"Stolpersteine" des Künstlers Gunter Demnig.

6.4.2005 | Von:
Deutsche Geschichten

Der Zweite Weltkrieg

Krieg gegen England

Der Krieg gegen England sollte tatsächlich nur geführt werden, um die gewünschte Handlungsfreiheit nach Osten zu erreichen. Sollte das nicht gelingen, dann rückte als Alternative der Krieg gegen Russland in den Blick, den Hitler nun aber zu einem früheren Zeitpunkt als vorgesehen zu führen gedachte, um mit einem Sieg im Osten England zu isolieren und doch noch zum Einlenken zu zwingen. Der Krieg gegen die Sowjetunion erhielt in diesen mehr vom ideologischen Wollen und von Wunschträumen als von politisch-militärischen Realitäten bestimmten Überlegungen eine doppelte Funktion: Er blieb ideologisches Ziel, wurde aber nun auch Mittel zur Erreichung seines Fernziels. Diese Doppeldeutigkeit warf ein bezeichnendes Licht auf die politisch-strategischen Widersprüche, in die sich Hitler selbst manövrierte. Zunächst versuchte Hitler es mit der direkten Auseinandersetzung, doch fiel der Auftakt zum Krieg gegen England recht zögerlich und vorsichtig aus. Zunächst sollte England durch Luftangriffe zum Einlenken gezwungen werden. Ein Landeunternehmen hielt Hitler zu dieser Zeit für ein sehr großes Risiko, das erst in Betracht komme, "wenn kein anderer Weg offen ist, um mit England zum Schluss zu kommen". Auch das OKW betrachtete ein solches Unternehmen als eine "Verzweiflungstat", die aber vermeidbar sei, da es andere Wege gäbe, um England zu bezwingen.

Zerstörte Stadt: Zwischen September 1940 und Mai 1941 fliegt die deutsche Luftwaffe fast ohne Unterbrechung Bombenangriffe auf die britische Hauptstadt London. Von den Engländern werden die Angriffswellen bald "The Blitz" genannt.Zerstörte Stadt: Zwischen September 1940 und Mai 1941 fliegt die deutsche Luftwaffe fast ohne Unterbrechung Bombenangriffe auf die britische Hauptstadt London. Von den Engländern werden die Angriffswellen bald "The Blitz" genannt. (© AP)
Doch die Luftwaffe, die mit ihren Angriffen auf England am 5. August begann, war nicht in der Lage, die militärischen Voraussetzungen für ein Landeunternehmen zu schaffen. Zwar konnten die deutschen Jagd- und Bombenflugzeuge die Infrastruktur der britischen Armee hart treffen. Sie konnten aber weder die Luftüberlegenheit über England erringen noch dauerhaft das britische Potential an Flugzeugen und einsatzfähigen Piloten ausschalten. Mit der Verlagerung auf eine Zermürbungsstrategie durch Bombenangriffe auf Wohnbezirke, die am 24. August 1940 begann, wurden die ohnehin knappen Ressourcen an Flugzeugen und Personal noch weiter zersplittert. Dies hatte zur Folge, dass die Luftwaffe an keiner Front schlagkräftig genug war, um den englischen Widerstand zu brechen. Zwar dehnte sie den Bombenkrieg, der von englischer Seite mit Angriffen auf Berlin beantwortet wurde, immer mehr auf englische Industriestädte wie Coventry und Birmingham aus, aber dadurch blieb die britische Luftwaffe von weiteren massiven Angriffen auf ihre Stützpunkte verschont. Am 17. September musste unter dem Eindruck der steigenden Verluste der deutschen Luftwaffe die Landung "bis auf weiteres" verschoben werden. Es war eine schwere Niederlage für Hitler, die er erst am 5. Dezember eingestand.