Proklamation Kaiser Wilhelms I. im Spiegelsaal von Versailles. Gemälde von Anton von Werner.

Bürgerliche Kultur und ihre Reformbewegungen


27.9.2012
Mit Diederich Heßling karikierte Heinrich Mann den deutschen Untertan zwar, aber treffend. Denn große Teile des Bürgertums arrangierten sich mit dem monarchischen Obrigkeitsstaat und der Dominanz seiner weiterhin aristokratischen Herrenschichten.

Werner Peters als Diederich Heßling in der Verfilmung von Heinrich Manns "Der Untertan" von 1951. Heßling ist die Inkarnation des obrigkeitsergebenen Spießbürgers schlechthin: nach oben wird gebuckelt, nach unten getreten.Werner Peters als Diederich Heßling in der Verfilmung von Heinrich Manns "Der Untertan" von 1951. Heßling ist die Inkarnation des obrigkeitsergebenen Spießbürgers schlechthin: nach oben wird gebuckelt, nach unten getreten. (© picture-alliance, KPA)
Die Frage nach der Rolle des Bürgertums im Deutschen Kaiserreich hat die Geschichtswissenschaft immer wieder beschäftigt. Im Zeichen des Sonderweg-Paradigmas wurde vor allem die politische Schwäche des deutschen Bürgertums betont. Es sei ihm nicht gelungen, so lautete die Kritik, auf revolutionärem Wege eine den westlichen Maßstäben entsprechende Liberalisierung der politischen Verfassung und Kultur in Gang zu bringen. Stattdessen habe es sich nach der gescheiterten Revolution von 1848, spätestens aber seit der Reichsgründung den alten Gewalten der Monarchie und Aristokratie unterworfen, sich auf seine wirtschaftlichen Interessen beschränkt und kulturell eine unpolitische Innerlichkeit gepflegt. Dieses sehr kritische Bild des deutschen Bürgertums ist von der neueren Forschung allerdings in vieler Hinsicht revidiert, modifiziert und ergänzt worden. Das gilt sowohl für das traditionelle bürgerliche Selbstverständnis und seine Gestaltungskraft als auch für vielfältige vom Bürgertum ausgehende Reformbestrebungen.

Die Untertanenmentalität



Bestand hat das Bild von einem schwachen Bürgertum vor allem für die Kernbereiche der politischen Herrschaft und Kultur behalten. Große Teile des Bürgertums haben sich tatsächlich mit dem monarchischen Obrigkeitsstaat und der Dominanz seiner weiterhin aristokratischen Herrenschichten arrangiert. Der von Heinrich Mann in der Figur des Diederich Heßling so anschaulich dargestellte bürgerliche "Untertan" war zwar eine Karikatur. Doch traf sie zweifellos reale Orientierungen und Verhaltensweisen. Auch ein liberaler Bürger wie der Großindustrielle und spätere Reichsaußenminister Walter Rathenau etwa warf dem wilhelminischen Großbürgertum rückblickend eine "schmachvolle Haltung" und "geistige Verräterei" vor, weil es "durch Beziehungen und Vergünstigungen preiswert bestochen, seinen Vorteil im Ankriechen an die herrschende Schicht und in der Lobpreisung des Bestehenden suchte."

Bürgerliche Arbeit, Geselligkeit und Werteordnung



Diese Kritik bezog sich vor allem auf das Verhalten in der 'großen' Politik. Zieht man weitere gesellschaftliche und politische Felder in die Betrachtung ein, dann verschiebt sich das Urteil. Nicht nur im Wirtschaftsleben traten die Bürger mit wachsendem Selbstbewusstsein hervor, sondern auch in vielen anderen Bereichen des öffentlichen Lebens. In den Kommunen etwa wurden sie zu "Herren der Stadt" (Hans-Walter Schmuhl) und nahmen die Gestaltung ihrer Umwelt aktiv in die Hand. Spezifisch bürgerliche Formen der Geselligkeit in einer Vielzahl von Vereinen, von Schützen-, Turn- und Gesangsvereinen über Geschichtsvereine, Kulturstiftungen und Denkmalkomitees bis hin zu Logen und politischen Agitationsverbänden, prägten das öffentliche Leben ebenso wie bürgerliche Tugenden und Wertvorstellungen. Arbeit, Fleiß und Bildung standen nicht nur im "bürgerlichen Wertehimmel" (Manfred Hettling) an oberster Stelle, sondern sie prägten zunehmend auch die Mentalität der bürgerlichen Gesellschaft des Kaiserreiches insgesamt. Hinzu kamen die Orientierung an einer rationalen Lebensführung, der Ausbau von Wissenschaft und Forschung sowie die typisch bürgerliche Verbindung von Nationalismus und weltbezogener Religiosität, wie sie vor allem im Protestantismus ihre deutlichste Ausprägung fand.

Quellentext

Werner von Siemens 1886 über das naturwissenschaftliche Zeitalter

Vortrag vor der Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte

Die Gesellschaft der Naturforscher und Ärzte erhob vor bald sechzig Jahren zuerst in unserem Vaterlande das Banner der freien Forschung, indem sie durch ihre Wanderversammlungen die bis dahin nur im abgeschlossenen Kreise der Fachgelehrten betriebenen Naturwissenschaften dem öffentlichen Leben zugänglich und dadurch dienstbar machte. Es war dies ein folgenschwerer Schritt. Mit ihm begann ein neues Zeitalter der Menschheit, welche wir berechtigt sind, das naturwissenschaftliche Zeitalter zu nennen. (…)

Für den Naturforscher, der mehr als andere Menschenklassen daran gewöhnt ist, aus dem Verlaufe beobachteter Erscheinungen Schlüsse auf das sie beherrschende Gesetz zu ziehen, ist aber nicht der letztgebend Zustand der Entwicklung, für ihn sind die Ursachen und das dieselben bedingende Gesetz von überwiegender Bedeutung. Dies klar erkennbare Gesetz ist das der stetigen Beschleunigung unserer jetzigen Kulturentwicklung. (…)

Die hierdurch bedingte beschleunigt fortschreitende Entwicklung wird daher, falls nicht der Mensch in seinem Wahn sie selbst zerstört, so lange fortdauern, als die Naturwissenschaft selbst zu höheren Erkenntnisstufen fortschreitet. Je tieferen Einblick wir aber in das geheimnisvolle Walten der Naturkräfte gewinnen, desto mehr überzeugen wir uns, daß wir erst im ersten Vorhof der Wissenschaft stehen, daß noch ein ganz unermeßliches Arbeitsfeld vor uns liegt, und daß es wenigstens sehr fraglich erscheint, ob die Menschheit jemals zur vollen Erkenntnis der Natur gelangen wird. (…)

Es ist zwar ein hartes, aber leider auch unabänderliches soziales Gesetz, daß alle Übergänge zu anderen, wenn auch besseren Zuständen mit Leiden verknüpft sind. Es ist daher auch gewiß ein humanes Beginnen, diese Leiden der gegenwärtigen Generation zu mildern durch eine zweckmäßige Leitung und teilweise Beschränkung der neuen, unaufhaltsam hereinbrechenden Umwälzung in den sozialen Grundlagen des Völkerlebens; es wäre aber ein aussichtsloses Unternehmen, den Strom dieser Entwicklung unterbrechen oder gar zur Umkehr zwingen zu wollen. (…)

Und so, meine Herren, wollen wir uns nicht irre machen lassen in unserem Glauben, daß unsere Forschungs- und Erfindungstätigkeit die Menschheit höheren Kulturstufen zuführt, sie veredelt und idealen Bestrebungen zugänglicher macht, daß das hereinbrechende naturwissenschaftliche Zeitalter ihre Lebensnot, ihr Siechtum mindern, ihren Lebensgenuß erhöhen, sie besser, glücklicher und mit ihrem Geschick zufriedener machen wird. Und wenn wir auch nicht immer den Weg klar erkennen können, der zu diesen besseren Zuständen führt, so wollen wir doch an unserer Überzeugung festhalten, daß das Licht der Wahrheit, die wir erforschen, nicht auf Irrwege führen, und daß die Machtfülle, die es der Menschheit zuführt, sie nicht erniedrigen kann, sondern sie auf eine höhere Stufe des Daseins erheben muß!

Aus: Deutsche Geschichte in Quellen und Darstellungen, Bd. 8. S. 175-77.


Bürgerliches Familienideal

Deutsche Familie im 19. Jahrhundert.Deutsche Familie im 19. Jahrhundert.


Die hegemoniale Kraft bürgerlicher Lebensformen und Werthaltungen trat nicht zuletzt in der Verbreitung des bürgerlichen Ehe- und Familienideals hervor. Ihm lag die Vorstellung naturhaft unterschiedlicher Geschlechtscharaktere zugrunde, die zu einer geschlechtsspezifischen Aufteilung nicht nur der Arbeit, sondern auch der Lebenssphären von Frauen und Männern führen müsse. Verbunden wurden diese als komplementär begriffenen Eigenschaften in der Ehe, die auf freiwilliger Basis durch Liebe gestiftet und zusammengehalten werden sollte. Der als rational, zielstrebig und durchsetzungsfähig geltende Mann war demnach für das außerhäusliche Leben in Wirtschaft, Gesellschaft und Staat zuständig. Er hatte den "Lebenskampf" zu bestehen und sich im Beruf verwirklichen, ihm oblag es, den Lebensunterhalt zu verdienen und seine Familie sozial wie politisch zu repräsentieren. Die Frau dagegen wurde als gefühlsbetont und fürsorglich betrachtet. Sie sollte dementsprechend ihre Erfüllung als treu sorgende Gattin und Mutter finden, deren ureigene Lebenssphäre im bürgerlichen Haushalt zu finden sei. Hier sollte sie die gemeinsamen Kinder aufziehen und ihrem Ehemann ein Refugium vor den Härten des gesellschaftlichen Lebens bieten. Auch wenn dieses Ideal für weite Bevölkerungsschichten vor allem im bäuerlichen und im proletarischen Kontext nicht realisierbar war, entwickelte es sich doch zu einem Ziel, das weit über das Bürgertum hinaus wirksam war und etwa auch in Facharbeiterkreisen angestrebt wurde.

Die Frauenbewegung



Im Bürgertum selbst allerdings war eine wachsende Zahl von Frauen nicht damit zufrieden, allein auf den häuslichen Lebensbereich beschränkt zu werden. Vor allem die Töchter des Bürgertums, die nach dem Ende der Schulzeit nur noch, und oft lange Zeit, auf die Ehe warten sollten, forderten eigene Bildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten. Zu Beginn des Kaiserreiches wurden diese Forderungen von zwei bereits 1865 entstandenen Vereinen vertreten: dem von Louise Otto-Peters in Leipzig gegründeten "Allgemeinen Deutschen Frauenverein" und dem sog. Lette-Verein in Berlin, der unter der Führung von Wilhelm Adolf Lette verschiedene Schulen und eine Arbeitsvermittlung für Frauen betrieb. Das Hauptbeschäftigungsfeld für bürgerliche Frauen war der Beruf der Lehrerin, den sie überwiegend in Volksschulen, bald auch, ausgebildet auf eigenen Lehrerinnenseminaren, an höheren Töchterschulen bis zur 10. Klasse ausüben konnten. In den Mittelpunkt der bildungs- und beschäftigungspolitischen Bestrebungen der Frauenbewegung rückte so zunehmend die Forderung nach einer Ausweitung des höheren Mädchenschulwesens bis zum Abitur und bald auch nach dem Frauenstudium. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts schließlich wurde trotz vieler männlicher Widerstände in allen deutschen Bundesstaaten die Zulassung von Frauen zum Hochschulstudium eingeführt.

Quellentext

Die österreichische Frauenrechtlerin Henriette Herzfelder über die Mütterlichkeit der Frau (1914)

Kein Vorwurf ist der auf allen Linien unaufhaltsam vordringenden Frauenbewegung in den letztverflossenen Jahren häufiger gemacht worden als der, daß sie das Beste und Eigentümlichste des Weibes, seine Mütterlichkeit, gewaltsam unterdrücke, planmäßig ersticke.

Es ist selbst selbstverständlich, daß so tiefgehende Umwälzungen, wie die Frauenbewegung sie anstrebt und zum Teil erreicht hat, sich nicht vollziehen können, ohne Preisgabe so mancher Gefühlswerte und sicherlich hat die Frau von heute vieles abgestreift, was noch vor einem Menschenalter den Reiz der Weiblichkeit nach allgemeiner Schätzung erhöhte, ja geradezu als ihrer Wesensart unbedingt zugehörig betrachtet wurde. (…)

Bei alledem handelt es sich aber fast ausschließlich um willkürlich angezüchtete Tugenden, die das Mädchen, teils unbewußt, teils unter starkem äußern Drucke sich aneignete (oder deren Besitz es zum mindesten vortäuschte), um dem Weibideal des Mannes, der ihr Lebensschicksal darstellte, möglichst nahezukommen. Nicht das gleiche gilt für die Mütterlichkeit der Frau. Sie ist nicht angefirnist und anerzogen, nicht durch Anpassung erworben, sie ruht, eine Mitgift der Natur, von Anbeginn zutiefst im Wesen des Weibes. Kultur und Bildung haben sie verfeinert und vergeistigt, ihre Flügelspannung geweitet, so daß sie, die ursprünglich nur auf Erhaltung der eigenen Brut gerichtet war, heute Fremdeste und Fernste liebend mitumfaßt. (…)

Wie reich der Segen, den die Mütterlichkeit der Frau über die Menschheit ergossen hat und, aus unversiegbaren Quellen schöpfend, ihr täglich von neuem spendet, das entzieht sich jeder Schätzung; eines aber empfinden wir alle, daß, gelänge es wirklich, das Weibgeschlecht der Mütterlichkeit zu entfremden, etwas Unentbehrliches und Unersetzliches der Welt entschwände. (…)

Die größere oder geringere Kinderzahl kann keinesfalls als Maßstab für die Mütterlichkeit der Frau gelten, ist diese doch nicht einmal an die physische Mutterschaft als notwendige Voraussetzung gebunden. Wohl sind beide in ihrem Urgrunde auf das engste miteinander verwurzelt, das Weib, das zur Trägerin und Pflegerin der jungen Generation bestimmt ist, wurde von der Natur mit allen jenen Eigenschaften begabt, die es zur Erfüllung seiner menschheiterhaltenden Mission tauglich machten. Sie pflanzte in seiner Brust die unerschöpfliche Geduld, die Fähigkeit des Selbstvergessens, der restlosen Hingabe an andere, das zärtliche Mitempfinden für alles Schwache und Hilfsbedürftige; aber auch die Umsicht und Ueberlegung, die Entschlossenheit, den Mut, der im Augenblicke der Gefahr das Äußerste wagt: kurz all dasjenige, was sich für uns in dem Begriffe der Mütterlichkeit vereinigt. Allein die der physischen Mutterschaft entstammte Mütterlichkeit hat sich im Laufe der Entwicklung immer mehr verselbständigt, so daß sie heute auch von jener gänzlich losgelöst in Wirksamkeit tritt, ja fast scheint es, daß sie, befreit von jeder egoistischen Beimengung der physischen Mutterliebe, erst zur höchsten Vollkommenheit sich emporschwingt. (…) Wer von ungefähr in eine unserer Frauenversammlungen gerät oder eine der feministischen Kampfschriften aufblättert und da und dort immer wieder dem Kehrreim: wir fordern! Wir verlangen! – begegnet, dem mag es wohl scheinen, daß die moderne Frauenwelt ganz der engherzigsten und beschränktesten Selbstsucht verfallen sei. Aber der Schein trügt. (…)

Erst die Frauenbewegung hat das Weib gelehrt, über die Grenzen der Häuslichkeit hinauszudenken. Die Frauenbewegung hat ihm die Erkenntnis der Zusammenhänge erschlossen, die alles Leben und alles Geschehen unlöslich verketteten, ihm zum Bewußtsein gebracht, daß das eigene Haus sauber und gesund erhalten, die eigenen Kinder gut erziehen, nur halbe Arbeit tun heißt, wenn im Hause des Nachbars Schmutz und Elend die Keime verheerender Krankheit ausbrüten, in seiner verwahrlosten Kinderstube die Verführer und Verderber der besser betreuten Jugend heranwachsen. (…)

Auch die Höherentwicklung des Weibes wird dem Aufstieg der Menschheit dienen, an ihrer sublimierten, allumfassenden Mütterlichkeit wird die Welt von manch schwerem Uebel genesen.

Aus: Herzfelder, Die organisierte Mütterlichkeit, Gautzsch b. Leipzig 1914, S. 2-11.


Inzwischen war die bürgerliche Frauenbewegung zu einer Massenbewegung herangewachsen. Der 1894 gegründete, von Helene Lange und Gertrud Bäumer geführte Dachverband "Bund deutscher Frauenvereine" organisierte am Vorabend des Ersten Weltkrieges 46 Mitgliedsverbände mit über 500.000 Frauen. Auch das Spektrum der Themen erweiterte sich. Politische Rechte, vor allem das Frauenwahlrecht, aber auch Fragen der Sexualreform wie Empfängnisverhütung oder Abtreibung wurden nun höchst kontrovers diskutiert. Die Mehrheitsrichtung im BDF vertrat allerdings eher gemäßigte Positionen, die nicht von einem formalen Gleichheitsanspruch der Geschlechter geprägt waren. Angestrebt wurde stattdessen eine langsame, immer noch vom Konzept der unterschiedlichen Geschlechtscharaktere angeleitete, politisch erst einmal auf kommunaler Ebene beginnende Erweiterung der weiblichen Rollen und Rechte. In den Mittelpunkt rückte das Konzept der "Organisierten Mütterlichkeit", nach dem die Frauen ihre vermeintlich spezifisch weiblichen, von mütterlicher Fürsorge geprägten Fähigkeiten auch in das öffentliche Leben einbringen sollten. Übereinstimmungen mit der proletarischen Frauenbewegung, die ihre radikaleren politischen und gesellschaftlichen Ziele in und mit der Sozialdemokratie zu vertreten suchte, entstanden so kaum.

Quellentext

Aus dem Programm des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins von 1905

Die Frauenbewegung setzt sich somit das Ziel: den Kultureinfluß der Frau zu voller innerer Entfaltung und freier sozialer Wirksamkeit zu bringen. (…)

I. Bildung. (…) Im einzelnen stellt sie folgende Forderungen:

a) obligatorische Fortbildungsschulen für alle aus der Volksschule entlassenen Mädchen;
b) eine Reorganisation der höheren Mädchenschulen, durch welche diese, unbeschadet ihrer dem Wirkungskreise der Frau entsprechenden Besonderheit, den höheren Knabenschulen gleichwertig wird. Den Mädchen muß sowohl innerhalb des Rahmens der höheren Mädchenschule als auch durch Zulassung zu den höheren Knabenschulen die Möglichkeit gegeben werden, an den Berechtigungen der höheren Lehranstalten teilzunehmen.
c) unbeschränkte Zulassung ordnungsmäßig vorgebildeter Frauen zu allen wissenschaftlichen, technischen und künstlerischen Hochschulen.

II. Berufstätigkeit. Die Frauenbewegung betrachtet für die verheiratete Frau den in der Ehe und Mutterschaft beschlossenen Pflichtenkreis als ersten und nächstliegenden Beruf. Die befriedigende Erfüllung dieses Berufs muß im Interesse der Gesamtheit mit allen Mitteln der Bildung, der wirtschaftlichen Reform, des staatlichen Schutzes gesichert werden. Die Arbeit der Frau in der Erfüllung dieses Berufs ist wirtschaftlich und rechtlich als vollgültige Kulturleistung zu bewerten.

In Anbetracht der großen Zahl von Frauen, die unverheiratet bleiben, und der weiteren Zahl derer, die in der Ehe keine ausreichende wirtschaftliche Versorgung finden können, ist die Berufsarbeit der Frau eine wirtschaftliche und sittliche Notwendigkeit. Die Frauenbewegung betrachtet die berufliche Frauenarbeit aber auch in weiterem Sinn und unabhängig von jeder äußeren Notwendigkeit als Kulturwert, da auch die Frau Träger hervorragender spezifischer Begabung sein kann und bei vollkommen freier Entfaltung ihrer Fähigkeiten auf vielen Gebieten geistiger und materieller Tätigkeit Aufgaben finden wird, die sie ihrer Natur nach besser lösen kann als ein Mann. – In bezug auf die wirtschaftliche Bewertung der beruflichen Frauenarbeit vertritt die Frauenbewegung den Grundsatz: Gleicher Lohn für gleiche Leistung. (…)

III. Ehe und Familie. Die Frauenbewegung sieht in der Heilighaltung der Ehe die wesentlichste Bürgschaft für das körperliche und geistige Wohl der Nachkommenschaft und die Grundbedingung sozialer Gesundheit. Sie legt in bezug auf die sexuelle Sittlichkeit Männer und Frauen die gleichen Pflichten auf und bekämpft die doppelte Moral, die einerseits dem Manne eine in jeder Hinsicht verhängnisvolle sexuelle Freiheit gewährt, andererseits die Frau mit ungerechter Härte trifft. Sie fordert für die Frau als Lenkerin des Hauses und Erzieherin der Kinder, daß sie im Einklang mit der Höhe ihrer Verpflichtung und dem Wert ihrer Leistungen auch rechtlich die gleiche Verantwortung in allen Angelegenheiten der Ehe und der Familie trage wie der Mann. Daraus ergeben sich im einzelnen folgende Ziele:

a) Die Frauenbewegung bekämpft mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln die Prostitution und sieht in der mit der bestehenden Reglementierung ausgesprochenen staatlichen Sanktion des Lasters eine schwere gesundheitliche, soziale und sittliche Gefahr.
b) Sie verlangt eine Reform der Ehegesetze, durch welche beiden Ehegatten das gleiche Verfügungsrecht in allen gemeinsamen Angelegenheiten, insbesondere der gleiche Anteil an der elterlichen Gewalt gesichert wird.
c) Sie verlangt gesetzliche Reformen betreffend die Rechte der unehelichen Kinder, Reformen, durch welche dem unehelichen Vater größere Verpflichtungen gegen Mutter und Kind auferlegt werden.

IV. Öffentliches Leben, Gemeinde und Staat. (…) Im einzelnen erstrebt die Frauenbewegung nach Maßgabe der durch den Stand der sozialen Entwicklung gegebenen Möglichkeiten folgende Ziele:

a) Zulassung der Frauen zu verantwortlichen Ämtern in Gemeinde und Staat, vor allem solchen, die zu den Interessen der Frauen in besonders naher Beziehung stehen (Mädchenschulwesen, staatliche und kommunale Sozialpolitik, Arbeiterinnenfrage, Rechtspflege usw.).
b) Zuziehung der Frauen zur Vertretung der Laien bei der Rechtspflege (weibliche Schöffen und Geschworene).
c) Beseitigung der vereinsrechtlichen Beschränkungen der Frau.
d) Teilnahme der Frauen am kirchlichen Wahlrecht.
e) Teilnahme der Frauen am kommunalen Wahlrecht.
f) Teilnahme der Frauen am politischen Wahlrecht.

Aus: Ritter u. Kocka, Deutsche Sozialgeschichte, S. 422-24.


Die Jugendbewegung



Eine weitere soziale Reformbewegung mit bürgerlicher Schwerpunktsetzung wurde von der Jugend getragen. An ihrem Anfang stand die Wandervogelbewegung, die 1896 in Berlin-Steglitz ihren Ausgang nahm, als eine Gruppe von Gymnasiasten begann, Wanderungen ohne Beteiligung Erwachsener zu unternehmen. Dieses Vorbild fand schnell eine große Zahl von Nachahmern, überall in Deutschland und bald auch darüber hinaus bildeten sich Gruppen von Wandervögeln überwiegend männlichen Geschlechts. Da Mädchen in den männerbündisch geprägten Gruppen oft nicht zuglassen wurden, gründeten sie 1905 einen "Bund der Wanderschwestern". Vielfältige Konflikte über die Beteiligung jüdischer Jugendlicher führten schließlich 1912 auch zur Gründung eines zionistischen "Wanderbundes Blau-Weiß". Im proletarischen Umfeld bildeten sich ebenfalls unabhängige wandernde Jugendgruppen, die allerdings seltener einen männerbündischen Charakter pflegten und Mädchen integrierten. Alle diese Jugendlichen wollten in ihrer Freizeitgestaltung unabhängig sein und den einschränkenden Bedingungen von Schule und Elternhaus entgehen, zugleich eine naturverbundene, von romantischen Idealen und dem Wunsch nach Gemeinschaftserlebnissen geprägte Lebensweise pflegen.

Quellentext

Das Lied der Wandervögel (1911)

Wir wollen zu Land ausfahren
Über die Berge weit,
Aufwärts zu den klaren
Gipfeln der Einsamkeit.
Lauschen, woher der Bergwind braust,
Schauen, was in den Wäldern wohl haust
|: Und wie die Welt so weit. :|

Fremde Wasser dort springen,
Sie sollen uns Weiser sein,
Wo wir wandern und singen
Lieder ins Land hinein.
Und brennt unser Feuer an gastlicher Statt,
So sind wir geborgen und schmausen uns satt,
|: Und die Flammen leuchten darein. :|

Und wandelt aus tiefem Tale
Heimlich und still die Nacht
Und sind im Mondenstrahle
Gnomen und Elfen erwacht,
Dämpfet die Stimmen, die Schritte im Wald,
So hört ihr und seht ihr manch' Zaubergestalt,
|: Die wallt mit uns durch die Nacht. :|

Es blühet im Walde tief drinnen
Die blaue Blume fein.
Die Blume zu gewinnen,
Ziehn wir ins Land hinein.
Es rauschen die Bäume, es murmelt der Fluß,
Und wer die blaue Blume finden will,der muß
|: Ein Wandervogel sein. :|

Hjalmar Kuzleb, Wir wollen zu Land ausfahren, 1911 (Lied der Wandervögel), vertont durch Kurt von Burkersroda


Das Lied der Wandervögel. Mit freundlicher Genehmigung von www.kinderlieder.comDas Lied der Wandervögel. Mit freundlicher Genehmigung von www.kinderlieder.com
Der Wandervogel war ein Ausdruck davon, dass die Jugend sich generell immer stärker zu einer eigenen, von der abhängigen Kindheit ebenso wie von den Verantwortungen und Zwängen der Erwachsenenwelt separierten Lebensphase mit einer besonderen Anziehungskraft entwickelte. So entstand geradezu ein Jugendkult, der im Jugendstil seinen künstlerischen Ausdruck fand. Ein breites Spektrum spezifischer Jugendorganisationen wurde gegründet, von christlichen oder vaterländischen Jünglings- und Jungfrauen-, Lehrlings- und Gesellenvereinen über die um sich greifende Pfadfinderbewegung bis hin zu jüdischen und proletarisch-sozialistischen Jugendorganisationen, die sich besonders für Antimilitarismus und Kriegsgegnerschaft engagierten. Ihren Höhepunkt erlebte die unabhängige Jugendbewegung, als am 11./12. Oktober 1913 auf dem Hohen Meißner bei Kassel der Erste Freideutsche Jugendtag durchgeführt wurde. Ihr Selbstverständnis wurde in der sog. Meißnerformel auf den Punkt gebracht: "Die Freideutsche Jugend will nach eigener Bestimmung, vor eigener Verantwortung, in innerer Wahrhaftigkeit ihr Leben gestalten. Für diese innere Freiheit tritt sie unter allen Umständen geschlossen ein. Zur gegenseitigen Verständigung werden Freideutsche Jugendtage abgehalten. Alle gemeinsamen Veranstaltungen der Freideutschen Jugend sind alkohol- und nikotinfrei."

Quellentext

Aufruf verschiedener Jugendverbände zur Teilnahme am Ersten Freideutschen Jugendtag 1913

Die deutsche Jugend steht an einem entscheidenden Wendepunkt.

Die Jugend, bisher nur ein Anhängsel der älteren Generation, aus dem öffentlichen Leben ausgeschaltet und auf eine passive Rolle angewiesen, beginnt sich auf sich selbst zu besinnen. Sie versucht, unabhängig von den Geboten der Konvention sich selbst ihr Leben zu gestalten. Sie strebt nach einer Lebensführung, die jugendlichem Wesen entspricht, die es ihr aber zugleich auch ermöglicht, sich selbst und ihr Tun ernst zu nehmen, und sich als einen besonderen Faktor in die allgemeine Kulturarbeit einzugliedern. Sie möchte das, was in ihr an reiner Begeisterung für höchste Menschheitsaufgaben, an ungebrochenem Glauben und Mut zu einem adligen Dasein lebt, als einen erfrischenden, verjüngenden Strom dem Geistesleben des Volkes zuführen. Sie, die im Notfall jederzeit bereit ist, für die Rechte ihres Volkes mit dem Leben einzutreten, möchte auch in Kampf und Frieden des Werktags ihr frisches reines Blut dem Vaterlande weihen.

Sie wendet sich aber von jenem billigen Patriotismus ab, der sich die Heldentaten der Väter in großen Worten aneignet, ohne sich zu eigenen Taten verpflichtet zu fühlen, dem vaterländische Gesinnung sich erschöpft in der Zustimmung zu bestimmten politischen Formeln, in der Bekundung des Willens zu äußerer Machterweiterung und in der Zerreißung der Nation durch politische Streitigkeiten.

Die unterzeichneten Verbände haben, jeder von seiner Seite her, den Versuch gemacht, den neuen Ernst der Jugend in Arbeit und Tat umzusetzen; sei es, daß sie den Befreiungskampf gegen den Alkohol aufnahmen, sei es, daß sie eine Veredlung der Geselligkeit oder eine Neugestaltung der akademischen Lebensformen versuchten, sei es, daß sie der städtischen Jungend das freie Wandern und damit ein inniges Verhältnis zu Natur und Volkstum wiedergaben und ihr einen eigenen Lebensstil schufen, sei es, daß sie den Typus einer neuen Schule als des Heims und Ursprungs einer neugearteten Jugend ausgestalteten. Aber sie alle empfinden ihre Einzelarbeit als den besonderen Ausdruck eines ihnen allen gemeinsamen Gefühls vom Wesen, Wert und Willen der Jugend, das sich wohl leichter in Taten umsetzen als auf Formeln bringen läßt. Diesen neuen, hier und da aufflammenden Jugendgeist haben sie als den ihnen allen gemeinsamen erkannt und den Beschluß gefaßt, aus Gesinnungsgenossen nunmehr auch Bundesgenossen zu werden.

Uns allen schwebt als gemeinsame Ziel vor die Erarbeitung neuer Lebensformen, zunächst für die deutsche Jugend. Hieran wollen wir alle, jeder in seiner Eigenart mitwirken. Wir wollen auch weiter getrennt marschieren, aber in dem Bewußtsein, daß uns ein Grundgefühl zusammenschließt, so daß wir Schulter an Schulter kämpfen. Wir sprechen die Hoffnung und den Glauben aus, daß sich zu uns mehr und mehr die gesamte gleichgesinnte Jugend sammeln möge.

Im gegenwärtigen Augenblick erleben wir das hohe Glück, uns im gemeinsamen Willen gefunden zu haben. Diesen Zusammenschluß, diese brüderliche Anerkennung wollen wir durch ein großer Fest der Jugend feiern. Und fürwahr, kein Zeitpunkt kann dazu geeigneter sein als das Jahr und der Monat, in dem Deutschland die vor hundert Jahren errungene Freiheit feiert. Noch fehlt das Fest der Jugend in der Reihe dieser Feiern. Und wir wollen es begehen in deutlichem Gegensatz zu jenem von uns verworfenen Patriotismus als eine Gedenk- und Auferstehungsfeier jenes Geistes der Freiheitskämpfe, zu dem wir uns bekennen. So laden wir denn die Jugend ein, mit uns am 11. und 12. Oktober auf dem Hohen Meißner bei Cassel den Ersten Freideutschen Jugendtag zu feiern. Möge von ihm eine neue Zeit deutschen Jugendlebens anheben, mit neuem Glauben an die eigene Kraft, mit neuem Wille zu eigenen Tat.

Deutsche Akademische Freischar, Deutscher Bund abstinenter Studenten, Deutscher Vortruppbund, Bund Deutscher Wanderer, Jungwandervogel, Österreichischer Wandervogel, Germania, Bund abstinenter Schüler, Freie Schulgemeinde Wickerdorf, Bund für Freie Schulgemeinden, Landschulheim am Solling, Akademische Vereinigungen – Marburg und Jena, Serakreis-Jena, Burschenschaft Vandalia-Jena

Aus: Ritter, Das Deutsche Kaiserreich, S. 363f.


Die Lebensreformbewegung



Die umfassendste bürgerlich geprägte Reformbewegung des Kaiserreichs stellte schließlich die Lebensreform dar. Dieser Begriff tauchte Mitte der 1890er Jahre im politischen Diskurs auf, doch die Versuche, den als zerstörerisch begriffenen Bedingungen der Industrialisierung, Technisierung und Verstädterung der Lebenswelten eine naturgemäße Lebensweise entgegenzustellen, reichten teilweise weiter zurück. Dies gilt insbesondere für die Naturheilkunde, die über alte Traditionen verfügte, nun aber zum Bestandteil einer umfassenderen Auseinandersetzung mit den Bedingungen der modernen, industriellen Zivilisation wurde. Nicht nur die konkreten Inhalte, sondern auch die politischen Orientierungen waren dabei höchst vielfältig. Manche lebensreformerischen Bestrebungen gewannen einen rückwärtsgewandten Charakter, insbesondere wenn sie sich ideologisch auf Großstadtfeindschaft und Agrarromantik stützten, kulturpessimistische Orientierungen pflegten und in Verbindung mit der völkischen Bewegung traten. Andere verstanden sich als ausgeprägte fortschrittliche Projekte, die teilweise auch mit sozialistischen und anarchistischen Reformbestrebungen konform gehen konnten.

Die Lebensreformbewegung lässt sich in eine spezifische und eine eher periphere Lebensreform unterteilen. Erstere wurde von organisierten Vereinen mit entschiedenen Aktivisten getragen, die sich für den Vegetarismus, die Naturheilkunde und die Frei- oder Nacktkörperkultur engagierten. Die periphere Lebensreform erfasste demgegenüber weitere Lebensbereiche. Sie bezog sich, insbesondere für Frauen, auf natürliche Reformkleidung, auf den Antialkoholismus, eine natürliche Ernährung, das Wohnen in Gartenstädten, den biologischen Landbau und generell auf genossenschaftliche Arbeits- und Lebensformen. Hinzu kamen die sog. "barfüßigen Propheten" (Ulrich Linse), die radikal aus ihren bürgerlichen Existenzen ausbrachen und auf provozierende Weise alternative Lebensstile entwickelten: Sie ließen ihre Haare lang wachsen, trugen weite Gewänder und scherten sich weder in ihrer Kleidung noch in ihrem Sexualleben um bürgerliche Konventionen und Moralvorstellungen.

Durch die Vielfalt dieser Reformbestrebungen begann sich die bürgerliche Kultur insgesamt zu wandeln, ohne jedoch im Kaiserreich die gutbürgerliche Biedermeierlichkeit vollständig ablegen und einen ganz neuartigen Charakter gewinnen zu können.

Quellentext

Werbung von Siedlern für die Obstbaukolonie "Eden" (1893)

Unsere vegetarische Obstbau-Kolonie ist von weittragender Bedeutung; dies kann erst so recht klar werden, wenn man dem ganzen Plane seine volle Aufmerksamkeit schenkt. Was wollen wir? "Eden" ist der verheißungsvolle Name unseres Unternehmens; also ein Eden, ein Paradies wollen wir uns schaffen? Allerdings, nur nicht von heut auf morgen. Auch müssen alle, welche noch an die Möglichkeit eines Paradieses auf dieser Erde glauben, tatkräftig mithelfen. Entwickeln wir unser Programm, um Mitarbeiter zu werben.

Im Paradies herrscht Friede: Lassen wir zunächst den Tiermord. Das Paradies ist ein Garten: In einen Garten wollen wir unseren Acker verwandeln, in einen Garten, der alle Sinne entzückt. Wir werden zunächst zu unserer Nahrung Wurzeln und Kräuter (Gemüse) sowie Obst säen und pflanzen, später Ziersträucher und Bäume, sowie Blumen zu unserer Freude.

In Eden herrscht Geselligkeit: Geselligkeit wollen wir auch pflegen, Geselligkeit und geistiges Leben. Zu fruchtbarer Geistestätigkeit werden wir uns alle Grundbedingungen schaffen: Gesundheit, erworben und erhalten durch reine Nahrung, Betätigung im Freien, Pflege des Körpers mit Hilfe von Licht, Luft und Wasser, Sorgenlosigkeit als Folge unserer leicht befriedigten, geringen körperlichen Bedürfnisse.

Aus: Deutsche Geschichte in Quellen und Darstellungen, Bd. 8, S. 149f.


Ausgewählte Literatur:



Aufmuth, Ulrich: Die deutsche Wandervogelbewegung unter soziologischem Aspekt, Göttingen 1979

Barlösius, Eva: Naturgemäße Lebensweise. Zur Geschichte der Lebensreform um die Jahrhundertwende, Fankf./M. u. New York 1997

Bergmann, Klaus: Agrarromantik und Großstadtfeindschaft, Meisenheim a. Glan 1970

Blaschke, Olaf u. Frank Michael Kuhlemann (Hg.): Religion im Kaiserreich. Milieus – Mentalitäten – Krisen, Gütersloh 1996

Buchholz, Kai u. a. (Hg.): Die Lebensreform. Entwürfe zur Neugestaltung von Leben und Kunst um 1900, 2 Bde., Darmstadt 2001

Budde, Gunilla: Blütezeit des Bürgertums. Bürgertum im 19. Jahrhundert, Darmstadt 2009

Frevert, Ute (Hg.): Bürgerinnen und Bürger. Geschlechterverhältnisse im 19. Jahrhundert, Göttingen 1988

Gerhard, Ute: Unerhört. Die Geschichte der deutschen Frauenbewegung, Reinbek b. Hamburg 1990

Glaser, Hermann: Die Kultur der wilhelminischen Zeit, Frankf./M. 1884

Hepp, Corona: Avantgarde, Moderne Kunst, Kulturkritik und Reformbewegungen nach der Jahrhundertwende, München 1987

Hettling, Manfred u. Stefan Hoffmann (Hg.) Der bürgerliche Wertehimmel. Innenansichten des 19. Jahrhunderts, Göttingen 2000

Kocka, Jürgen (Hg.): Bürgertum im 19. Jahrhundert. Deutschland im europäischen Vergleich, 3 Bde., München 1988

Krabbe, Wolfgang R.: Gesellschaftsveränderung durch Lebensreform. Strukturmerkmale einer sozialreformerischen Bewegung im Deutschland der Industrialisierungsperiode, Göttingen 1974

Kerbs, Diethart u. Jürgen Reulecke (Hg.), Handbuch der deutschen Reformbewegungen 1880-1933, Wuppertal 1998

Mommsen, Wolfgang J.: Bürgerliche Kultur und künstlerische Avantgarde 1870-1918. Kultur und Politik im deutschen Kaiserreich, Berlin 1994

Laqueur, Walter Z.: Die deutsche Jugendbewegung, Köln 1962

Planert, Ute: Antifeminismus im Kaiserreich. Diskurs, soziale Formation und politische Mentalität, Göttingen 1998

Rohkrämer, Thomas: Eine andere Moderne? Zivilisationskritik und Technik in Deutschland 1880-1933, Paderborn 1999

Schmuhl, Hans-Walter: Die Herren der Stadt. Bürgerliche Eliten und städtische Selbstverwaltung in Nürnberg und Braunschweig vom 18. Jahrhundert bis 1918, Geißen 1998



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