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Alles unter Kontrolle? - Video-Überwachung der Staatsfeinde


30.9.2005
Die Überwachungskameras im Ost-Berliner Zentrum dienen offiziell nur der Verkehrsbeobachtung. Kontraste enthüllt, dass damit unliebsame Menschen observiert werden – vor und nach dem Mauerfall.

Immer dabei: über Videokameras erkennt das MfS schnell unerwünschte Personen - wie hier ein Kamerateam des ZDF, das eine Demonstration auf dem Berliner Alexanderplatz filmen willImmer dabei: über Videokameras erkennt das MfS schnell unerwünschte Personen - wie hier ein Kamerateam des ZDF, das eine Demonstration auf dem Berliner Alexanderplatz filmen will (© KONTRASTE, Rundfunk Berlin-Brandenburg)
Zum Alltag in der DDR gehörte die flächendeckende Überwachung von fast allem und fast jedem. Die Menschen hatten sich daran scheinbar gewöhnt. Erst im Herbst 1989 brach manifest heraus, wie sehr dieses Überwachungssystem abgelehnt, wie verhasst und gefürchtet es war. Viele Menschen trauten sich bis dahin nur, in ihren eigenen vier Wänden offen und frei zu sprechen. Und selbst das war nicht immer gefahrlos, weil viele oft auch in ihrer Privatsphäre belauscht wurden. Gerade Bürgerrechtler erhielten plötzlich einen Telefonanschluss, der sonst eine Mangelware darstellte wie so vieles andere. Denn ein Telefon versprach dem MfS, noch stärker in den Privatbereich eindringen zu können und mittels Abhörmaßnahmen die ausspionierte Person noch besser "aufklären" zu können.

Für alle Menschen sichtbar wurden auch die großen Plätze, Bahnhöfe und andere "neuralgische Punkte" in den Innenstadtbereichen mittels Videokameras überwacht. Nichts sollte den Sicherheitskräften entgehen. Offiziell wurde behauptet, diese überall sichtbaren Kameras dienten nur dazu, den Verkehr zu überwachen. Das glaubte schon vor 1989 in der DDR kaum jemand. Aber erst nach dem Fall der Mauer am 9. November 1989 und der Erstürmung der MfS-Zentrale in Ost-Berlin am 15. Januar 1990 konnten Bürgerrechtler Beweise dafür vorlegen.
Die Überwachungskameras im Ost-Berliner Zentrum dienen offiziell nur der Verkehrsbeobachtung. KONTRASTE enthüllt, dass damit unliebsame Menschen observiert werden – vor und nach dem Mauerfall. (© RBB 2005.)

Videoüberwachung durch die Stasi



Diese Videokameras wurden tatsächlich dazu benutzt, um westliche Journalisten, Oppositionelle und andere auffällig gewordene Personen zu beobachten und zu verfolgen. Der Berliner Alexanderplatz, auf dem es seit Juni 1989 an jedem 7. eines Monats zu Demonstrationen gegen die Wahlfälschungen vom 7. Mai 1989 kam, war besonders stark überwacht. Die Demonstranten gegen die Wahlfälschungen wurden hier ebenso ins Visier genommen wie andere kritische Personen. Besonders gut dokumentiert dieses Beispiel, wie stark Volkspolizei und MfS Hand in Hand arbeiteten.

Gleichzeitig zeigte sich, wie notwendig die Auflösung der alten Strukturen war. Funktionierten doch die alten Anlagen Anfang 1990 nicht nur noch immer, sie wurden sogar, wie der SDP-Mitbegründer Markus Meckel am Zentralen Runden Tisch in einer Anfrage an den DDR-Innenminister Lothar Ahrendt verdeutlichte, immer noch von den alten Kräften der Diktatur genutzt, um Bürgerrechtler auszuforschen. Sowohl Ahrendt wie auch sein Vorgänger Friedrich Dickel belogen ganz bewusst die Öffentlichkeit, als sie sagten, die Videokameras seien nur zur Verkehrsüberwachung benutzt worden. Die Originalfilme aus den Archiven des MfS zeigen etwas ganz anderes.



 

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