Weltfestspiele 1973

16.7.2003 | Von:

Die Weltfestspiele damals und heute

Die Weltfestspiele seit 1990

Verlauf und Resonanz der letzten Festivals bis 1989 deuteten bereits an, dass die Idee einer breiten internationalen Jugendbewegung für Frieden und gegen Imperialismus unter kommunistischer Führung gescheitert war. Nicht-sozialistische Gruppen und sozialistische Medien kehrten den Weltfestspielen den Rücken. Diese Entwicklung setzte sich nach der Wende im Ostblock fort: Zu den Festivals 1997 in Havanna und zuletzt 2001 in Algier reisten trotz Einladung keine sozialdemokratischen oder liberalen Gruppen an. Dazu beigetragen hat sicherlich die nur halbherzige Modernisierung des Konzepts: Zwar standen zuletzt Globalisierung, Umweltfragen und Entwicklungspolitik neben der obligaten Verurteilung der "imperialistischen" US-Politik auf dem Programm. Doch weiterhin sucht der WBDJ die Nähe zu diktatorischen Regimen. Überkommene Rituale wie der Einmarsch der Nationen diskreditieren die Veranstaltung zusätzlich – gerade in linken Kreisen.

Ohne das vitale politische Interesse des Ostblocks im Rücken standen die Weltfestspiele nach 1989 vor dem Aus. Fidel Castro versprach jedoch, die Geschichte des Festivals werde "nicht im Sande" verlaufen. Von Organisatoren und Teilnehmern als bedeutender Neuanfang gewürdigt, sah sich die Neuauflage im Kuba des "maximo lider" dem Spott der undogmatischen Linken ausgesetzt. Die liberale und bürgerliche Presse äußerte sich nicht. Zeitungen wie "taz" und "jungle world" kritisierten deutsche Gruppen für ihr unreflektiertes Einlassen auf den kubanischen Führerkult und den kruden Revolutionsmythos. Die Last der Vorbereitung lag, wie bereits für die Weltfestspiele 1973 dokumentiert, auf den freiwilligen Arbeitseinsätzen der Jugend vor Ort. Die verbliebenen öffentlichen Beobachter und deutschen Teilnehmer sind den überzeugten Festspiel-Sympathisanten zuzurechnen: Berichte loben unisono Enthusiasmus, Freundschaft und Solidarität.

Auf dem Abstellgleis

Auch Algier 2001 schürte Konflikte im Spektrum der Linken. Im Zusammenhang mit den bürgerkriegsähnlichen Zuständen in der Kabylei seit April jenes Jahres warfen kritische algerische Jugendgruppen der Regierung Völkermord vor. Jugendverbände aus Deutschland, Österreich und Frankreich boykottierten das Festival. Der WBDJ-Präsident Iraklis Tsavdaridis versuchte in einem Interview mit der Zeitung "Neues Deutschland" (ND) den Unterschied zwischen Festivalorganisation und Unterstützung der Regierungspolitik zu erläutern. Seine Hoffnung auf eine kritische Debatte blieb ein frommer Wunsch – die algerischen Sicherheitskräfte wussten entsprechende Initiativen zu unterbinden.

Gut dokumentiert findet sich der Festivalablauf einzig in der Berichterstattung der ehemaligen SED-Parteizeitung "Neues Deutschland". Die Beiträge schwanken zwischen Begeisterung und Missstimmung. Der Verweis auf die "lange entbehrte Festivalkultur" in Algerien liest sich wie eine nostalgische Reminiszenz auf Berlin 1973. Doch tätliche Übergriffe – etwa von irakischen Abgesandten gegen irakische Oppositionelle – trübten neben den allgegenwärtigen Sicherheitsbeamten die "sozialistische Seligkeit". Beerdigen will man die Festivalidee deswegen aber noch nicht: Schließlich meldeten mit Vietnam, Venezuela und Namibia gleich drei Länder ihr Interesse an der Ausrichtung der XVI. Weltfestspiele der Jugend und Studenten an.