahr ihres Bestehens – stand in der Dresdner Tradition privater Wohnungsgalerien. Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Frank, einem gelernten Tischler, und befreundeten Künstlern richtete der studierte Architekt Ralf Lehmann Ende 1987 drei Zimmer seiner Fünfraumwohnung in der Institutsgasse für Ausstellungen her. Vorbild war die bereits legendäre Kellergalerie der Malerin, Maskenbildnerin und Restauratorin Inge Thiess-Böttner, mit der die beiden jungen Dresdner befreundet waren und die sie 1989 mit einer Solopräsentation ehrten. Der ersten Gemeinschaftsschau unter dem Titel "Figur“ im Januar 1988 folgten bis Ende 1989 siebzehn weitere Gruppen- und Einzelausstellungen mit etwa achtzig Künstlern, darunter den Altmeistern Willy Wolff und Wilhelm Müller.

Im Februar 1989 eröffnete die Kreisdienststelle der Staatssicherheit in Dresden den Operativen Vorgang "Elegie“ gegen die Brüder Lehmann – sie unterstellte den Galeristen den "Missbrauch von Ausstellungen“, um "Personen aus dem Bereich des politischen Untergrundes zusammenzuführen“, und vermutete "Hintermänner“ in der Bundesrepublik. Zahlreiche Maßnahmen sollten die Ausstellungstätigkeit behindern, blieben jedoch wirkungslos: So bezahlten die Brüder eine Geldstrafe wegen Ruhestörung aus den Auktionserlösen von eigens geschaffenen Bildern befreundeter Künstler. Und sie beantragten zum Spaß eine offizielle Lizenz zum Betrieb einer eigenständigen Galerie beim Rat der Stadt. Eine Reaktion gab es selbstverständlich nicht – die Möglichkeiten legalen professionellen Arbeitens sollten sich erst einige Monate später ergeben.

Heute behauptet sich die Galerie mit dem Namen "Gebrüder Lehmann“ – am Dresdner Stammsitz und mit einer Dependance in Berlin – als eine der wenigen ehemaligen Privatgalerien der DDR neben der Galerie Eigen+Art und der Loock Galerie am internationalen Kunstmarkt.

Literatur:
Yvonne Fiedler: Hunger nach Antworten. Privatgalerien in der DDR zwischen Eigensinn und Illegalität. In: Galerie Boykott. Eine kunsthistorische Betrachtung zur Geschichte der privaten Galerien in der DDR. Chemnitz 2010.


Online-Angebot

Jugendopposition in der DDR

Ausgezeichnet mit Grimme Online Award: Wie haben junge Menschen in der DDR mit Mut und Musik gegen Stasi und SED-Diktatur gekämpft? Zeitzeugen berichten. Mit zahlreichen Videos, Fotos und Dokumenten.

Mehr lesen auf jugendopposition.de

Deutschland Archiv

"Deutschland Archiv Online" bietet wissenschaftlich fundierte, allgemein verständliche Beiträge zur gemeinsamen deutschen Nachkriegsgeschichte und ihrer Aufarbeitung, zum deutschen Einigungsprozess im europäischen Kontext sowie zur Erinnerungs- und Gedenkkultur.

Mehr lesen

Dossier

Ostzeit

Die Fotografen der Agentur Ostkreuz erzählen in ihren Bildern Geschichten aus einem vergangenen Land – authentisch und ungeschönt. Sie zeigen den Alltag, die Arbeit und die Menschen hinter der DDR.

Mehr lesen

Dossier

Stasi

Alles wissen, alles kontrollieren, Menschen manipulieren. Aus der Arbeitsweise der DDR-Geheimpolizei "Stasi" ist auch viel zu lernen über die Mechanismen von Diktaturen der Gegenwart: Wirklichkeit wird geschönt, Kritik unterdrückt, Oppositionelle werden verfolgt und gebrochen. Dieses Dossier der bpb beleuchtet zahlreiche Aspekte des Stasi-Wirkens mit Hilfe von Analysen, Filmen, MfS-Dokumenten sowie Interviews mit Opfern und Tätern.

Mehr lesen