"La Sarraz" – Mediencollage von Lutz Dammbeck, Kulturhaus "Nationale Front“, Leipzig, 24. Juni 1984

6.9.2012 | Von:
Dr. Klaus Michael

Galerie Schwamm in Weimar

Die 1988 gegründete Galerie Schwamm in Weimar wandte sich an Künstler, die aus kulturpolitischen oder ästhetischen Gründen nicht ausstellen durften und aus dem Kulturbetrieb ausgeschlossen waren.

Die Gründer der Galerie Schwamm Conny und Udo Dietrich, Oktober 1988, Foto: Claus BachFotos aus der Galerie Schwamm in Weimar (© Claus Bach)

Die von Conny und Udo Dietrich 1988 in der Karl-Liebknecht-Straße 14 in Weimar gegründete Galerie Schwamm war wie die Galerie Wohnmaschine in Berlin und der Galerie Artefakt in Dresden eine der wichtigen Spätgründungen unabhängiger und selbstbestimmter Galerien der DDR. Seit den 1980er Jahren hatte sich Weimar mit der Hochschule für Bauwesen, der Musikhochschule und zahlreichen Aktivitäten unter dem Dach der Kirche zu einem Zentrum unangepasster Kunstbestrebungen im Südwesten der DDR entwickelt.

Symbolträchtig am Nationalfeiertag der DDR am 7. Oktober 1988 eröffnet, wandten sich die Galeristen an Künstler, die aus kulturpolitischen oder ästhetischen Gründen nicht ausstellen durften und aus dem Kulturbetrieb ausgeschlossen waren. Auf die Schwierigkeiten und Konflikte dieser Künstlergruppe anspielend heißt es im Gründungsmanifest der Galeristen: "Alle leben mit ihrer Innen- und Außenwelt in einem Zustand der ständigen friedlichen oder nicht friedlichen Koexistenz. Viele verschließen sich davor nicht, einige treibt dieser Konflikt zu künstlerischer Tätigkeit. Das sind die potentiellen Aussteller der Galerie Schwamm.“

Inspiriert von Galerien wie der Leipziger Eigen+Art, der Berliner „Wohnmaschine“ oder der Galerie Oben in Karl-Marx Stadt, bauten Conny und Udo Dietrich die ihnen in der ersten Etage eines von Schwamm befallenen Wohnhauses im Weimarer Stadtzentrum als Atelier zugewiesene Wohnung zur Galerie aus. Bis zu ihrer Übersiedlung Anfang September 1989 fanden sieben Ausstellungen statt. Künstlerisch sahen sich die Galeristen vor allem dem figurativen Expressionismus verpflichtet. Neben den Initiatoren waren die Fotografen Claus Bach und Wolfram Ehrhard und die Maler und Objektkünstler Holger Schaller, Torsten Schlüter und Dieter Weise vertreten. Zum engeren Künstler- und Unterstützerkreis gehörten Claus Bach, Frank Zindner und Konrad Senf, die die Galerie nach der Ausreise des Ehepaars bis Anfang der 1990er Jahre fortführten.

In der Regel wurden die Ausstellungseröffnungen von Lesungen und Konzerten begleitet. Neben klassischer Musik traten Punk- und Punkrockbands wie die "Madmans“, der "Demokratische Konsum“ oder der "Rest“ auf. Eröffnungseinladungen wurden von den ausstellenden Künstlern selbst hergestellt und im Freundes- und Bekanntenkreise vertrieben.

Mit der Galerie eng verbunden war die nichtoffizielle Weimarer Künstlerzeitschrift "Reizwolf“, die – von 1988 bis 1990 von Claus Bach und John-Albrecht Keiler herausgegeben – in 13 Nummern erschien und die ebenso wie die Galerie eine wichtige Vernetzungsfunktion für Thüringer Künstler hatte.


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