"Stolpersteine" des Künstlers Gunter Demnig.
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Der Beginn der Bipolarität


15.4.2005
Mit dem Ende der Naziherrschaft und der Besetzung und Aufteilung Deutschlands durch die Alliierten Streitkräfte verband sich zugleich das Entstehen einer bipolaren Welt. Die brüchige Allianz sich gegenüberstehender Ideologien hatte nur solange Bestand, wie es galt, einen gemeinsamen Feind zu bezwingen.

Schwarz-Weiß-Foto: Sitzung der Kommission des alliierten Kontrollrates im sowjetischen Hauptquartier am 5. Juni 1945: Vertreter Frankreichs, Großbritanniens, US-Amerikas und der Sowjetunion bei der Unterzeichnung eines Paktes, in dem die vier alliierten Mächte die vollständige Niederlage Nazi-Deutschlands bekräftigen und die Macht über alle Aspekte des Lebens in Deutschland übernehmen. Sowohl das gesamte Land als auch die Stadt Berlin werden in vier Besatzungszonen und Sektoren unterteilt, wobei die nationalen Grenzen unter Rückgriff auf die des 31. Dezembers 1937 zugrunde gelegt werden.Sitzung der Kommission des alliierten Kontrollrates am 5. Juni 1945: Die vier alliierten Mächte bekräftigen die vollständige Niederlage Nazi-Deutschlands und teilen sowohl das gesamte Land als auch die Stadt Berlin in vier Besatzungszonen auf. (© AP)

Einleitung



Der Ost-West-Konflikt war von 1945 bis 1990 das bestimmende Merkmal der Weltpolitik. Er war gekennzeichnet durch die machtpolitische Rivalität zwischen den USA und der UdSSR sowie dem weltanschaulichen Gegensatz von Kommunismus und westlicher Demokratie. Die Auseinandersetzung zwischen den gegensätzlichen Systemen nahm zunächst die Form eines "Kalten Krieges" an und eskalierte mehrfach bis an den Rand eines Atomkrieges. Nach der Erfahrung der Berlin- und Kuba-Krise 1961/62 bemühte man sich in beiden Lagern verstärkt um Entspannung und friedliche Koexistenz, um einen selbstzerstörerischen Nuklearkrieg zu vermeiden. Doch erst nach dem Zusammenbruch der sowjetischen Herrschaft in Osteuropa im Gefolge der Revolution von 1989 und der anschließenden Selbstauflösung der Sowjetunion durch Aufkündigung des Unionsvertrages von 1922 sowie der Gründung der "Gemeinschaft Unabhängiger Staaten" (GUS) fand der Ost-West-Konflikt ein - zumindest vorläufiges - Ende.

Seit dem 19. Jahrhundert als Auseinandersetzung zwischen "östlicher" und "westlicher" Zivilisation oft vorhergesagt und seit der Oktoberrevolution in Rußland 1917 als Ringen zwischen liberalkapitalistischen Prinzipien und staatssozialistischen Ideen unmittelbar erwartet, wurde das internationale System nach dem Zweiten Weltkrieg durch den Ost-West-Konflikt maßgeblich geprägt. Das Doppelereignis der Oktoberrevolution in Rußland und des Eintritts der USA in den Krieg der europäischen Mächte, der sich dadurch zum Ersten Weltkrieg ausweitete, schuf zwar bereits 1917 eine Konstellation, in der sich die spätere Entwicklung abzeichnete. Doch erst der Krieg Hitlers und die damit verbundene Zerschlagung der politischen Strukturen Mitteleuropas, die es den "Randmächten" USA und Sowjetunion erlaubten, das politische Vakuum in Europa zu füllen, machte die Ost-West-Konfrontation möglich.


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