Weltfestspiele 1973
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Hinter den Kulissen des X. Festivals


25.7.2003
Die Weltfestspiele 1973 waren ein Politikum. Die DDR arbeitete für eine gelungene Inszenierung. Im Westen rüsteten sich Gruppen unterschiedlichster Couleur für die Teilnahme. Der Historiker Carsten Schröder blickt hinter die Kulissen: wie bereiteten sich die Jugendverbände vor, was machten die Geheimdienste und wer kam aus der Bundesrepublik?

Einleitung



Die Vorentscheidung zur Vergabe der X. Weltfestspiele nach Ost-Berlin fiel bereits im September 1971 anlässlich einer Exekutivtagung des Weltbundes der Demokratischen Jugend (WBDJ) in Valparaiso (Chile). Am 19. und 20. Januar 1972 wurde die Wahl offiziell. Der Koordinierungssekretär der IX. Weltfestspiele, Jean Diard, schlug in Sofia auf einer konstituierenden Tagung des Internationalen Vorbereitungskomitees (IVK) der Weltfestspiele die DDR als nächsten Veranstaltungsort vor. Die Vertreter aus 47 Ländern nahmen die Idee einhellig an. [1]

Für das X. Festival wurde die Losung "Für antiimperialistische Solidarität, Frieden und Freundschaft" ausgegeben. Ziele der kommunistischen Veranstaltung waren unter anderem die Demonstration der internationalen Solidarität mit dem "heldenhaften Kampf der Völker Vietnams, Laos und Kambodscha", die Forderung nach einem Rückzug der Amerikaner aus Indochina und die Einstellung ihrer Unterstützung für die politischen Regime in Saigon, Vientane und Phnom Pen. Des Weiteren sollten die Weltjugendfestspiele die Solidarität mit sozialistischen Befreiungsbewegungen in arabischen Ländern, in Afrika, Lateinamerika und Asien, sowie mit den "bedeutenden Kampfaktionen der Jugend und Studenten in den kapitalistischen Ländern gegen die Ausbeutung durch Monopole, Unterdrückung, für die Durchsetzung ihrer Rechte und Bestrebungen, für tiefgreifende ökonomische und soziale Veränderungen und für Demokratie" zum Ausdruck bringen. [2]

Nicht weniger wichtig als diese Zielsetzungen war die einmalige Gelegenheit für die SED-Führung, die DDR auf internationaler und nationaler Ebene als weltoffenes und selbstbewusstes Land zu präsentieren, deren Bürger scheinbar fest hinter "ihrem" politischen System standen.

Wenige Wochen nach der Exekutivtagung des WBDJ gründete sich das Nationale Vorbereitungskomitee (NVK) in Ostdeutschland. [3] Erich Honecker sammelte als Präsident des Gremiums ab dem 18. Februar 1972 über einhundert Personen aus dem politischen und kulturellen Leben der DDR um sich. Dazu gehörten die wichtigsten Mitglieder des Politbüros, die Minister der DDR, die Leiter bedeutender Abteilungen des Zentralkomitees der SED, die Chefredakteure von Zeitungen und dem Staatsfernsehen sowie ausgewählte Künstler. [4]


Fußnoten

1.
Breßlein, Erwin, "Die Weltjugend und der Dogmatismus. Geschichte und Problematik der Weltjugendfestspiele", in: Aus Politik und Zeitgeschichte. Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament 22 (1973), S. 24.
2.
Aufruf des IVK nach der Tagung in Sofia (19.-20.1.1972), in: Zentralrat der FDJ (Hg.), Geschichte der Weltfestspiele der Jugend und Studenten (Kurzdokumentation der Abteilung Agitation), Berlin 1973, S. 18.
3.
Breßlein, Erwin, "Die Weltjugend und der Dogmatismus. Geschichte und Problematik der Weltjugendfestspiele", in: Aus Politik und Zeitgeschichte. Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament 22 (1973), S. 24.
4.
BArch, DY 24/E 14620, Eine Liste des FDJ-Archivs ohne Datum jedoch aus dem ersten Halbjahr 1973 enthielt über einhundert Namen. Im Folgenden ist eine kleine Auswahl daraus wiedergegeben: Willi Stoph, Mitglied Politbüro des ZK der SED, Vorsitzender des Ministerrates der DDR, Hermann Axen, Mitglied Politbüro, Sekretär des ZK der SED, Werner Lamberz, Mitglied Politbüro, Sekretär ZK der SED, Paul Verner, Mitglied Politbüro Sekretär ZK, Erich Mielke, Kandidat des Politbüros des ZK, Minister für Staatssicherheit, Generaloberst, Frank Bochow, Sekretär des Zentralrates der FDJ, Sekretär des Nationalen Festivalkomitees der DDR für die X. Weltfestspiele, Klaus Gysi, Minister für Kultur, Jürgen Herrmann, Chefredakteur ND, Mitglied ZK, Margot Honecker, Ministerin für Volksbildung, Günther Jahn, Mitglied ZK der SED, 1.Sekretär Zentralrat FDJ, Vizepräsident des Nationalen Festivalkomitees der DDR, Egon Krenz, Kandidat des ZK der SED, Sekretär des Zentralrates des FDJ und Vorsitzender der Pionierorganisation "Ernst Thälmann", Siegfried Lorenz, Mitglied des ZK der SED, Leiter der Abteilung Jugend im ZK der SED, Klaus Raddatz, Mitglied des Büros des Zentralrates der FDJ, Chefredakteur "Junge Welt", Erich Rau, Sekretär des Zentralrates der FDJ, Leiter des Organisationskomitees, Klaus Raddatz, Mitglied des Büros des Zentralrates der FDJ, Chefredakteur "Junge Welt", Erich Rau, Sekretär des Zentralrates der FDJ, Leiter des Orgakom, Karl-Eduard von Schnitzler, Chefkommentator des Fernsehfunks der DDR, "Kulturschaffende": Frank Schöbel, Dr. h.c. Anna Seghers, Gisela Steineckert.