Weltfestspiele 1973

Video-Interviews mit Zeitzeugen I

8 Millionen Menschen kamen während der Weltfestspiele 1973 in Ost-Berlin zusammen. Es war das X. Jugendfestival von Schülern und Studenten in einer Reihe, die 1947 in Prag begonnen hatte. Es ging weder um Zehnkampf noch um Gewichteheben, sondern um eine Plattform des politischen Dialoges wie auch der politischen Inszenierung. 25.000 Gäste aus dem Ausland nahmen an den X. Weltfestspielen teil, darunter auch Delegationen aus Westdeutschland und West-Berlin. Für die DDR war das Jugendfestival Chance und Herausforderung zugleich. Mit dem neuen Staats- und Parteichef Erich Honecker wollte sich die DDR als "weltoffen" präsentieren. Aber ebenso galt es, die Kontakte zwischen den Teilnehmenden zu kontrollieren und zu steuern - bei der Festivalplanung war von Beginn auch die Staatssicherheit mit von der Partie. Doch zugleich entstand ein Mikrokosmos der persönlichen Begegnungen und Gespräche zwischen Schülern, Studenten und anderen Gästen. Die bpb veranstaltete vom 1. bis 3. August 2003 eine retroaktive Aktion zu den X. Weltfestspielen. Lesen Sie hier einige Artikel als Hintergrund zu den Weltfestspielen 1973.

Plensdorf

Video-Interviews: Weltfestspiele 1973

Der Umgang mit der DDR war nicht fair

Ulrich Plenzdorf bezeichnet sich selbst als "Weltfestspiele-Veteran". Nach der Wiedervereinigung habe man die DDR zu schnell abgestempelt, sagt er, obwohl ihr Untergang vorprogrammiert gewesen sei. Weiter...

Renft

Video-Interviews: Weltfestspiele 1973

Wir haben unser Leben am Staat vorbei gelebt

Die "Klaus Renft Combo" hat während der Weltjugendfestspiele 1973 mehrere Konzerte gegeben. Wäre es nach den Behörden ihrer Heimatstadt Leipzig gegangen, hätte die Band gar nicht teilnehmen dürfen. Zu staatskritisch schienen die Renft-Songs. Die Festspiele-Organisation setzte sich jedoch durch und holte die Musiker in die Hauptstadt der DDR. Weiter...

Voigt

Video-Interviews: Weltfestspiele 1973

Neugierde auf eine "fremde Welt"

Während der Weltfestspiele 1973 verteilte Karsten Voigt Flugblätter auf dem Alexanderplatz. Als stellvertretender Bundesvorsitzender der Jungsozialisten gehörte er zu den rund 800 Jugendlichen, die aus dem "Westen" angereist waren. Die Teilnahme der "West-Delegationen" bewertet er heute als ambivalent - für die DDR, die Jungsozialisten und für sich persönlich. Weiter...

Sparwasser

Video-Interviews: Weltfestspiele 1973

Der Bessere hat gewonnen

Er schoß das berühmteste Tor der deutsch-deutschen Fußballgeschichte. Es war das "Goldene Tor" für die DDR bei der WM ‘74 gegen die Bundesrepublik. Seitdem ist Jürgen Sparwasser ein Fußballidol. Weiter...

Gerd Dietrich, Historiker

Video-Interviews: Weltfestspiele 1973

Keiner will die DDR wiederhaben, aber keiner will ohne Vergangenheit sein

Gerd Dietrich erlebte die Weltfestspiele 1973 als 28-jähriger. Die Stimmung war ausgelassen und freimütig, sagt er, aber auch die für den DDR-Alltag übliche Überwachung war zu spüren. Weiter...

Ina Merkel

Video-Interviews: Weltfestspiele 1973

Hinterher war alles beim Alten

Die Kulturwissenschaftlerin Ina Merkel stürzte sich als 16jährige ins Getümmel der Weltfestspiele. Als Berlinerin brauchte sie keinen Anschluss an organisierte Gruppen, sondern konnte auf eigene Faust losziehen. Sie empfand die Tage im Spätsommer 1973 als Karnevalszeit in einem eher tristen real-sozialistischen Alltag. Weiter...

S. D. Sauerbier, Universitätsprofessor

Video-Interviews: Weltfestspiele 1973

Lieber Kneipen in Westberlin als Weltfestspiele in der DDR

S.D. Sauerbier arbeitete 1973 als Dozent an der Technischen Universität in Westberlin. Trotz seiner Kontakte in den Osten fuhr er bewusst nicht zu den Weltjugendfestspielen. Gründe dafür waren das SED-Regime, aber auch die Ereignisse in Prag 1968, die ihm noch gut in Erinnerung waren. Weiter...

Manfred Rexin, Journalist

Video-Interviews: Weltfestspiele 1973

Das Erlebnis einer DDR, die nicht so muffig war

Für das ZDF berichtete Manfred Rexin 1973 von den Weltfestspielen – und er war begeistert. Zum ersten Mal konnte er sich als Journalist in Ost-Berlin frei bewegen, ungehindert Interviews führen und ein authentisches Bild vom Leben in der DDR erhaschen. Doch die Hoffnungen, die dadurch entstanden, wurden kurze Zeit später wieder enttäuscht. Weiter...

Norbert Pötzl, Spiegel-Journalist

Video-Interviews: Weltfestspiele 1973

"Wie hälst du es mit den Freiheitsrechten?"

Der Spiegel-Journalist Norbert Pötzl leitete von 1990 bis 1994 das Berliner Büro des Nachrichtenmagazins und war Chronist der DDR-Vergangenheit. Honeckers Propagandaspruch war der Eintritt der DDR auf Weltniveau, die Weltfestspiele boten eine passende Gelegenheit dazu: Das Jugendfestival als Leistungsschau. Weiter...

Gunnar Rohn

Video-Interviews: Weltfestspiele 1973

Einfach mal die andere Seite der Stadt kennen lernen

Es hatte den Westberliner Gunnar Rohn schon immer geärgert, dass er kaum etwas über das Leben auf der anderen Seite der Stadt erfahren konnte. So fuhr er mit einem Tagesvisum nach Ostberlin zu den Weltfestspielen. Der damals 24-Jährige wollte einfach mit den jungen Menschen dort ins Gespräch kommen... Weiter...

Ronald Trisch, Kulturwissenschaftler

Video-Interviews: Weltfestspiele 1973

Es war ganz sicher Woodstock

Der Kulturwissenschaftler Ronald Trisch war Mitorganisator des Kulturprogramms der X. Welt-
festspiele und damit verantwortlich für weit mehr als 100 Konzerte. Den Sommer 1973 hat er als Bekenntnis zur internationalen Solidarität und als Hoffnung auf ein Ende der politischen Erstarrung der DDR in Erinnerung. Weiter...

Dr. Andrej A. Gratchev

Spezial: Weltfestspiele 1973

Der Wunsch nach Offenheit kann ansteckend sein

Die kommunistischen Führungen wagten während der Weltfestspiele mehr Offenheit, weil sie ihr System nach der Niederlage der USA in Vietnam für unverwundbar hielten. Dr. Andrej A. Gratchev wertet die Weltfestspiele 1973 auch als ein Mittel, um aus dieser Position heraus stärkere Bindungen mit der Dritten Welt zu knüpfen. Weiter...