Weltfestspiele 1973

12.10.2004

Erwartet wurde eine klare Niederlage

Horst Friedemann, Sportjournalist

Der Fußball war auch in der DDR populär und "am Wochenende war Stimmung im Lande", doch konnte er sich innerhalb der offiziellen Sporthierarchie nicht etablieren. Der Sportjournalist Horst Friedemann über die Bedeutung des Fußballs und das berühmte Sparwasser-Tor während der Weltmeisterschaft 1974.

Der Sportjournalist spricht über das berühmte Sparwasser-Tor während der Weltmeisterschaft 1974. (© 2003 Bundeszentrale für politische Bildung)

Textversion des Video-Interviews

Ein hochinteressantes Spiel, das einzige auf dieser Ebene der Nationalmannschaften West-Ost. Vorher gab's nur zwei auf der olympischen Ebene, zwei Ausscheidungsspiele, die beide Male die DDR gewonnen hat.

Hamburg, dieses Spiel... natürlich erst mal ein sportlicher Vergleich mit besonderer Brisanz, besonders deshalb, weil von der DDR-Mannschaft eigentlich niemand mehr erwartete, als eine klare Niederlage. Es gab getreue Fans der bundesdeutschen Mannschaft, der deutschen Mannschaft wollte ich sagen, die mächtig enttäuscht waren. Jürgen Sparwasser erzählte, dass einer seiner Verwandten einen Stuhl vor Wut bei seinem Tor in den Fernseher gefeuert hatte...

An der unteren Ebene, in den Bezirken, wie wir seinerzeit... das war ja regional aufgesplittet jeder Bezirk, und jeder Bezirk hatte seinen eigenen Fußballklub... war der Fußball unheimlich populär und auch wichtig, denn jedes Wochenende spielte ja – das ist wie heute – war Stimmung im Lande.

Innerhalb der Sporthierarchie war der Fußball so ziemlich am Ende angesiedelt. Erstens, weil er eben sich aufgrund bestimmter Voraussetzungen bei Weltmeisterschaften nie groß etablieren konnte und zweitens gab's dann immer so ein Eifersuchtsverhältnis zwischen Fußballern – die, die nichts leisteten oder nichts erreicht hatten – und den Einzelsportlern, die Olympiasiege en masse nach Hause brachten.

Eigentlich war es ein notwendiges Experiment, diese DDR. Einen Versuch zu starten nach diesen beiden innerdeutschen Weltkriegen, eine andere Gesellschaft aufzubauen. Dass das schief gegangen ist, das bedauere ich, aber es ist folgerichtig.