"Stolpersteine" des Künstlers Gunter Demnig.
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Wirtschaft und Gesellschaft unterm Hakenkreuz


6.4.2005
Massive Rüstungswirtschaft und vorgeschriebene Arbeitsdienste senkten die Zahl der Erwerbslosen von sechs auf knapp eine Million 1937. Die "totale" Durchdringung von Wirtschaft und Gesellschaft durch Wirtschaftslenkung und Zwangsorganisation der Arbeiter und Angestellten diente noch einem anderen Zweck: Sie schuf die Voraussetzungen für den geplanten Krieg.

Nicht genau datiertes Schwarz-Weiß-Foto: Uniformierte junge deutsche Hitlerjugendliche bei einer Kundgebung in Deutschland im Jahr 1935 mit Trommeln, Fanfaren und Fahnen.Hitlerjugendliche bei einer Kundgebung im Jahr 1935. (© AP)

Einleitung



Auch die Wirtschafts- und Sozialpolitik diente der Mobilisierung und Kontrolle der Gesellschaft. Es galt, die gesellschaftlichen Interessen und Organisationen nach ihrer Gleichschaltung neu zu formieren. Zugleich waren die Konsum- und Lebensansprüche der Bevölkerung zu befriedigen, von deren Erfüllung die Wirkung der nationalsozialistischen Propaganda abhing. Neben der Stabilitätssicherung der Diktatur sollte die Wirtschafts- und Sozialpolitik zusammen mit der Rüstungspolitik der Aufstellung und Ausrüstung einer kriegsfähigen Wehrmacht bzw. der Kriegsvorbereitung dienen. Butter und Kanonen sollten darum gleichzeitig produziert werden. Aus dieser Doppelaufgabe entwickelte sich mehr und mehr ein Zielkonflikt. Denn die nationalsozialistische Führung trieb die Aufrüstung weit über das Leistungsvermögen von Wirtschaft und Gesellschaft hinaus. Das führte immer wieder zu Engpässen und Widersprüchen, auf die das Regime nicht etwa mit einer Drosselung des Rüstungstempos, sondern mit dem Ausbau des staatlichen Lenkungssystemes reagierte. Mit der Verlagerung der wirtschaftlichen Prioritäten auf die Rüstungsproduktion wurden die industriewirtschaftlichen Strukturen wie die Lohn- und Beschäftigungssituation verzerrt und die Marktmechanismen zunehmend außer Kraft gesetzt.

Das macht Aussagen über Produktion und Gewinne sowie über Arbeit und Lohn in besonderer Weise branchenabhängig und verbietet Verallgemeinerungen. Zugleich tat sich eine Kluft zwischen den Verheißungen der Propaganda und der sozial-ökonomischen Wirklichkeit auf. Die nationalsozialistischen Ideologen hatten zum Kampf gegen die Herrschaft der Großindustrie und der Großbanken, der Warenhäuser und der großen Gewerkschaften aufgerufen; für die Sicherheit der Kleinhändler, Kleingewerbetreibenden und Bauern wollten der NS-Kampfbund für den gewerblichen Mittelstand und der Agrarpolitische Apparat der NSDAP eintreten. Doch bis zum Kriegsbeginn stieg der Anteil der Industrie am Sozialprodukt kontinuierlich, die Zahl der selbständigen Handwerker ging hingegen zurück und auch die Frauenerwerbstätigkeit nahm zu. Ebenso ging der Anteil der Landbevölkerung zurück; die Städte wurden nicht kleiner, sondern größer. Es gab kaum eine Großstadt, die nicht Erweiterungs- und Urbanisierungsprogramme entwickelte. Die säkularen Entwicklungslinien von Wirtschaft und Gesellschaft waren nicht gestoppt, sondern hatten sich beschleunigt.

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