Weltfestspiele 1973

18.10.2004

Das Thema ist immer Kapitalismus und Sozialismus gewesen

Hans-Jörg Frank & Markus Schmid, Musiker

Die Kölner Agit-Prop-Gruppe Floh de Cologne bereicherte mit "linker Propaganda" aus dem Westen das sozialistische Jugendfestival im Osten. Hans-Jörg Frank, Markus Schmid und ihre Mitstreiter hatten damals eine bunte Polit-Revue über Streikposten und Arbeitskampf im Gepäck (Programmtitel: "Lucky Streik").

Die damaligen Mitglieder der Kölner Agit-Prop-Gruppe Floh de Cologne über ihren Auftritt bei den Weltfestspielen 1973. (© 2003 Bundeszentrale für politische Bildung)

Textversion des Video-Interviews

Frank:
Da kommt eine Westdeutsche Gruppe und macht, ich sag mal etwas pauschal, linke Propaganda. Und die DDR-Bürger, weiß ja nicht, mit Propaganda hatten die ja keinen Nachholbedarf. Allerdings mit solcher, das war eine Propaganda, die neu war, auch für Ohren, für die Empfindungen, weil der West-Agit-Prop war immer schon irgendwie angenehmer für die Bewohner der DDR, als der eigene Ost-Agit-Prop. Wir waren schon immer ein fast eigenes Medium. Floh war Floh, das war weder eine Band, noch ein Theater; das war was Eigenständiges. Das Programm selbst, das war eine Geschichte über einen Streikposten, das war so eine Art Story – wir hatten immer Storys gehabt, mit denen wir hier waren damals. Das war ein Streikposten, der stand vor dem Tor und das Thema war Arbeitskampf, Streik. Das Thema ist immer Kapitalismus, Sozialismus gewesen früher, im Grunde. Aufgehängt an diesem oder jenem Ereignis. In dem Fall an einem Streik. Das ist eine bunte Revue gewesen mit einem roten Faden. Da gebe ich auch andere Beispiele, die man nicht nacherzählen kann. Es war kein Stück in dem Sinne...

Schmid:
... In dem Sinne nicht, nein. Also, ich fand, dass es ganz gut rüber kam, aber man ist da nicht mehr objektiv, 25 oder noch mehr Jahre später.
..
Frank:
... 30. 30 waren es, auf den Kopf 30.

Schmid:
Ja gut, auf dem Kopf 30. (Fasst sich ins Haar)

Frank:
Ich bin ja aus der DDR, ich bin ja hier zur Schule gegangen. Ich bin ja erst '55 in den Westen gekommen, als Kind. Deswegen war das alles nicht so neu.

Schmid:
Wir kamen da an und dann eben, dass man mit Leuten sprechen konnte, so in der Kneipe oder eben im Oktoberklub oder beim Rausgehen, beim nach Hause laufen. Und dann war plötzlich die andere Seite auch wieder da; und das fand ich sehr wichtig so, dass man die Leute jetzt persönlich kennenlernte und nicht nur so die Schablone vor sich hat – sei sie jetzt nun böse oder lieb – aber das war eine gute Sache.

Frank:
Wie meinst du jetzt?

Schmid:
Ja, dass man die Leute persönlich kennt.

Frank:
Welche Leute meinst du jetzt?

Schmid: Ja, Leute, die in der DDR wohnen. Das war mir wichtig.