Weltfestspiele 1973

Weltfestspiele in Zahlen und Fakten

Das Festival-Lied, die Aktion Banner und der Festivalfond

24.7.2003
Rund 5.000 Sängerinnen und Sänger stimmten das Festival-Lied 1973 in Ost-Berlin an. 8 Millionen Gäste strömten zusammen und wurden von 4.260 hauptamtlichen Mitarbeitern des Ministeriums für Staatssicherheit überwacht. Auf 95 Bühnen gab es Beat- und Rockkonzerte. Mehr Zahlen und Fakten rund um die Weltfestspiele finden Sie hier.

Die Weltfestspiele seit 1947
  • 15 mal haben die Weltfestspiele bislang stattgefunden

  • in 12 Städten

  • in Moskau, Ost-Berlin und Havanna fanden die Weltfestspiele sogar zweimal statt

  • auch außerhalb des kommunistischen Machtbereichs wurde das Jugendfestival gefeiert: 1959 in Wien und 1962 in Helsinki

  • die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnte Moskau 1957 verzeichnen: rund 34.000

  • die meisten Nationalitäten, nämlich 177, waren 1989 in Pjöngjang vertreten

  • die längste Pause zwischen zwei Weltfestspielen betrug acht Jahre - 1989 fanden die XIII. Weltfestspiele in Pjöngjang statt und die nächsten erst 1997 in Havanna

  • wann die nächsten Weltfestspiele stattfinden, ist noch unklar und auch der Ort - aber im Gespräch ist Hanoi
Die X. Weltfestspiele 1973 in Ost-Berlin
  • in der "Haupstadt der DDR" trafen sich 25.600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 140 Staaten

  • innerhalb von neun Tagen kamen rund 8 Millionen Besucherinnen und Besucher nach Ost-Berlin

  • auf 95 Bühnen traten Singeklubs auf und es gab Rock- und Beatkonzerte

  • es gab zahlreiche propagandistische Demonstrationsveranstaltungen, darunter die Großkundgebung "Die Jugend der DDR grüßt die Jugend der Welt"

  • in einem Preisausschreiben im Mai 1972 wurde das Festival-Lied gekürt: "Die junge Welt ist in Berlin zu Gast, und sie schert sich nicht darum, ob es dem Feinde paßt"
    - ein Massenchor von rund 5.000 Sängerinnen und Sängern stimmte das Lied während des Jugendfestivals an

  • im Februar 1972 wurde das Nationale Vorbereitungskomitee der Weltfestspiele gegründet, dazu zählten 118 Personen, die die verschiedensten Berufsgruppen abbildeten, unter Leitung von Erich Honecker
    Die "Aktion Banner"

  • das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) war sowohl an der Vorbereitung als auch an der Durchführung der Weltfestpiele beteiligt
    - unter dem Decknamen "Aktion Banner" entstand ein gigantischer Kontroll- und Sicherungsapparat

  • 4.260 hauptamtliche Mitarbeiter des MfS überwachten das Jugendfestival und seine Gäste

  • der Polizeipräsident von Ost-Berlin konnte auf 19.800 Volkspolizisten zurückgreifen

  • die Nationale Volksarmee setzte ihre Eliteeinheit, das Motschützenregiment 1, ein Pionierbataillon und eine Hubschrauberstaffel in erhöhte Alarmbreitschaft
    Kontrolle und Repression

  • 2.293 Personen wurden "vorsorglich" verhaftet
    - gegen 2.982 Personen wurden bereits im Vorfeld der Weltfestspiele "staatliche Kontrollmaß-
    nahmen" wirksam
    - gegen 2.577 Personen wurden weitere Maßnahmen eingeleitet, wie die Überwachung der Wohnung oder die Verkürzung der Meldepflicht
    - 800 Personen mussten die "Hauptstadt der DDR" verlassen
    - 477 wurden in die Psychatrie eingewiesen
    - 574 Personen wurden mit Urlaubssperre belegt

  • mit 19.779 Bürgerinnen und Bürgern führte das MfS Gespräche, um sie von einer Reise zu den Weltfestspielen abzuhalten

  • während der Weltfestspiele wurden lediglich 24 Festivalteilnehmende verhaftet
    - der Kontroll- und Sicherungsapparat vor und während der Weltfestspiele funktionierte
    "Planübererfüllung" für die Weltfestspiele - der Festivalfond

  • 1972 wurde ein Festivalfond eingerichtet, um das Jugendfestival zu finanzieren
    - die DDR-Bürgerinnen und Bürger waren aufgerufen, sich daran zu beteiligen

  • Ende 1972 umfasste der Festivalfond bereits 8 Millionen Mark und im Januar 1973 waren es 15 Millionen Mark
    - allein der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund spendete 1 Million Mark

  • der Kreativität waren keine Grenze gesetzt, es gab eine Festivallotterie und Preisausschreiben

  • auch die Jugendlichen in den Volkseigenen Betrieben (VEB) trugen durch Mehrarbeit und "Planübererfüllung" zum Gelingen der Weltfestspiele bei
    - weitere 85 % ihres zusätzlichen Lohns musste der VEB noch einmal auf ein Sonderkonto einzahlen, das "Konto junger Sozialisten"

  • auch die Freie Deutsche Jugend (FDJ) half tatkräftig mit
    - der Jugendverband zählte 1973 1,9 Millionen Mitglieder, davon waren ab März 1,7 Millionen FDJler mit "Festivalaufträgen" beschäftigt, wie Plakate malen und Unterkünfte organisieren

  • um die Jugendlichen gegen die westdeutschen und westberliner Delegationen argumentativ zu wappnen, gab es spezielle Schulungslager für FDJler und regelrechte Diskussions-Übungen
    Die Delegationen aus Westdeutschland und West-Berlin

  • aus Westdeutschland und West-Berlin reisten 800 Jugendliche an

  • zu den IX. Weltfestspielen in Sofia waren die Jugendlichen noch als gemeinsame Delegation, Arbeitskreis Festival (AKF), angereist
    - nach Ost-Berlin reisten die Jugendlichen in verschiedenen Delegationen

  • als AKF nahmen diesmal nur die prosowjetisch orientierten Jugend- und Studentenorganisationen teil: der Sozialistische Hochschulbund und der Marxistische Studentenbund Spartakus (eine Jugendorganisation der Deutschen Kommunistischen Partei)

  • die Gruppen gemäßigter politischer Ausrichtung reisten als lose Koordinierungsgruppe zu den X. Weltfestspielen: Sozialistische Deutsche Studenten, Sozialistischer Hochschulbund, Jungsozialisten, Bund der deutschen Pfadfinder, Deutsche Beamtenbund-Jugend, Deutsche Esperanto-Jugend, Deutsche Jungdemokraten, Deutsche Schreberjugend, Gewerkschaftsjugend des DGB, Jugend der DAG