Proklamation Kaiser Wilhelms I. im Spiegelsaal von Versailles. Gemälde von Anton von Werner.

Das Deutsche Kaiserreich

Das Deutsche Kaiserreich war ein Bündnis der deutschen Fürsten und freien Reichsstädte. Es war ein Obrigkeitsstaat, in dem der deutsche Kaiser gemeinsam mit seinem Reichskanzler die Zügel fest in der Hand hielt. Die Fürsten- und Adelsherrschaft stand dabei in krassem Widerspruch zu einer Gesellschaft, die sich rapide industrialisierte und modernisierte. Mit Sozialdemokratie und Katholizismus standen dem neuen Staat im Innern starke Kräfte gegenüber.

Am 18. Oktober 1861 krönt sich Wilhelm I. zum König von Preußen in der Schlosskirche in Königsberg. Gemälde von Adolph vonMenzel.

Das Deutsche Kaiserreich und der Erste Weltkrieg

In der Geschichtswissenschaft spielt das Deutsche Kaiserreich eine besondere Rolle. Es wurde lange als Höhepunkt deutscher Nationalgeschichte betrachtet, doch in den 1970er Jahren änderte sich das. War das Kaiserreich ein normaler europäischer Nationalstaat mit offener Zukunft? Oder führten die Radikalisierung und der Niedergang der demokratischen Kultur fast zwangsläufig in den Ersten Weltkrieg? Weiter...

18. Januar 1871: Proklamation von Wilhelm I. zum Deutschen Kaiser im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles. Gemälde von Anton von Werner.

Äußere und innere Reichsgründung

Am 18. Januar 1871 wurde das Deutsche Reich gegründet. Der äußeren musste nun die innere Reichsgründung folgen. Ein schwieriger Prozess, denn das Reich war ein Bund der deutschen Fürsten und stützte sich auf deren Macht. Mit katholischem Zentrum und junger Sozialdemokratie standen dem neuen Staat zudem wichtige politisch-soziale Kräfte gegenüber. Weiter...

Wohn- und Schlafraum in der Manteuffelstraße 64 in Berlin, aufgenommen am 27.6.1910: Während die Mutter Knallbonbons fertigt, müssen die beiden Kinder helfen. Raummaße: 4,00m lang, 2,75m breit, 2,60m hoch.

Industrialisierung und moderne Gesellschaft

Im Kaiserreich erlebte Deutschland den Durchbruch zur modernen Industriegesellschaft. Er ging einher mit massiven gesellschaftlichen Veränderungen. Wohnen, Bildung, Arbeit, Kultur: Vor allem Bürgertum und Arbeiterschaft lebten in sozial scharf voneinander getrennten Lebenssphären, es gab kaum Kontakt und Mobilität zwischen diesen Gruppen. Weiter...

Die 10,5 Meter hohe und 32 Tonnen schwere Figur der Germania thront am 27.03.2013 auf dem Sockel des Niederwalddenkmals bei Rüdesheim am Rhein (Hessen). Das Niederwalddenkmal erinnert an den Sieg über Frankreich im Jahr 1870/1871 und die daraus resultierende Neugründung des Deutschen Kaiserreichs. Das am 16. September 1877 eingeweihte Denkmal wurde nach den Entwürfen des Bildhauers Johannes Schilling und des Architekten Karl Weißbach erbaut.

Nation und Nationalismus

Ursprünglich eine emanzipative Idee, entwickelte sich der Nationalismus im Laufe des 19. Jahrhunderts zu einer rechtsorientierten Ideologie. Ein Reichsnationalismus entstand, der Feindbilder beschwor – außen wie innen. Mit dem Alldeutschen Verband schließlich trat der pangermanisch-völkische Nationalismus auf die Bühne, der eindeutig präfaschistische Züge aufwies: Er forderte die Schaffung einer homogenen, national, politisch und rassisch einheitlichen Volksgemeinschaft. Weiter...

Der Streik. Gemälde von Robert Koehler, 1886.

Sozialdemokratie zwischen Ausnahmegesetzen und Sozialreformen

Mit dem Sozialistengesetz von 1878 wurden alle sozialdemokratischen Organisationen verboten. Die Arbeiterbewegung konnte dadurch aber nicht zerschlagen werden. Im Gegenteil: In der Illegalität setzte sie ihren Kampf fort und gewann an Kraft und Ausstrahlung. Weiter...

Max Koner (1854–1900): Kaiser Wilhelm II., Öl auf Leinwand, 1890.

Obrigkeitsstaat und Basisdemokratisierung

Das Kaiserreich war ein preußisch dominierte Obrigkeitsstaat. Formell ein Fürstenbund, lagen die drei Säulen des absolutistischen Staats in der Hand von Kaiser und Reichskanzler: Heer, Bürokratie und Diplomatie. Und es war ein Militärstaat, in dem der Kaiser als oberster Kriegsherr der politischen Kultur und dem zivilen Leben seinen militaristischen Stempel aufdrückte. Daneben gab es aber auch einen tiefgehenden Politisierungsprozess durch die Entstehung eines breiten Parteienspektrums. Weiter...

Postkarte um 1900: "Deutschland zur See."

Außenpolitik und Imperialismus

Bismarcks Außenpolitik konzentrierte sich auf die Erhaltung des europäischen Friedens. Ein massiver Kurswechsel erfolgte erst nach seiner erzwungenen Abdankung am 18.3.1890: Bündnisse wurden auf ihre Kriegstauglichkeit hin geprüft. Und Deutschland forderte einen "Platz an der Sonne". Weiter...

Werner Peters als Diederich Heßling in der Verfilmung von Heinrich Manns "Der Untertan" von 1951. Heßling ist die Inkarnation des obrigkeitsergebenen Spießbürgers schlechthin: nach oben wird gebuckelt, nach unten getreten.

Bürgerliche Kultur und ihre Reformbewegungen

Mit Diederich Heßling karikierte Heinrich Mann den deutschen Untertan zwar, aber treffend. Denn große Teile des Bürgertums arrangierten sich mit dem monarchischen Obrigkeitsstaat und der Dominanz seiner weiterhin aristokratischen Herrenschichten. Weiter...

Kaiser Wilhelm II.

Quiz Teil I

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Otto von Bismarck ADN-ZB/Archiv Fürst Otto von Bismarck-Schönhausen preußisch-deutscher Staatsmann, geb. 1.4.1815 Schönhausen, gest. 30.7.1898 Friedrichsruh. 1862 wurde er zum preußischen Ministerpräsidenten berufen, ab 1867 zu Kanzler des Nordeutschen Bundes. Von 1871 bis 1890 war er Reichskanzler des am 18.1.1871 von ihm gegründeten Deutschen Kaiserreichs. Bismarck im Foyer des Reichstages. Aufnahme 18.5.1889

Quiz Teil II

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Kaiser Wilhelm I., hier im Jahr 1884.

Experten-Quiz

Quiz Teil III

Was war die Emser Depesche? Warum wurde Österreich nicht Teil des Deutschen Kaiserreiches? Hätten Sie es gewusst? Testen Sie Ihr Wissen in unserem Quiz zum Deutschen Kaiserreich. Weiter...

 

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Schnelltriebwagen auf einer Versuchsstrecke im 19. JahrhundertInformationen zur politischen Bildung (Heft 315)

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