Weltfestspiele 1973

12.10.2004

Die Weltfestspiele als Satire

Jacek Lepiarz, Journalist

Der polnische Journalist Jacek Lepiarz durfte nicht zu den Weltfestspielen reisen. Dies blieb "Auserwählten" vorbehalten und der junge Student stand schon damals "auf dem Kriegsfuß" mit dem real-existierenden Sozialismus. Aber sein Interesse an staatlich organisierten Massenveranstaltungen hielt sich sowieso in Grenzen.

Der polnische Journalist und Kritiker durfte 1973 nicht zu den Weltfestspielen in die DDR reisen. Er spricht über seine Erfahrungen. (© 2003 Bundeszentrale für politische Bildung)

Textversion des Video-Interviews

Ich habe die Weltfestspiele ´73 zu Hause erlebt. Ich konnte nicht kommen. Ich hatte damals gerade mein Studium begonnen und stand schon auf dem Kriegsfuß mit dem real existierenden Sozialismus. Nach Ostberlin durften nur die Auserwählten reisen. Ich hatte auch kein großes Interesse daran, weil ich schon immer etwas gegen die staatlich organisierten Massenveranstaltungen hatte.

Den Film über die Weltfestspiele habe ich als eine Satire, als ein Lustspiel empfunden, das ein Zeichen dafür war, dass uns die Welten trennten. Es sind eigentlich nur 30 Jahre – also Zeitalter einer Generation. Ich konnte nur lachen über Losungen und Parolen. Das Marschieren... übrigens marschieren die Deutschen immer gerne, sie marschieren für etwas oder gegen etwas, zum Beispiel gegen Bush, aber sie marschieren gerne.

Ob die Weltfestspiele das Ende der DDR waren? Ich glaube schon, dass das so wie mit der Schwangerschaft ist: Man kann nicht ein bißchen schwanger werden. Man ist entweder überhaupt nicht schwanger oder ganz. Das Selbe war mit der DDR: Jede Öffnung, jede Zulassung einer freien Debatte musste mit einem Debakel, mit einem Zusammenbruch enden. Obwohl natürlich dafür andere Faktoren Ausschlag gebend waren, wie Gorbatschow und die Änderung des Kurses in der Sowjetunion, als auch die harte amerikanische Politik gegenüber dem Ostblock.