"Stolpersteine" des Künstlers Gunter Demnig.
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Der Zweite Weltkrieg


6.4.2005
Mit dem deutschen Überfall auf Polen begann am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg. Der Beitrag skizziert die wichtigsten Etappen von den ersten Besetzungen über die Wende im Winter 1941/42 bis zum selbstzerstörerischen "totalen Krieg" und der totalen Niederlage Deutschlands.

Schwarz-Weiß-Foto: Deutsch Soldaten reißen den Schlagbaum an der deutsch-polnischen Grenze am 1. September 1939 nieder. Die ersten Schüsse des Zweiten Weltkrieg fallen an diesem Tag in Polen, als die deutsche Invasionsarmee das Nachbarland überfällt.Den Beginn des Zweiten Weltkriegs markiert der deutsche Überfall auf Polen am 1. September 1939. (© AP)

Einleitung



Schon vor dem Überfall auf Polen am 1. September 1939 und damit dem Beginn des nationalsozialistischen Eroberungskrieges war abzusehen, dass ein Angriff auf Polen in jedem Fall das Eingreifen Großbritanniens zur Folge haben würde: Am 31. März 1939 hatten die Briten erklärt, im Falle einer Bedrohung den Bestand Polens bewahren und für die nationale Souveränität des Landes eintreten zu wollen.

Am 3. September 1939 erklärten sowohl Großbritannien als auch Frankreich dem Deutschen Reich den Krieg. Einige Tage später schlossen sich Australien, Indien und Neuseeland, die Südafrikanische Union und Kanada der britischen Kriegserklärung an.

Auch wenn dem amerikanischen Präsidenten Roosevelt durch den Kongress zunächst die Möglichkeit für ein militärisches Engagement an der Seite der Westmächte verwehrt wurde, ließ er keinen Zweifel daran, dass die Vereinigten Staaten auf der Seite der Westmächte standen. Die Haltung der "bewaffneten Neutralität" erlaubte es der amerikanischen Regierung, aufzurüsten und einen "Kreuzzug für die Demokratie" vorzubereiten.

Stalin, der offensichtlich mit einem langen Krieg zwischen den Westmächten und Deutschland rechnete, hielt er sich an das Nichtangriffsabkommen und auch an das dieses ergänzende Wirtschaftsabkommen. Er sah im Deutechen Reich ohnehin den schwächerern Part und versprach sich durch einen Zeitgewinn die Bewahrung größerer Handlungsfreiheit für Russland.

Damit kündigte sich trotz der strikten Neutralitätserklärung Japans die globale Dimension, die der Krieg sehr bald annehmen sollte, schon zu diesem Zeitpunkt an.
Deutschland blieb allein – denn auch Italien hatte schon angekündigt, dass es die Verpflichtungen des Stahlpaktes nicht erfüllen könne.

Eroberung Polens



Die Tatsache, dass sich Frankreich und Großbritannien trotz ihrer Kriegserklärung für eine Strategie des Abwartens gegenüber Deutschland entschieden, um ihre Land- und Luftstreitkräfte auszubauen, erwies sich für Hitler als strategische Chance. Denn der "Sitzkrieg" im Westen erlaubte eine Konzentration aller verfügbaren militärischen Kräfte im Osten. Das war die Voraussetzung dafür, dass die Wehrmachtsführung den Bewegungskrieg mit motorisierten Verbänden und einer starken Panzer- und Luftwaffe zum raschen Erfolg bringen konnte. Nach einer Woche erreichten deutsche Panzerverbände die Stadtgrenze von Warschau. Nach einer weiteren Woche war die Hauptstadt eingeschlossen und die militärische Niederlage Polens war absehbar. Als Hitler die Bombardierung der Stadt befahl, kapitulierte Warschau am 27. September, nachdem die polnische Regierung bereits am 17. September das Land verlassen hatte. Am selben Tag gab Stalin, von der deutschen Seite dazu gedrängt, der Roten Armee den Befehl zum Einmarsch in Ostpolen, um sich den im geheimen Zusatzprotokoll des Hitler-Stalin-Paktes vorgesehenen Anteil an der Beute zu sichern. Nach der Niederwerfung Polens schlossen Deutschland und Sowjetunion am 28. September 1939 einen Grenz- und Freundschaftsvertrag, der zur vierten Teilung Polens führte und in einem geheimen Zusatzprotokoll einen Gebietsaustausch vorsah.

Der Großteil der litauischen Gebiete, die eigentlich der deutschen Einflusssphäre zugeordnet werden sollten, fiel an die Sowjetunion, während sich die Deutschen Warschau und Lublin ihrem Machtbereich einverleibten. Am 6. Oktober wurden die Kampfhandlungen beendet. Hitlers Sieg wurde von der Propaganda als Blitzkrieg gefeiert. Doch dieser Erfolg, der Führung und Öffentlichkeit blendete, wäre ohne die Untätigkeit der Westmächte nicht zustande gekommen. Hinter der Legende vom "Blitzkrieg" zeigten sich die ersten Elemente eines nationalsozialistischen Vernichtungskrieges gegen Teile der Bevölkerung, die aus rassenideologischen Gründen vertrieben oder ermordet wurden. Schon am 22. August 1939 hatte Hitler als Ziel des Feldzuges die "Vernichtung Polens" genannt, wörtlich "die Beseitigung der lebendigen Kräfte, nicht die Erreichung einer bestimmten Linie". Was das bedeutete, zeigte sehr bald die nationalsozialistische Besatzungspolitik. Aus Polen wurden Lebensmittel und Arbeitskräfte herausgepresst, hinter der Front sollte das langfristige ideologische Ziel der "Germanisierung" Polens ins Werk gesetzt werden. Das bedeutete nach den Plänen Himmlers und Heydrichs die Verhaftung und Abschiebung der polnischen Führungsschichten, Erniedrigung der übrigen Bevölkerung zu Arbeitssklaven sowie eine von rassenideologischen Zielen geleitete Umsiedlungs- und Eindeutschungspolitik. Die Politik der Ausbeutung und der "Germanisierung" war ein eindeutiger Verstoß gegen das Kriegsvölkerrecht, das für die Wehrmacht noch galt. "Die Wehrmacht", hieß es im Aufruf des Oberbefehlshabers des Heeres vom 1. September 1939, "sieht in der Bevölkerung nicht ihren Feind. Alle völker-rechtlichen Bestimmungen werden geachtet werden." Damit deuteten sich zwei entgegengesetzte Konzepte von Besatzungspolitik an, auch wenn in der ideologisch aufgeladenen Alltagswirklichkeit des Krieges und der Besatzung sich diese Trennlinien bald verwischen sollten.

In einer Atmosphäre des aufgestauten Hasses und der Gewalt kam es in Bromberg am 3. September 1939 zu antideutschen Ausschreitungen, denen Hunderte von "Volksdeutschen" zum Opfer fielen. Diese Vorfälle wurden von deutscher Seite zur Rechtfertigung von Geiselerschießungen in großem Umfang genutzt, in die auch teilweise die Wehrmacht verstrickt war. Doch noch versuchten die Militärbefehlshaber, die in den besetzten Gebieten die exekutive Gewalt besaßen, solchen Ausschreitungen entgegenzuwirken. Zu einem eigenen Machtfaktor wurden die "Einsatzgruppen", die aus Himmlers SD und Einheiten der Sicherheitspolizei (Sipo) gebildet waren. Als politische Sondereinheiten der Polizei waren sie zum ersten Mal beim Einmarsch nach Österreich und in die Tschechoslowakei hinter den vorrückenden Militäreinheiten aufgetreten und hatten dort die Verfolgung der politischen Opposition und der ideologischen Gegner übernommen. Vor dem Einmarsch nach Polen wurden sechs Einsatzgruppen gebildet, die formell noch dem Heer unterstellt waren. Insgesamt gab es 15 Einsatzkommandos von etwa 120 bis 150 Mann. Der Auftrag dieser mobilen Verfolgungs- und Tötungskommandos lautete, alle "reichs- und deutschfeindlichen Elemente im Feindesland rückwärts der fechtenden Truppe" zu bekämpfen.

Tatsächlich begannen die Einsatzgruppen sehr bald damit, nach einer vorbereiteten Kartei in Polen insgesamt 30.000 Menschen zu verhaften und in Konzentrationslager einzuweisen. Außerdem erhielten sie von Himmler den Befehl, "polnische Aufständische, die auf frischer Tat oder mit der Waffe ergriffen" würden, "auf der Stelle zu erschießen". Damit setzte sich der Reichsführer-SS über Weisungen der Heeresleitung hinweg, die ausdrücklich festgestellt hatte, dass "Freischärler" nach ihrer Festnahme nicht ohne gerichtliches Verfahren bestraft werden dürften. Auch die unscharfe Auslegung des Begriffes "Freischärler" führte zu einer allmählichen Ausweitung der Verfolgung auf die verschiedenen ideologischen "Feindgruppen". Das Ziel der Aktionen der Einsatzgruppen hatte Heydrich schon am 7. September formuliert: "Die führende Bevölkerungsschicht in Polen soll so gut wie möglich unschädlich gemacht werden." Nach einer Weisung Heydrichs vom 21. September sollten auch Juden mit einbezogen werden.

Maßnahmen gegen die Juden, die in größeren Städten zusammenzufassen waren, sollten mit der Zivilverwaltung und der militärischen Führung abgestimmt werden. Die Handlungsmöglichkeiten der Wehrmachtsführung, die sich noch um die Einhaltung der völkerrechtlichen Normen bemühte, wurden im Oktober 1939 immer weiter eingeschränkt, als Hitler die Eingliederung von knapp der Hälfte der von der deutschen Wehrmacht eroberten polnischen Gebiete ins Reich anordnete. Diesseits der neuen Grenze, die von der Ostgrenze Ostpreußens zur Ostgrenze Oberschlesiens verlief, sollte die einheimische polnische Bevölkerung ausgesiedelt und Deutsche angesiedelt werden. Das unter deutscher Herrschaft stehende Gebiet jenseits der Grenze erhielt nun den Namen "Generalgouvernement". Die dort wohnenden bzw. dorthin vertriebenen Polen sollten ein "Helotendasein auf niedriger Kulturstufe" (Ludolf Herbst) führen. Für die Verfolgungs-, Vertreibungs- und Umsiedlungspolitik, die im nationalsozialistischen Sprachgebrauch als "völkische Flurbereinigung" bezeichnet wurde, erhielt Himmler am 7. Oktober umfassende Vollmachten, als ihm in einem geheimen "Führerbefehl" das Amt eines "Reichskommissars für die Festigung des deutschen Volkstums" übertragen wurde. Himmler nutzte diesen Befehl, um im Osten einen Machtbereich der SS zu etablieren, der jeder Kontrolle durch Verwaltung und Recht entzogen war und der in den eroberten und besetzten Gebieten in neuer Konkurrenz zur Wehrmacht stehen sollte. Auch mit den Leitern der neu ernannten Zivilverwaltungen hatte der jeweilige Militärbefehlshaber Gegenspieler, die als Gauleiter bzw. Vertraute von Hitler über die größeren Einflussmöglichkeiten verfügten. Hitler speiste die Wehrmachtsführung mit der Bemerkung ab, dass sie nun eine Verantwortung weniger habe. Halder erläuterte weiter: Harter Volkstumskampf gestattet keine gesetzlichen Bindungen".

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